Kultur

«Der ‹10vor10-Beitrag› vergrault unsere Ski-Gäste»

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 11.02.2011 20 Kommentare

Ein Bericht des Schweizer Fernsehens thematisierte den Schneemangel in den Skigebieten. Tourismus-Verantwortliche empfinden das als geschäftsschädigend.

1/5 Schmaler Schneestreifen: Auf Höhe Talstation in Braunwald ist es nicht nur weiss.
SF

   

Frühlingswetter im Februar: Was im Mittelland die meisten freut, ärgert Skitouristen in den Hochregionen. Das zumindest legte der «10vor10»-Bericht am Dienstagabend nahe. «Braun in braun» verlaufe der Farbton in der Ski-Region Braunwald, sagte der Off-Sprecher im Beitrag. Und im Bild sah der Zuschauer einen schmalen Schneestreifen umgeben von grün-brauner Wiese – ungefähr auf Höhe Talstation. Die Stossrichtung des Beitrags ist eindeutig: Das gar nicht winterliche Wetter verhindere den Spass auf der Piste.

Die hohen Temperaturen seien «fatal fürs Geschäft», heisst es im Beitrag. Doch ebenso fatal fürs Geschäft könnte sich auch der Beitrag von «10vor10» auswirken. Jedenfalls glauben das einzelne Vertreter der genannten Regionen.

«Der ganzen Region geschadet»

«Wir sind sehr enttäuscht von der Berichterstattung und hätten vom Schweizer Fernsehen einen objektiveren Beitrag erwartet», sagt etwa Silvia Blatter von der Schneesportschule Braunwald gegenüber «Blick». Das SF habe «der ganzen Region geschadet».

Die Braunwald-Klausenpass Tourismus AG sah sich am Mittwoch gezwungen, eine Pressemitteilung herauszugeben. «Entgegen der jüngsten Berichterstattung verfügt Braunwald noch über genügend Schnee, um den Pistenservice für die Wintersportler aufrechtzuerhalten», heisst es darin.

Keine braunen Pisten in Gstaad

Alles andere als zufrieden ist auch Armon Cantieni, Direktor der Bergbahnen Gstaad, der im Beitrag selbst zu Wort kam. «Der Bericht ist unsachlich und geschäftsschädigend», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Viele wesentliche Aussagen von ihm oder von Gästen seien zwar gefilmt, aber nicht gesendet worden. Bei den Interviews mit den Skigästen habe er daneben gestanden. «Sie waren durchwegs begeistert.» Gesehen habe man am Fernsehen davon aber nichts.

Gezeigt wurde auch Cantieni selbst, im Hintergrund nur gefleckte Hänge. «Das ist die Südseite, nicht das Skigebiet», so Cantieni. Das SF habe verzweifelt nach einem «weissen Band auf grüner Wiese» wie in Braunwald gesucht, erklärt er weiter. Erfolglos. «Bei uns gibt es keine braunen Pisten.» Das Schweizer Fernsehen wehrt sich gegen diesen Vorwurf: «Im Beitrag zu Gstaad ist eindeutig zu sehen, dass es auf den Pisten Schnee hat», sagt Sprecher Marco Meroni. Dieser Teil des Berichts sei absolut sachlich.

«Höchst bedauerlich»

Armon Cantieni lässt das nicht gelten. Das Schweizer Fernsehen habe von Anfang an einen negativen Beitrag senden wollen – und dies trotz Mangel an Fakten durchgezogen, glaubt er.

Die Angelegenheit findet er darum «höchst bedauerlich». «Es wird etwas vermittelt, das so nicht stimmt. Dieser Beitrag vergrault nicht nur Skigäste, sondern er schadet der ganzen Industrie.»

Richtig wiedergegeben

In Spiez, dem dritten Beispiel im Beitrag, steht man der Sendung gelassener gegenüber. «Wir haben keine Schwierigkeiten mit dem Bericht», sagt Stefan Seger, Geschäftsleiter der Spiez Marketing AG. Alles sei richtig wiedergegeben worden.

Allerdings wurde in Spiez nur am See gefilmt. Spaziergänger wurden nach ihrer Lust auf Wintersport befragt.

Dennoch hält Seger fest: «Auch wenn derzeit kein richtiges Winterfeeling herrscht und kein Pulverschneefahren möglich ist – unsere Skigebiete haben hervorragend präparierte Pisten. Der Winterspass ist in keiner Weise eingeschränkt.»

Keine Beschwerden

Das Schweizer Fernsehen gibt in seiner offiziellen Stellungnahme Fehler zu: Im Beitrag sei erwähnt worden, dass das Skigebiet Braunwald bis auf 1200 Meter über Meer reiche. «Korrekt ist, dass das Skigebiet auf 1200 Meter beginnt und bis auf 1900 Meter hinaufgeht. Und da oben hat es noch Schnee. Wir entschuldigen uns für den Fehler und haben ihn auf unserer Homepage korrigiert», schreibt Marco Meroni.

Gemäss dem Ombudsmann des SF, Achille Casanova, sind noch keine Beschwerden zum Beitrag von «10vor10» eingegangen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.02.2011, 14:54 Uhr

20

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

20 Kommentare

Rolf Fritz

11.02.2011, 15:48 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Only bad news are good news Antworten


Ben Müller

11.02.2011, 16:56 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich habe auch nicht viel Mitleid mit den Direktoren der Kurorte. Es ist halt wie es ist. Die Pisten sind oft wirklich erstaunlich gut, nebendran ists oft braun oder grün. Wer aber schon einmal mit dem SF DRS zu tun hatte weiss, wie arrogant die Leute teilweise auftreten und es so laufen muss wie es eben vorgesehen ist. Die Wahrheit wird auch oft gebogen wenns denn der Story dienen sollte. Antworten




Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.