Kultur

Die Telefon-Spielchen des Schweizer Fernsehens

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 06.11.2010 78 Kommentare

Es ist kaum möglich, Schweizer Fernsehen einzuschalten, ohne dass man aufgefordert wird, eine kostenpflichtige Nummer anzurufen. Ein Ärgernis? Der Sender meint, Telefonwettbewerbe seien «programmrelevant».

1/3 Nicht nur einmal, gleich zweimal kann man bei «Traders» 10'000 Franken gewinnen: Quizmaster Roman Kilchsperger.
Bild: Sreenshot SF

   

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Vor fast jeder Sportsendung auf SF diesselbe Szene: Per kostenpflichtiger Telefonnummer soll man mitteilen, ob man glaubt, dass der FC Basel gewinnen, eine Schweizer Skifahrerin aufs Podest fahren oder ein Formel-1-Pilot punkten wird. 80 Rappen kostet ein Anruf, den Teilnehmenden winkt ein Geldpreis. Ähnliches bei der Unterhaltung: Mitten in den Sendungen werben Susanne Kunz, Sven Epiney und Co. für eine kostenpflichtige 0901-Nummer, über die man zehn- oder gar zwanzigtausend Franken gewinnen könne. Roman Kilchsperger winkt in seinem neuen Quiz «Traders» zudem wie ein Marktschreier mit einem Röllchen voller Geld – eine Ästhetik, die sich nicht von jener der Privatsender unterscheidet.

Gemäss SF-Mediensprecher Marco Meroni wird Call-Media «nur gezielt und aus programmrelevanten Gründen eingesetzt und dient entweder zur Kundenbindung oder zur Interaktion mit den Zuschauern.» Ist ein simpler Anrufwettbewerb programmrelevant? Sicher ist: Die Wettbewerbe sind ein finanziell attraktives Instrument. Von den 80 Rappen pro Anruf gehen rund 80 Prozent (ca. 64 Rappen) an SF, beziehungsweise deren Dienstleistungsfirma, wie Comparis-Telekomexperte Ralf Beyeler für Tagesanzeiger.ch/Newsnet ermittelt hat.

Gratisteilnahme über kaum bekannte Technik

Wie viele Zuschauer jeweils zum Hörer greifen oder wie viel das Schweizer Fernsehen daran verdient, gibt der Sender nicht bekannt. Bei einer Gewinnsumme von 10'000 Franken lohnt sich das Spiel für SF ab rund 20'000 Anrufen. Einen Anhaltspunkt für den tatsächlichen Ertrag liefert der Geschäftsbericht: Die nicht näher aufgeschlüsselten «kommerziellen Erträge ausser Werbung» betrugen im letzten Jahr 51,8 Millionen Franken. Zu diesem Posten gehören nebst den Einnahmen aus Telefonwettbewerben auch jene aus Sponsoring, Lizenzerträgen etc.

Das Lotteriegesetz schreibt vor, dass bei Wettbewerben auch eine Gratisteilnahme mit gleicher Gewinnchance möglich sein muss. Beim Schweizer Fernsehen erfolgt dies über Wap. Nur: Kaum jemand weiss, was Wap überhaupt ist. «Dabei handelt es sich um ein Protokoll, das für Mobiltelefone entwickelt wurde, sich aber bei den Konsumenten nie durchsetzen konnte», erklärt Ralf Beyeler. Um noch anzufügen: «Dies ist Absicht. SF hat gar kein Interesse daran, dass jemand von der Gratisteilnahme Gebrauch macht.» Marco Meroni vom Schweizer Fernsehen widerspricht: «Bei Wap handelt es sich um eine anerkannte Gratis-Teilnahmemöglichkeit und kann von über 90 Prozent der Mobiltelefone verwendet werden.»

Aufdringliche Anpreisung

Meroni legt Wert auf die Feststellung, dass es im Gegensatz zu privaten TV-Stationen bei SF keine der berüchtigten Call-in-Sendungen gebe. «Die Wettbewerbe finden immer im Rahmen eines TV-Formats statt.» Die ständigen Aufforderungen anzurufen, sind nicht übersehbar. Bei «Traders» beispielsweise gab es letzte Woche gleich zwei Telefonwettbewerbe, deren Bewerbung war ähnlich aufdringlich wie ein Cablecom-Hausierer, den einem einen neuen Internetanschluss andrehen möchte. Der Unterschied zu einer Call-in Sendung ist da nicht mehr gross.

Greifen Sie ab und zu zum Telefon und spielen mit? Oder nerven Sie die vielen kostenpflichtigen Telefonspielchen? Machen Sie von der Teilnahmemöglichkeit über Wap Gebrauch? Meinungen und Erfahrungen bitte unten anbringen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.11.2010, 12:02 Uhr

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78 Kommentare

Severin Brunner

05.11.2010, 12:12 Uhr
Melden

Eine so schlechte Quiz-Sendung wie "Traders" habe ich noch nie gesehen. Das Spiel ist meiner Meinung nach überhaupt nicht durchdacht und dazu noch schlecht moderiert. Traurig ! Antworten


Hermann Kaufmann

05.11.2010, 12:15 Uhr
Melden

Ist ja klar, der gleiche Schrott muss her wie im grossen Kanton. Absolut ideenfrei. Antworten




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