«Eine neue Talksendung würde uns gut anstehen»
Interview: Rico Bandle. Aktualisiert am 31.08.2010 7 Kommentare
«Qualität laufend verbessern»: Diego Yanez. (Bild: SF/Oscar Alessio)
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Ab dem 1. Januar 2011 sind Sie Chefredaktor des Schweizer Fernsehens. Was werden Sie als Erstes ändern?
Im Nachrichtenbereich eine Stärkung der Bundeshausredaktion. Wir sind heute stark in der Aktualität, im Abbilden von Ereignissen, nicht aber bei der Hintergrundinformation. Diese zu stärken, funktioniert nur über einen Ausbau. Natürlich wollen wir uns auch sonst laufend verbessern, wie schon bisher.
Der Programm-Chef, Hansruedi Schoch, sieht eher Nachholbedarf bei der Auslandsberichterstattung.
Langfristig ist die Einführung eines wöchentlichen Auslandsmagazins ein Thema. Da stehen wir bereits in der Planung, das Projekt wird sich aber in den nächsten zwölf Monaten noch nicht realisieren lassen. In der täglichen Auslandsberichterstattung sind wir meiner Meinung nach heute sehr gut aufgestellt, im Gegensatz zu vielen Zeitungen haben wir keine Korrespondentenstellen abgebaut, im Gegenteil, in den vergangenen Jahren haben wir das Netz leicht ausgebaut.
Sie werden Chefredaktor des Fernsehens sein, inwieweit betrifft Sie die Fusion von Radio und Fernsehen, die sogenannte Konvergenz?
Die Chefredaktionen von Radio und Fernsehen sind getrennt, aber die Redaktionen von einzelnen TV-Sendungen werden mit jenen vom Radio zusammengelegt, zum Beispiel bei «Kassensturz», «Puls» und «Einstein». Und es werden die Online-Plattformen Sf.tv und Drs.ch zusammengefügt, hier sind noch einige Fragen offen.
Was schwebt Ihnen mit der neuen Online-Plattform vor?
Im Nachrichtenbereich werden wir enorm an Schlagkraft gewinnen. In unserem Kernbereich, den News, wollen wir stark zulegen. Wir werden aber nicht ein so breites Angebot haben wie die Privaten. Wir werden uns auf die klassischen News-Bereiche Inland, Ausland und Wirtschaft fokussieren, anders als dies bei anderen Plattformen, zum Beispiel bei Tagesanzeiger.ch/Newsnet, der Fall ist.
Im News-Bereich ist der Vorsprung der privaten Portale wie Tagesanzeiger.ch/Newsnet, Nzz.ch oder 20Minuten.ch gegenüber Tagesschau.sf.tv noch beträchtlich. Bedeutet die Lancierung der neuen SRF-Plattform ein Angriff auf die Privaten?
Wir wollen im News-Bereich stärker und besser werden. Ich bin überzeugt, dass wir durch die Konvergenz in diesem Bereich zulegen werden. Dies muss aber nicht unbedingt eine Konkurrenz für die Privaten bedeuten, da sich das Angebot der Zeitungsseiten von unserem doch unterscheidet.
Zurück zum Fernsehen. Ihr Chef, SRF-Generaldirektor Rudolf Matter, kommt vom Radio, das einen anderen Qualitätsbegriff pflegt als das Fernsehen. Wird sich das auf die SF-Berichterstattung auswirken?
Rudolf Matter hat lange Fernsehen gemacht, er weiss, dass beim Fernsehen andere Gesetzmässigkeiten herrschen. In Zukunft wird es jene Qualität geben, die wir schon heute pflegen und permanent zu verbessern versuchen. Qualität kann man im Übrigen nicht über einen ganzen Sender definieren, sondern nur über einzelne Sendungen. Eine «Tagesschau» muss weiterhin alle wichtigen Themen kurz, schnell und übersichtlich zeigen können.
Gutes Stichwort, «Tagesschau». Letzten Sonntag eröffnete sie mit einem langen Bericht über den Tod der Radiolegende Ueli Beck, zudem gab es Beiträge über einen Vulkanausbruch, über eine Twitter-Wallfahrt, Techno auf der Alp, Formel 1 und Fussball. Zwei Drittel der «Tagesschau» mit weichen Themen, ist damit für Sie der Auftrag der Sendung erfüllt?
Zwei Drittel scheint mir etwas gar aufgerundet, aber es handelte sich tatsächlich um einen newsarmen Tag, wie oft am Sonntag. Die Zeitungen am Montag sind in der Regel auch dünner als jene unter der Woche. Hätten Sie eine Sendung an einem Mittwoch oder Donnerstag angeschaut, wäre Ihre Analyse ganz anders ausgefallen.
Wird es also eine Sendung wie vergangenen Sonntag weiterhin geben?
Ja. Priorität haben allerdings in jedem Fall die relevanten Themen. Wenn also wichtige innen- oder aussenpolitische Ereignisse vorfallen, müssen die anderen Beiträge weichen. Das ist schon heute so.
Und wie sieht das bei «10 vor 10» aus? Werden da weiterhin auch merkwürdige Käuze wie Esoteriker eine Plattform erhalten?
Esoteriker? Ich sehe das überhaupt nicht so. So etwas kann in unserem Programm stattfinden, aber nur marginal.
Werden Sie vermehrt in die Themenwahl eingreifen?
«10 vor 10» hat die Aufgabe, im vorderen Teil die zwei oder drei wichtigsten Themen des Tages zu vertiefen, im hinteren ist die Themenwahl freier. Das wird auch so bleiben. Wir stecken aber in einem dauernden Prozess, die Sendung zu verbessern.
Ihr Vorgänger Ueli Haldimann wurde wegen des Gebrauchs einer versteckten Kamera verurteilt. Hätten Sie den Kameraeinsatz auch bewilligt?
Ja. Eine versteckte Kamera ist ein legitimes Mittel der Recherche, das allerdings nur mit höchster Zurückhaltung eingesetzt werden darf. Das Gericht sah dies aber anders, deshalb dürfen wir nicht mehr zu diesem Mittel greifen.
Ein Dauerthema ist die «Arena», deren Quoten bestenfalls stagnieren. Wie geht es mit dieser Sendung weiter?
Die «Arena» steht immer in der Kritik. Entweder ist sie zu boulevardesk oder zu brav und lahm. Die Quote der «Arena» ist gut, im Vergleich zu vergleichbaren Sendungen im Ausland sogar sehr gut.
Bei den Talksendungen verfügt SF über ein Defizit. Ist da schon etwas geplant?
Es stimmt, eine neue Talksendung würde uns gut anstehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine solche Sendung in ein, zwei Jahren kommen wird.
Sie waren zuvor Stellvertreter von Ueli Haldimann, sein Abgang kam sehr abrupt. Wie haben Sie das erlebt?
Zu seinem Abgang kann und will ich mich nicht äussern. Ich kann nur sagen, dass ich mit Ueli Haldimann sehr gut zusammengearbeitet und viel von ihm gelernt habe. Ich bedauere, wie es zu seinem Abgang gekommen ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.08.2010, 13:44 Uhr
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7 Kommentare
Super, dieser Vorschlag. Mit Jan Hiermeyer als Talkmaster und den Gaesten wie H.Yakin, A. Egli, M. Woelfli, Gygax und Kaenzig bekaeme diese Sendung sicher zum absoluten Strassenfeger. Als Nebeneffekt wuerden bestimmt auch alle Zuseher ihre monatlichen TV-Gebuehren prompt und gerne zaheln. Antworten
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