Kultur

Dümmer, als die Polizei erlaubt: Die ärgerlichsten Krimiserien

Aktualisiert am 26.04.2010 43 Kommentare

Niemand schaut lieber Krimis als Deutsche und Schweizer - trotzdem sind unsere Serien entweder blöd-bieder oder lieblose US-Kopien.

1/10 Ein Fall für Zwei
Hermann Josef Matula (Claus Theo Gärtner), ein ehemaliger Polizist, dann Privatdetektiv und Dr. Renz, ein Anwalt, begründeten mit der Vermischung von Ermittlung und Gerichtsgeschehen eine neue Tradition im deutschen Fernsehen. Anders als weitere ZDF-Krimireihen spielte «Ein Fall für Zwei» nicht in sterilen Münchner Vorstadtvillen, sondern in Frankfurt. Nach 60 Fällen löst Anwalt Dr. Rainer Franck Dr. Renz ab. 1997 wird Franck von Dr. Voss ersetzt. Seit Dezember 2000 spielt Paul Frielinghaus den Anwalt Dr. Lessing.


   

Das Schweizer Fernsehen will wieder beim «Tatort» einsteigen, sogar mit einem eigenen Kommissar. Das ist löblich, zumal es sich bei der Serie um den zweitbesten deutschen TV-Krimi handelt (die beste ist «KDD»). Allerdings leidet auch der «Tatort» bisweilen unter den typisch deutschen Krimi-Krankheiten: hölzern aufspielende Schauspieler, eine Handlung, die im Zeitlupentempo voranschreitet und eindimensionale Charaktere.

Dabei schaut keine Nation so gerne Krimis wie die Deutschen. 1958, als mit «Stahlnetz» die erste deutsche Krimireihe gesendet wurde, versammelte sich die Nation vor dem Fernseher, denn das hatte es noch nie gegeben: Verbrechen, die im eigenen Land geschahen, sozusagen vor der Haustür, werden direkt ins Wohnzimmer ausgestrahlt. Das war spannender als die Gruseltat eines durchgedrehten Sprosses einer alten Adelsfamilie im schottischen Hochmoor. Das war aktuell und authentisch, das ging alle an.

Ein neues Zeitalter

Das Vorbild war damals zwar amerikanisch, doch die Ausführung treu deutsch. Eine Sendung mit Lösungsgarantie, mit didaktischen Erläuterungen, mit Realitätsbezug und einem strikten Gut/Böse-Schema. Freilich war in der Nachkriegszeit genau dies nötig: eine Stärkung der neuen demokratischen Staatsordnung und ihrer Organe, die Betonung einer Stabilität, die die neu errungenen bürgerlichen und materiellen Werte schützte.

Dumm nur, dass das Muster bis in die Neunziger beibehalten wurde. Während in anderen Ländern längst neue Krimiformate ausprobiert wurden, sah man in Deutschland (und somit in der Schweiz – das SF hat ja praktisch keine eigenen Krimis produziert) immer noch dieselben Bieder-Krimis. Erst Mitte der Neunziger brach ein neues Zeitalter an. Der verstärkte Quotendruck führte zu Innovationsdruck, der den verbeamteten Ermittlern Konkurrenz einbrachte – von Frauen, Pensionären, Pfarrern, Hunden oder sogar Schimpansen. Bloss: Die Umsetzung ist leider selten berauschend, weil oftmals lieblos in Amerika abgeschaut. Trotz Mischformen zwischen Familien-, Unterhaltungs- und Krimiserien, neuen Bildästhetiken und der Zunahme von Action-Elementen, sind in den neuen Krimis eingangs genannte Schwächen präsent.

Weil wir die beiden besten Serien bereits genannt haben, finden Sie in der Bildstrecke das Gegenteil: die fünf nervigsten deutschen Krimis der letzten 30 Jahre. Zeigen Sie Mut, klicken Sie sich durch. Es kann nur besser werden.

Welche Krimis mögen/verachten Sie? (phz)

Erstellt: 26.04.2010, 16:42 Uhr

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43 Kommentare

Terri Zubler

12.01.2010, 12:43 Uhr
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@rintelen aber sogar da waren die 1. Folgen mit Abstand besser als die Letzten. Peter Vogel selig sei Dank! Antworten


Kurt Aegeri

12.01.2010, 12:16 Uhr
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Ob amerikanisch oder deutsch - ich finde Krimiformate am TV fast ausschliesslich langweilig oder nervig. Das ist schade und eigentlich kaum nachvollziehbar. Denn es gibt in der Literatur durchaus Beispiele guter Krimis. Vielleicht müssten die Drehbuchschreiber ganz einfach mehr lesen, lesen, lesen. Und zwar nicht nur Kirmis! Das würde bestimmt den Horizont erweitern. Antworten




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