Die «Schweizer Hits» zielen am Geschmack der Schweizer vorbei

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 02.11.2009 43 Kommentare

Bei «Die grössten Schweizer Hits» gewinnen in der Regel volkstümliche Titel. Dabei mögen Schweizer diesen Musikstil gar nicht sonderlich, wie eine Studie zeigt.

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Grosser Sieger der «Schweizer Hits»-Staffel von 2007: Der Jodler Ruedi Rymann.
Bild: Keystone

   
Klarer Sieger: Der Volksmusiktitel gewinnt.

Klarer Sieger: Der Volksmusiktitel gewinnt.

Studie

Die Studie des Bundesamts für Statistik zum Kulturverhalten der Schweizer Wohnbevölkerung 2008 steht kostenlos zum Download bereit: hier klicken.

Die Schweiz ist das Land der Volksmusik-Liebhaber, suggerieren die Resultate der SF-Sendung «Die grössten Schweizer Hits». Bei den letzten beiden Staffeln wurden «Ku-Ku Jodel» von Oesch's die Dritten beziehungsweise «Dr Schacher Seppli» von Ruedi Rymann zum beliebtesten Musiktitel der Schweiz gewählt. Bei dieser Staffel wieder dasselbe: Titel, die nicht aus dem volkstümlichen Bereich stammen, scheinen chancenlos. In der Auftaktsendung gewann Stefan Roos mit seiner austauschbaren Schnulze «Das Herz einer Mutter». Gestern, bei der dritten Sendung, siegte der Chorjodel «Wunderbar» beim Telefonvoting mit grossem Abstand vor der Pop-Ballade «One Step Closer» von Myron. Weit abgeschlagen blieb Züri West, seit Jahren eine der erfolgreichsten und eigenwilligsten Bands der Schweiz.

Ist des Schweizers liebste Musik tatsächlich die Volksmusik? Spielen die Radiosender alle am Publikum vorbei? Kürzlich veröffentlichte das Bundesamt für Statistik (BfS) eine grosse Studie über das Kulturverhalten der Schweizerinnen und Schweizer. Zur Musik heisst das Verdikt nach der Auswertung von 4346 Interviews: «Lieblingsstil der Schweizer Wohnbevölkerung ist Pop und Rock, gefolgt von klassischer Musik. Schweizer Blas- und Volksmusik hingegen ist vergleichsweise wenig beliebt.» Erstaunlich: Selbst die klassische Musik liegt in der Statistik weit vor der Volksmusik:

Wie kommt es, dass bei der Sendung trotzdem immer die Volksmusik gewinnt? Die Vermutung liegt nahe, dass vor allem ältere Leute Schweizer Fernsehen schauen – und dann auch anrufen. Das SF gibt keine Zahlen zur Altersstruktur einzelner Sendungen bekannt. Die These wird aber von der BfS-Studie gestützt. Der Lieblingsstil der Leute über 60 ist zwar mit grossem Abstand die klassische Musik, gleich dahinter folgt aber die Volksmusik. Bei unter 45-Jährigen gibt nur ein Prozent der Befragten an, sie bevorzugten die Volksmusik.

Stimmt also die Vermutung des überalterten Publikums und glaubt man der Studie, so könnte man zum Schluss kommen: Die grössten Chancen bei die grössten Schweizer Hits hätten eigentlich nicht irgendwelche Jodler, sondern das Berner Sinfonie- oder das Zürcher Tonhalle-Orchester. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.11.2009, 12:49 Uhr

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43 Kommentare

Herbert Berger

02.11.2009, 11:27 Uhr
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Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Leute, die einer Schweiz nachtrauern, als die Zeit noch heil war und wir keine Probleme hatten. Zwar hat es so eine Zeit nie gegeben, aber viele glauben eben daran und statt nach vorne zu blicken richten sie den Blick nach hinten. Dass die Mehrheit der Gebührenzahler für solch eine Minderheit so eine teure Sendung finanzier muss, ist unverständlich. Antworten


Ben Müller

02.11.2009, 10:51 Uhr
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Wenn man einen einzigen Volksmusiktitel auf den sich alle Stimmen der Volksmusikfreunde konzentrieren, 4 Pop- oder Rocktiteln gegenüberstellt, worauf sich die Stimmen der Rock- resp Popfreunde verteilen, dann kann das Ergebnis ja wohl nciht erstaunen. Wenn man schon Musikstile in einer Wettberwebssendung mixt, dann sollten von jeder Art etwa gleich viele Titel zur Wahl stehen. Antworten



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