Kultur

Verschwörerische Doku über Swissair-Todesflug

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 17.09.2011 13 Kommentare

Todesflug Swissair 111: Vergangene Nacht strahlte CBC-Canada seinen Dok-Film über einen Polizeioffizier aus, der die offizielle Version nicht glauben mag. Gezeigt wurde auch ein bewegendes Interview mit der Frau des Kapitäns.

1/9 Wollte die Spur eines möglichen Verbrechens verfolgen, wurde aber zurückgepfiffen: Polizeioffizier Tom Juby.
Bild: Screenshot CBC

   

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Swissair-Katastrophe vor Halifax

Swissair-Katastrophe vor Halifax
Vor zehn Jahren stürzte eine MD-11 ins Meer.

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Seit Tagen angekündigt, wurde die Doku nun ausgestrahlt. «Wir verloren unseren Vater Stanley Klein auf Swissair 111. Diese Neuigkeit schockiert uns, und wir werden diesen Film anschauen», schrieben offenbar Angehörige schon vor Tagen im Forum der Website von «Swissair 111: Was wir bisher nicht wussten».

Was wir nach 45 Minuten TV-Doku jetzt wissen, ist, dass mit Tom Juby ein Ermittler der Royal Canadian Mounted Police kurz RCMP der offiziellen Version der Swissair-Untersuchung nicht glauben mag. Juby war an den Untersuchungen beteiligt, musste nach Jahren aber das Feld räumen. Ja, er wurde sogar gezwungen, seine Version ad acta zu legen.

Die Magnesium-Spuren

Juby verfolgte von Beginn weg die Spur, dass die Tragödie in Halifax ein absichtlich herbeigeführter Absturz gewesen sein könnte. «Es gab zu viele Ungereimtheiten, als dass ich dies nicht hätte verfolgen müssen», so der inzwischen Pensionierte. Juby stützte seine Zweifel vor allem auf die Untersuchungen eines Mannes, des Metall-Experten Jim Brown.

Dieser fand in den Überresten der MD-11, die in 60 Metern Tiefe vor der kanadischen Ostküste herausgefischt wurden, verdächtige Spuren von Magnesium. Bis zu 10 Mal mehr Magnesium, als man erwarten würde, so Brown. Magnesium, wenn es einmal die richtige Hitze erreicht hat, brennt heftig und erzeugt grosse Hitze. Juby schliesst daraus, es könnte einen «tödlichen Cocktail» an Bord gehabt haben. Ein Brandsatz quasi. «Es war zu viel Zerstörung durch zu viel Hitze.» Die offizielle Version des Absturzes ging von in Brand geratenen Isolationen im vorderen Teil des Flugzeuges aus.

Von den Vorgesetzten abgesägt

Was Juby in seinen Grundfesten als Polizeioffizier erschütterte war aber die Aufforderung der Vorgesetzten, seinen Pfad der Untersuchung nicht mehr weiterzuverfolgen. Nämlich jenen eines womöglich absichtlich herbeigeführten Absturzes. «Weil TSB nur für die Flugsicherheit verantwortlich ist, war eine kriminalistische Untersuchung nicht möglich», so Juby. TSB steht für Transportation Safety Board und ist die kanadische Flugunfalluntersuchungsbehörde.

Der abgehalfterte Polizeioffizier entschied sich nun nach Jahren, seine Aufzeichnungen, Fotos, Notizen und Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Herausgekommen ist diese TV-Dokumentation. Das Schweizer Fernsehen, welche ursprünglich diesen Film mitinitiiert hatte, will ihn nicht zeigen. «Nach unserem heutigen Erkenntnisstand gehen die Ergebnisse nicht über Indizien und Spekulationen hinaus», so SF.

Vernichtende Urteile der Zuschauer

Man kann diese Argumentation nachvollziehen. Ausser Juby und Brown spricht in dieser Doku niemand. Weder die von Juby angeschuldigte Behörde TSB noch RCMP. Gerne hätte man Untersuchungsexperten gehört, die sich zur These Jubys äusserten. Die aber wollten offenbar nichts dazu sagen.

Gar vernichtend fällt das Urteil der ersten Zuschauer aus. «Sieht nach einem Menschen aus, der mit den Untersuchungen an Swissair 111 nicht fertig wurde und sich dann den Verschwörungen zuwandte», schreibt jemand im Forum. Andere wollen mit wenigen Clicks festgestellt haben, dass Magnesium in Flugzeugen durchaus in grösseren Mengen vorkommt.

Die Frau des Piloten flog wieder

Versöhnliches gibt es dafür von der Frau des Piloten von Swissair 111, Prisca Zimmermann. In einem mehrminütigen Interview - das auf der Website zu sehen ist - blickt sie zurück auf die schlimmsten Stunden ihres Lebens sowie die Monate und Jahre danach. Zum Beispiel als ihre Tochter ihr sagte: «Mama, Papa hatte einen Unfall.» Sie arbeitete schon vor dem Absturz als Flight Attendant - und fand später den Weg zurück in «diesen wunderbaren Job».

Doch urteilen Sie selber, schauen Sie die TV-Doku und das Interview mit Prisca Zimmermann auf der Website von CBC. Diskutieren Sie in unserem Forum (unten). (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.09.2011, 18:16 Uhr

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13 Kommentare

Loredana Wander

17.09.2011, 10:39 Uhr
Melden 62 Empfehlung

Wer Wahrheiten ans Tageslicht bringt, der muss meistens das Feld räumen. Ist ja logisch, die wahre Wahrheit bestimmt nichts im Leben! Lüge und Unwahrheit ist massgebend, das bringt niemand in den Ruin! Schrecklich diese verlogene Welt-Menschheit heutzutage! Das wäre unser Ruin, auf diesem Planeten. Antworten


Jürg Tanner

17.09.2011, 11:17 Uhr
Melden 44 Empfehlung

Scheinbar kann man nicht beweisen, dass Tom Juby, nicht recht hat. Die "bösen" Kabelisolationen waren damals Stand der Technik und bewährt. Die Strömchen, die durch sie fliessen, verfügen auch nicht über Zündenergie. Also haben wir allen Grund nachzuhaken. Fakten auf den Tisch! Antworten




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