Kultur

Die «Kinder-Tagesschau» kommt aus der Konserve

Aktualisiert am 09.09.2009 24 Kommentare

Die Nachrichtensendungen auf SF1 werden stets live ausgestrahlt. So auch diejenige diese Woche mit der 11-jährigen Moderatorin Ana. Meinte man.

Wer diese Woche die 18-Uhr-Tagesschau sieht, ist der Ansicht, dies sei eine Livesendung wie immer. Doch dem ist nicht so. Die «Kinder-Tagesschau» wird eine halbe Stunde vorher aufgezeichnet. Das berichtet der «Blick» in seiner heutigen Ausgabe. Das Schweizer Fernsehen versucht sich zu rechtfertigen: «Wir zeichnen die Sendung nur auf, um Druck von den Kindern zu nehmen. Es ist eine reine Vorsichtsmassnahme. So können wir im Ernstfall noch eingreifen, falls etwas schiefläuft.»

Der ehemalige Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, Peter Studer, hat das Experiment mit den Kindern bereits gestern harsch kritisiert. Er sagte gegenüber Radio 1: «Die Leute, die um 18 Uhr die ‹Tagesschau› schauen, wollen doch nicht erfahren, wofür der Nationalrat da ist und was eine Aktie ist. Im Spital lässt man schliesslich auch nicht Kinder die Leber operieren.» Journalismus sei eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, das Schweizer Fernsehen vermittle jedoch den Eindruck, es sei «kinderleicht». Studer wünscht sich die Einführung einer regelmässigen «Tagesschau» für Kinder, diese sei besser als beispielsweise «die doofen uralten Serien».

Problematisches Experiment

Und Studer äussert sich im «Blick» auch dazu, dass die Sendung mit der jungen Ana nicht live ausgestrahlt wird: «Live würde man das Mädchen total überfordern. Die Sendung würde dann vielleicht lustiger. Aber eben: Die ‹Tagesschau› kann ja nicht lustig sein. Das zeigt nur, wie problematisch dieses Experiment ist. Es wurde nicht zu Ende gedacht.»

Ana selber sagt: «Ich war nicht nervös. Es macht mir mega Spass zu moderieren. Ich bin aber auch froh, dass alles kurz vorher aufgezeichnet wird – sonst wäre ich viel mehr aufgeregt.» (sam)

Erstellt: 09.09.2009, 08:40 Uhr

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24 Kommentare

Ueli Meier

09.09.2009, 09:07 Uhr
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Nichts gegen diese nette, junge Person: aber eine News-Sendung bleibt eine News-Sendung, und ist von Erwachsenen für Erwachsene. Diese schweizerische Niedlich-Kultur veranschaulicht, für wie kuschelig sich die Schweiz gebettet hält. Es zeigt aber auch, dass die SF-Führung den Bodenkontakt verloren hat. Anstatt seine News zu optimieren, und da gäbe es durchaus Potential, wird ge-kindergärtlet. Antworten


Manfred Weiser

09.09.2009, 09:07 Uhr
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Kinder denken oft logischer als Erwachsene. Zu sehr sind wir mit Beschränkungen und Zugehörigkeiten beschäftigt – zu sehr geht es mehr um Parteien, falscher Moral und Lobbyarbeit als um das eigentliche Thema das wirklich wichtig ist. Kinder sehen die Welt offener, die Probleme direkter, entsprechend verstehen sie oft nicht warum wir Erwachene nicht fähig sind die Probleme zu lösen. Antworten




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