«Club»-Kritik: Wenn Religion politisch wird

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 07.10.2009 32 Kommentare

Die «Atheisten-Plakate» beschäftigten auch den «Club». Der Gottesbeweis wurde dabei nicht erbracht. Egal: In der Religionsfrage erwartet unser Land sowieso allerlei weltliche Knacknüsse.

Darf in Zug auf öffentlichem Grund nicht gezeigt werden: «Atheisten-Plakat» der Freidenker-Vereinigung.

Darf in Zug auf öffentlichem Grund nicht gezeigt werden: «Atheisten-Plakat» der Freidenker-Vereinigung.

Gesprächsleiter Röbi Koller.

Gesprächsleiter Röbi Koller.

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Gibt es einen Gott? Es war wahrscheinlich die schwierigste Frage, an die sich der «Club» jemals herangewagt hat. Aufgeworfen wurde sie durch die sogenannten Atheisten-Plakate, die die Vereinigung der Freidenker im Oktober auf öffentlichem Grund aufkleben lässt. «Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht – geniess das Leben», verkünden sie.

Der Spruch sorgt für rote Köpfe noch bevor er an den Mauern prangt: Der Stadtrat von Zug hat beschlossen, die Plakatezu verbieten. Im gestrigen Club verteidigte die Zuger Baudirektorin Andrea Sidler den Entscheid. Der Aushang sei zu provokativ und ein Affront für die Gläubigen. Dabei stösst sich die CVP-Frau nicht an der Aussage, es gebe keinen Gott. Sie ist betupft, dass behauptet wird, Gläubige würden das Leben nicht geniessen.

Religiöser Hardliner

Sidlers Gegenspielerin war Reta Caspar von der Freidenker-Vereinigung Schweiz. Sie will mit den Plakaten ein Gegengewicht zu religiösen Botschaften in der Öffentlichkeit schaffen. Wobei der umtriebigen Kampagnera vor allem die grossen blauen Plakate mit Bibelsprüchen ein Dorn im Auge sind. «Wir wollen keine Christen zum Atheismus bekehren», sagte Casper. «Es geht darum, eine Debatte zu führen.» Wobei sie den Gesprächspartnern mit der ungeduldigen Bissigkeit des Atheisten übers Maul fuhr.

Der Hardliner auf der religiösen Seite hiess Max Schläpfer, Präsident der Freikirchen Schweiz. Er erstaunte mit ernst gemeinten Sätzen wie «Der Mensch hat ein böses Herz». Oder «Der Mensch ist nicht, was er mal war.» Worauf man prompt in philosophisch-religiösen Grundsatzdiskussionen landete und gar die Frage diskutierte, ob es ein Leben nach dem Tod gebe. Fehlte nur noch das Teekannengleichnis.

Steilvorlage für Diskussion

Gut, hatte Gesprächsleiter Röbi Koller auch Gäste in der Runde, die sachlicher argumentierten. Zum Beispiel der protestantische Pfarrer Jürg Rother. Er befürchtet eine Privatisierung der Religion. In den Atheisten-Plakaten sieht er deshalb eine willkommene Steilvorlage, um über die Bedeutung von Religion zu diskutieren. In Anlehnung an den Spruch «Da ist wahrscheinlich kein Gott» meinte er: «Glauben bedeutet ja, dass man nicht sicher weiss.»

Ein weiterer Gast, der Atheist und Juso-Mann Cédric Wermuth, betonte: Jeder soll privat glauben, was er will. Staat und Kirche müssten strikt getrennt werden: Kruzifixe etwa hätten in Schulzimmern nichts zu suchen. Die theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten sollen geschlossen werden. Da war man wieder auf der radikalen Schiene. Immerhin rückte Wermuth den Fokus so wieder auf den Kern der Sache: Wo beginnt Religion politisch zu werden? Woher nimmt eine multikulturelle Gesellschaft ihre Werte? Fragen, die in nächster Zeit dringender sein dürften als der Gottesbeweis. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2009, 13:13 Uhr

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32 Kommentare

sascha Müller

07.10.2009, 11:08 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich bin ja kein JUSO Fan, aber bei der Aussage "Staat und Kirche müssten strikt getrennt werden" hat er absolut recht, einige Parteien haben das wohl vergessen.... Antworten


Andreas Kyriacou

07.10.2009, 12:07 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Es war grotesk: Der Freisinnige in der Runde gebart sich als Gottesdiener, dafür erweist sich der Sozi als Fürsprecher der liberalen Werte, die wir der Aufklärung verdanken. Reta Caspar hat ebenfalls zur Sachlichkeit beigetragen, indem sie z.B. klarstellte, dass es zur Erklärung menschlicher Züge wie Mitgefühl kein Religionsgerüst braucht, die Erkenntnisse der Evolutionspsychologie genügen. Antworten



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