Kultur

Der Fauxpas des Oscar-Anwärters

Aktualisiert am 07.02.2012 9 Kommentare

Der französische Schauspieler Jean Dujardin aus dem Stummfilm «The Artist» hat seine Chancen auf einen Oscar vielleicht schon verspielt: Wegen sexistischer Filmplakate.

1/6 Kontraproduktive Werbung: Jean Dujardin auf dem Filmposter für «Les Infidèles».

   

«Infidèles» (Trailer)

«The Artist» (Trailer)

«Cyrano von Bergerac» (Trailer)

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Vielleicht sind die Franzosen einfach zu prüde. Vielleicht aber haben sie Jean Dujardin gerade noch im letzten Moment die Chancen auf einen Oscar gewahrt: Vor ein paar Tagen noch hingen überall in Frankreich Filmplakate für Dujardins neuen Film «Les Infidèles». Nun wurden sie alle abgehängt.

Auf einem der Plakate steht Jean Dujardin machomässig über einem Paar gespreizter Damenbeine. Die Überschrift: «Ich hab gleich eine Sitzung.» Auf einem anderen Plakat ist sein Kollege Gilles Lellouche telefonierend im schwarzen Anzug mit Dreitagebart und einem Frauenkopf im Schritt zu sehen. Die Überschrift: «Die Verbindung wird unterbrochen, ich komme gleich in einen Tunnel.» Damit sollte die Komödie «Les Infidèles» beworben werden, in der sich alles um die männliche Untreue dreht. Ende Februar ist Filmstart in Frankreich.

Zu vulgär, zu sexistisch

Lange hingen die Plakate nicht: Zu sexistisch, zu vulgär – es hagelte Beschwerden an die französische Werbeaufsicht. Die Würde der Frauen werde durch die Plakate verletzt. Nach dem Skandal um Strauss-Kahn kennen die Franzosen diesbezüglich kein Pardon. Nicht nur die. Auch die Academy «versteht keinen Spass bei derart unverschämten Bildern», warnte die Zeitung «Le Parisien» und befürchtet, «The Artist» könnte wegen dieser Poster einen «Kollateralschaden» erleiden.

Auch das Magazin «L'Express» mutmasst, die kontroverse Diskussion um die Poster könnten Dujardin im Rennen um den Oscar empfindlich schaden. Das sei wie bei den politischen Kampagnen, wo «jeder die kleinste Schwäche seiner Gegenspieler ausnütze».

Schon Depardieu stolperte

Mutmassungen, die nicht völlig haltlos sind, wie «L'Express» seine Leserinnen und Leser erinnert. Schon Gérard Depardieu habe 1991 wegen einer ähnlichen Sache die Chance auf einen Oscar als Bester Hauptdarsteller in «Cyrano de Bergerac» verspielt, und das nur, weil das «Time»-Magazin kurz vor den Oscars einen Artikel veröffentlicht habe, der Depardieu in Verbindung mit einer Vergewaltigung gebracht habe. Obwohl sich nachträglich alles als sprachliches Missverständnis herausstellte, hatte Depardieu gegen den späteren Gewinner Jeremy Irons keine Chance mehr. Er wäre der erste französische Schauspieler gewesen, der den Oscar als Bester Hauptdarsteller hätte gewinnen können. Und nun: 21 Jahre später könnte Jean Dujardin dasselbe Schicksal erleiden und die Hoffnungen auf den ersten französischen Sieg in der Prestige-Kategorie würden erneut zunichtegemacht.

Der 39-Jährige selber kann die Aufregung um die Plakate nicht verstehen, wie er im Interview mit «Le Parisien» sagte. An die Oscar-Chancen für «The Artist» glaube er jedoch immer noch und er versuche, sich durch die ganze Aufregung nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. (dj)

Erstellt: 07.02.2012, 15:09 Uhr

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9 Kommentare

Morten Lupers

07.02.2012, 17:01 Uhr
Melden 17 Empfehlung

An den Haaren herbeigezogen. Die Plakate stehen im Zusammenhang mit chauvinistischem Herrengebahren, von daher (in ihrer Übertriebenheit) passend. Man wirft einem Schauspieler, der einen Mörder darstellt, ja auch nicht vor, menschenverachtende Einstellungen zu propagieren. Die Academy wird noch knapp zwischen Rolle und Darsteller unterscheiden können. Antworten


Walker Monika

07.02.2012, 15:29 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Ich kann die Aufrgung ueber die Plakate nicht verstehen. Und was hat es zu tun mit seiner Rolle im Film ? Uebrigens einer der besten Filme die ich je gesehen habe. Antworten




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