Der Nachrichtensprecher, dem die Amerikaner vertrauen, ist ein Komiker

Aktualisiert am 23.07.2009

Die US-Amerikaner vertrauen den seriösen TV-Nachrichten längst nicht mehr. Newsquelle Nummer eins für junge Leute ist ein Komiker, wie eine Umfrage des Magazins «Time» ein weiteres Mal bestätigt.

Vertrauensvoll: Jon Stewart.

Vertrauensvoll: Jon Stewart.
Bild: Keystone

Wer ist der glaubwürdigste News-Moderator der USA? (Quelle: «Time»)

Wer ist der glaubwürdigste News-Moderator der USA? (Quelle: «Time»)

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Das amerikanische Nachrichtenmagazin «Time» wollte von seinen Online-Lesern wissen, welcher News-Moderator die höchste Glaubwürdigkeit geniesst. 44 Prozent haben sich für Jon Stewart entschieden. Er liess Brian Williams (29 Prozent, NBC), Charlie Gibson (19 Prozent, ABC) und Katie Couric (7 Prozent, CBS) weit hinter sich.

Erstaunlich ist: Jon Stewart ist kein Nachrichtenmoderator, sondern Gastgeber einer Late-Night-Show. Seine satirische Nachrichtensendung «The Daily Show» geniesst in den USA hohe Popularität. Ihr Slogan lautet: «The most trusted name in fake news» (deutsch: der vertrauenswürdigste Name in Sachen erfundene Nachrichten). Viermal wöchentlich schalten 1,4 Millionen Amerikaner abends um elf Uhr auf den Kabelsender Comedy Central. Seine Show soll das Gegenteil einer klassischen Nachrichtensendung sein: inkompetent und unvollständig.

Kritischer Journalismus ist tot

In den USA wird Journalisten vorgeworfen, demagogisch, regierungsfreundlich und tendenziös zu berichten. Verschiedene Dokumentationen beschreiben diesen Verfall des kritischen Journalismus. Jon Stewart hingegen vertraut das Volk: Seine Show ist lustig, böse – und einflussreich. Vielen Amerikanern ersetzt sie die Nachrichten. Mehrere Studien stellten fest, dass Stewarts Sendung keine Comedy ist, sondern Nachrichtenquelle Nummer eins für junge Amerikaner. Klassische News-Moderatoren wie Tom Brokaw, Peter Jennings und Bill O'Reilly haben das Nachsehen. Die «Süddeutsche Zeitung» brachte es auf den Punkt: «Kritischer Journalismus in den USA ist tot, es lebe Jon Stewart.»

Doch Stewart wehrt sich gegen diese Meinung: Seine Sendung diene der Unterhaltung und nicht der Information. Ein Zuschauer, der sich nicht über das Tagesgeschehen auf dem Laufenden hält, könne die meisten Anspielungen ohnehin nicht verstehen.

Seit 2004 Kult

Der 43-jährige Jon Stewart wuchs in New Jersey auf und studierte Psychologie, wurde danach aber Stand-up-Comedian. 1999 übernahm er die damals bereits existierende «Daily Show» vom Komiker Craig Kilborn und verwandelte sie mehr und mehr in eine politische Sendung. Spätestens seit den Wahlen 2004 hat die «Daily Show» den Status einer Kultsendung.

In Europa ist am Wochenende auf CNN International ein Zusammenschnitt der vier Ausgaben unter dem Titel «The Daily Show – Global Edition» zu sehen. In Deutschland strahlt Comedy Central montags um 0:40 Uhr und donnerstags um 1:20 die «Global Edition» mit deutschem Untertitel aus. Die englischsprachigen Originalepisoden sind auch aus Deutschland auf der offiziellen Webseite des Senders abrufbar. (bru)

Erstellt: 23.07.2009, 11:05 Uhr

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