«Die ländliche Schweiz ist die authentische Schweiz»
Interview: Rico Bandle. Aktualisiert am 19.05.2010 13 Kommentare
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Womit lassen sich Schweizer am liebsten unterhalten?
Früher wäre die Frage einfach zu beantworten gewesen, heute ist die Gesellschaft stark segmentiert. Dies macht es tendenziell schwieriger, Sendungen für ein Massenpublikum zu generieren.
Beginnen wir also beim Einfacheren: Womit liessen sich die Schweizer früher am liebsten unterhalten?
An den Grundpfeilern der TV-Unterhaltung hat sich nichts verändert. Das grosse Lagerfeuer von früher sind beim Fernsehen die Shows und heute insbesondere die Events. «MusicStar» oder «Die grossen Schweizer Hits» haben noch immer die Kraft, ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Andererseits lieben die Schweizer TV-Sendungen, in denen sie selbst, ihr Alltag und Ihre Heimat, in der sie zu Hause sind, im Mittelpunkt stehen. Dies befriedigen wir mit Sendungen wie «SF bi de Lüt». Der dritte Pfeiler hängt mit dem Spieltrieb, der uns eigen ist, zusammen, dafür gibt es Quizsendungen.
Unterscheidet sich das Unterhaltungsbedürfnis in der Schweiz zu jenem in anderen Ländern?
Die Grundpfeiler sind überall die selben, die Ausgestaltung aber anders. Nehmen wir das Beispiel «1 gegen 100»: In Grossbritannien wird die Sendung mit Noblesse und Zurückhaltung zelebriert, in den USA wird viel geschrien und gejohlt. In der Schweiz suchten wir nach einer eigenen Form, das ist uns auch gut gelungen. Es gilt, die Mentalität einer Gesellschaft in einer Sendung zu spiegeln, damit sie funktioniert. Deshalb spricht man auch von «Einschweizern eines Sendekonzepts».
Wie sehr können Sie bei den eingekauften Formaten überhaupt mitreden bei der Ausgestaltung?
Es ist unterschiedlich. In den meisten Fällen steht nur das Grundgerüst, den Rest können wir selbst bestimmen. Die Einstiegsrunden von «Deal or No Deal» sind beispielsweise nicht in jedem Land dieselben.
Dann haben Sie so einen unmöglichen Begriff wie «Clue Question» selbst eingeführt?
Wer den eingeführt hat, weiss ich nicht mehr. Aber die englischen Begriffe entsprachen bei der Einführung dem Zeitgeist. Heute würde man einen solchen Begriff nicht mehr wählen.
Zurzeit entspricht es dem Zeitgeist, das idyllische Landleben zu zeigen, sei dies mit einer Bauernkuppelshow auf dem Privatsender auf 3plus oder mit «SF bi de Lüt» auf SF.
Das entspricht tatsächlich einem Zeitgeist, wobei Sendungen wie «Samschtig-» oder «Donnschtig-Jass» schon sehr lange erfolgreich sind.
Gibt es bereits Anzeichen dafür, dass dieser Trend wieder abflacht?
Nein, im Gegenteil. Sowohl «SF bi de Lüt» wie auch «Samschtig-Jass» verzeichnen noch immer Höchstquoten. Die Sehnsucht nach sicheren Werten, Vertrautheit und der Freude am eigenen Land mit seinen typischen Gepflogenheiten ist ungebrochen. Die Sendungen werden auch keineswegs nur von älteren Menschen geschaut, wie oft vermutet. Das Durchschnittsalter der Zuschauer ist gerade bei Sendungen wie «Über Stock und Stein» erstaunlich tief, da diese Sendungen vor allem auch bei Familien beliebt sind.
In diesen Sendungen wird ein Bild einer intakten ländlichen Schweiz gezeigt, wie sie so gar nicht existiert. Aus Schwamendingen würden Sie nie senden.
Wir nehmen für uns schon in Anspruch, eine authentische Schweiz zu zeigen, auch wenn wir tendenziell mehr in ländlichen Teilen der Schweiz unterwegs sind. Auch Städter verbinden das Landleben oft mit Ferien, also Erholung. Am Abend, nach einem anstrengenden Tag, entspannen sie sich deshalb mit einer Sendung, die eine intakte Landschaft und sympathische Landleute zeigt, besser, als wenn wir eine Sendung mitten im Stau vor dem Gubristtunnel produzieren.
«Samschtig-Jass» ist die älteste Unterhaltungssendung Europas, auch «Wetten dass...?» läuft schon seit Urzeiten. Haben auch heutige Sendungen das Potenzial, solch lange Laufzeiten zu erlangen?
Das kann man nie voraussagen. Aber «1 gegen 100» hat aus meiner Sicht sicherlich das Potenzial zum Klassiker. Bei den Events glaube ich an die Zukunft von «Die grössten Schweizer Hits», obwohl es jetzt noch eine Pause bis zur nächsten Staffel braucht.
Wie sehen Sie die TV-Unterhaltung in 10 Jahren? Was ist der nächste grosse Trend nach Reality-TV und Castingshows?
Der Trend geht klar in die Richtung, dass vermehrt gesellschaftlich relevante Themen aufgenommen werden. Wir zum Beispiel bringen im Sommer eine Serie aus einer Badi mit Menschen, die eine Behinderung haben. In Holland sind sie mit solchen Formaten schon sehr weit. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.05.2010, 10:27 Uhr
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13 Kommentare
Es tut mir wirklich sehr Leid, aber seit Jahren der Frauen-Ära (Deltenre,Studer,Amgarten,Wille etc.) ist ein beispielloses, an Biederkeit fast unübertreffliches Staatsfernsehen enstanden. Beim reinzappen entsteht der Eindruck von durchdesign"ten", akustisch und optischer über- und oberflächlicher Fraulichkeit. Es braucht dringenst Männer ! Das weibliche Intrigantenstadl ist purer Augenschmerz. Antworten
Dieses Interview hat meine Ansicht noch verstärkt, dass Frau Amgarten nicht die geringste Ahnung von Fernsehmachen hat! So war z.B. "Die grössten Schweizer Hits" etwas vom Traurigsten, was je über die Bühne ging. Oder "Deal or No Deal": Erhält von mir die Goldmedaille für die primitivste Quizshow, die ich je erlebte! Antworten
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