Harmoniker, Detailfreak, Vollprofi, Teammensch: Epiney
Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 16.02.2010 40 Kommentare
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Halb sechs Uhr abends, es dunkelt über dem Leutschenbach, draussen schneit es. Das Gros der Leute beim Schweizer Fernsehen ist unterwegs in den Feierabend. Im Studio fünf aber brennen die Scheinwerfer. Sven Epiney, der Akkordarbeiter unter den hiesigen TV-Entertainern, ist am Drehen. Er und seine Crew produzieren am Stück 44 neue Sendungen der Vorabend-Quizshow «5 gegen 5». Vier Sendungen plus eine Probe sind es an diesem ersten Tag.
Viertel vor sechs, Kurzbriefing zu Sendung Nummer vier. Eine Handvoll Leute vom Regisseur über die Castingredaktorin bis zum Produzenten fläzt sich in der engen Garderobe auf den Sofas, die so billig aussehen wie von Ikea. Jeder Kandidat wird kurz mit Namen und Hobbys erwähnt, Epiney hört konzentriert zu, auch die Fragen geht er durch, das dauert zehn Minuten, die Stimmung ist easy. Danach wird des Moderators Make-up aufgefrischt, er selber verkabelt – und schon steht er in dem graubraunen Sakko mit der jugendlichen Hiphopperkapuze wieder vor seinem Publikum.
Epiney ist Grossverdiener
Dieser Sven Epiney ist ein Grossverdiener. Insider gehen davon aus, dass er, seine Auftritte an Anlässen aller Art inklusive, pro Jahr ungefähr 600'000 Franken einnimmt. Mehr Geld macht kein anderer vom Schweizer Fernsehen, weil kein anderer so viele lukrative Nebenjobs hat. Seine Gegenwart in den Medien ist auch bemerkenswert: Jeden Werktagabend sieht man ihn in «5 gegen 5». Des Weiteren präsentiert er die Kochshow «Al dente». Bei TV-Specials wie «Die grössten Schweizer Hits» wirkt er ebenfalls mit. Last not least moderiert er auf DRS 3 regelmässig den Morgen.
Epiney ist breitenwirksam, eine Allzweckwaffe, ein Quotengarant. «5 gegen 5» hatte 2008 (neuere Zahlen gibt es noch nicht) einen Marktanteil von über 27 Prozent, das ist stark. Freilich fällt auf, dass der Fanmasse eine kleine, doch dezidierte und wortmächtige Verächtergruppe gegenübersteht. Gibt man zu, Sven Epiney gut zu finden und einen positiven oder auch nur nicht negativen Artikel über ihn zu planen, schleudert einem mehr oder minder jeder Intellektuelle ins Gesicht: «Was willst du denn über den sagen?» – «Was für eine öde Strahlefratze!» – «Der ist doch total uninteressant.» Auch in dieser Zeitung wurde er kürzlich wieder gegeisselt: Sven Epiney «strotzt immer und überall von guter Laune» und «laberlacht», hiess es.
Ein Foto mit jedem
Wenn die Vorbehalte zutreffen, stellt sich freilich die Frage nach dem Erfolgsrezept und dessen Zutaten umso mehr. Was macht Sven Epiney alles richtig, dass er es zur televisionären Omnipräsenz bringt?
Eine erste Antwort liefert der Kurzbesuch im Schweizer Fernsehen. Wie erwähnt ist dies bereits die vierte Quizaufzeichnung an diesem Tag. Doch Epiney ist völlig unmüde. Als er und die Schlusskandidatin sich zum Bildschirm an der Wand umdrehen, wo die Antworten eingeblendet werden, gerät die Wende zum Hüpfer. In dem 38-Jährigen lebt noch der Bub. Nachdem die Sendung dann im Kasten ist, will vom Grosi bis zum Kind das halbe Publikum ein Foto von sich mit dem Quizmaster. Der nimmt sich Zeit für jeden und beantwortet die vernuscheltste Frage mit Engelsgeduld. Abgesehen vom Eindruck der Gemütsfrische und von der menschlichen Offenheit bleibt einem etwas anderes: Epiney hat sich kein einziges Mal verhaspelt und trotz Quizhektik keinen der zehn Kandidatennamen verwechselt. Er ist ein Memorierwunder.
Immer perfekt vorbereitet
Befund eins lautet daher: Epiney ist unter den SF-Moderatoren der professionellste. Das bestätigen sämtliche TV-Kenner: «Als er die Samstagabend-Sendung «VIParade» moderierte und wir dafür Einspieler mit der versteckten Kamera lieferten, kam Sven an jede Endabnahme. Das macht nicht jeder Moderator. Er ist der totale Detailfreak», sagt der Fernsehproduzent Beat Hirt. «Sven Epiney ist immer perfekt vorbereitet. Er kennt die Abläufe einer Show haargenau, er patzt nie», sagt «Blick»-Fernsehspezialist Peter Padrutt.
Befund zwei ergibt sich ebenfalls vor Ort, bei den Dreharbeiten im Leutschenbach. Hier ist, auch wenn er selber keine Familie gegründet hat, ein Familienmensch am Werk. Ein ausgesprochener Harmoniker. «Sven hat keine Allüren, er ist ein angenehmer Typ, er fühlt sich als Teil des Teams», sagt Produzent Andi Müller, nachdem der erste Drehtag beendet ist. Er hat mit Epiney weit über tausend Sendungen von «5 gegen 5» realisiert.
Fairer geht es nicht
Produzent Hirt sieht es ähnlich: «Sven kennt alle Namen, auch die der untergeordneten Chargen. Er ist extrem kollegial.» Die Epiney-Maschinerie ist gut geschmiert, man arbeitet nicht nebeneinander und schon gar nicht gegeneinander, sondern miteinander. Von anderen TV-Grössen hört man, dass sie Diven sind (Mona Vetsch), begrenzt belastbar (Mona Vetsch) oder aber gleichgültig zu allen nicht wirklich wichtigen Leuten (Kurt Aeschbacher). Epiney hingegen: ausgeglichener und fairer geht nicht, er übersieht keinen, er behandelt jeden als Kollegen.
Befund drei geht daraus unmittelbar hervor: Epiney ist als Charakter berechenbar. Das beste Gegenbeispiel ist Roman Kilchsperger. Von seiner Präsenz und Geistesgegenwart her ist er ebenfalls ein TV-Grosstalent. Er ist aber auch ein Pöbler, man muss bei ihm mit Eclats aller Art rechnen. «Wer 34 Jahre alt ist und noch nie für Sex bezahlt hat, der hat irgendwie nicht richtig gelebt», sagte Kilchsperger einmal, die Schweiz und die Fernsehleitung erschauerten. Epiney im Kontrast: Der Anstand hat einen Namen. Und er spricht erst noch den Wohlfühldialekt Berndeutsch. Jeder Fernsehdirektor wird diesen «Puer aeternus» – den ewigen Knaben – lieben, der in Naters bei Brig geboren wurde und mit sechs nach Bern zog.
Perfekte Voraussetzungen zur Beliebtheit
Just das ethnische Element begründet Befund Nummer vier: Epiney ist kein Zürcher und profitiert davon. Mit den Worten von Gion Stecher, Chefredaktor der Zeitschriften «Tele» und «TV-Star»: «Die Zürischnurre à la Roman Kilchsperger kommt bei den Leuten draussen im Land nicht immer gut an. Herr und Frau Schweizer mögen das Schnoddrige nicht. Epiney hat als Halbwalliser und Halbberner die perfekten Voraussetzungen zur Beliebtheit.»
Befund Nummer fünf, formuliert von Chefredaktor Stecher: «Epiney ist einer für die Masse. Einer für die vielen. Er hat das Kumpelhafte, das Jung und Alt begeistern kann.» Stecher ärgert sich, wenn Leute über Epiney spötteln: «Das ist genau wie bei DJ Bobo. Dieser wurde auch permanent lächerlich gemacht als der Konditor aus dem Aargau. Das ist reiner Mediendünkel. Tatsache ist, dass Bobo die Hallen füllt.» Ein anderer Medienjournalist formuliert Epineys Volksnähe gewissermassen dialektisch: «Er gibt sich so unbedarft, dass er einem nie gescheiter vorkommt als man selber», so Rolf Hürzeler, Redaktionsleiter «Saldo».
Eine stabile Marke
Fassen wir zusammen: Sven Epiney ist arbeitsam und seriös in seltenem Ausmass. Er behandelt die Leute um sich respektvoll, was andere Stars nicht tun. Er ist eine stabile Marke von konstanter Qualität in einem Markt, wo etliche andere Grössen bisweilen Ausreisser zeitigen. Er ist «permanent aufgestellt», aber «kein Schleimer» (Beat Hirt). Er «provoziert nicht» und ist «ein Quotengarant für alles, was locker-flockig daherkommt» (Peter Padrutt). Er «kann die anderen stattfinden lassen» und «nimmt sich selber zurück» (Rolf Hürzeler). «Er hat das Flair» und ist «der Typ, der morgens um acht im Studio steht», er ist «die perfekt inszenierte Spontaneität» (Gion Stecher).
Nun möchte man natürlich auch von Epiney selber wissen, wieso er so erfolgreich ist. Man fragt ihn das in seiner Garderobe, kurz bevor er in den Feierabend geht. Respektive zum Flughafen Zürich, um seinen Freund abzuholen, «min Schatz», wie er sagt. Apropos die Tatsache, dass Sven Epiney schwul ist, muss man vorausschicken: Epiney steht zu seiner Homosexualität, aber er macht daraus kein Demoplakat, das er vor sich herträgt. Er taugt daher zur Projektionsfläche für Frauen, die sich ihren Traummann so wünschen: verständnisvoll, respektvoll, nicht konfrontativ. Allumfassend kuschelig ist er, aber kein tuntiger Abtörner.
Mit sich selbst im Reinen
Und damit ab in Epineys Garderobe. Ruhig sitzt der Moderator am Tisch, hört aufmerksam zu, obwohl es schon acht Uhr abends ist und der Tag intensiv war. Herr Epiney, was ist bitte Ihr Erfolgsgeheimnis? «Der Energiehaushalt läuft bei mir sehr gut. Man bekommt viel zurück, wenn man viel gibt. Ich habe einfach immer Energie. Ich denke nie: Au nein, jetzt muss ich heim, ich bin müde. Ich verspüre Tag für Tag Euphorie. Es ist ein Geschenk. Und ich bin nun einmal erzogen worden, mit Respekt und Ehrlichkeit auf alle Leute zuzugehen. Das ist bei mir in die Wiege gelegt. Und meine Sendungen sind cool. Die Leute haben Freude daran.»
So weit Epineys Eigendeutung. Sie klingt zugegeben einfach. Damit beginnt man sich allerdings im Kreis zu drehen. Denn die Epiney-Hämer werden sagen, just die harmlose Antwort beweise die entsetzliche Simplizität dieses Charakters. Doch kann man dem wiederum entgegenhalten: Epiney ist kein Heuchler. Er ist vielmehr deckungsgleich mit seiner eigenen Begeisterung, die er nicht zu spielen braucht. Hat dieser Sven Epiney eventuell daher so viele Feinde? Weil die vergrummelte Welt es nicht erträgt, dass einer mit sich selber im Reinen ist und sein Glücklichsein nicht einmal verbirgt?
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.02.2010, 10:42 Uhr
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40 Kommentare
Ich schaue lieber Herrn Kirchsberger als Herrn Epiney. Bei Herrn Epiney ist alles so klinisch sauber, alle sind lieb, nett und langweilig. Da sind mir Typen mit Ecken und Kanten, wie Herr Kirchsberger, eindeutig sympathischer. Aber jedem das Seine und ich mag Herrn Epiney den Erfolg gönnen. Anscheinend arbeitet er ja auch hart genug dafür. Antworten
epiney ist peinlich. peinlich, weil er vermutlich ausser der schweiz nirgends auf der welt so weit im showbusiness gekommen wäre. er ist immer zwanghaft spontan uns somit einfach ein füdlibürger, mit dem unterschied dass er im vergleich zu den anderen gut aussieht. humor fehlt ihm ebenfalls. nochmals: er sieht nur gut aus, aber hat einen dicken stock im hintern, so dass er nie spontan rüberkommt. Antworten
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