Kultur

«Herr Yakin, händ Sie nie Striit im Team?»

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 07.09.2009 21 Kommentare

Erstmals präsentierte die elfjährige Ana die «Tagesschau». Sie machte es hervorragend, der Redaktion fehlt aber noch der Mut, die Idee konsequent durchzuziehen.

Der beste Beitrag der ersten Kindertagesschau: Schüler interviewen Spieler der Fussballnationalmannschaft. (Video: SF)

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SF Schwerpunkt Kinder

In dieser Woche stehen beim Schweizer Fernsehen die Kinder im Zentrum. «Die Kinder werden aktiv in den Fernsehalltag miteinbezogen und gestalten
Sendungsinhalte», schreibt das SF in einer Mitteilung. Zu einer ganzen Reihe von Songerprogrammen gehört auch die «Kindertagesschau», die die gewohnte «Tagesschau» um 18 Uhr ersetzt. Die Schüler einer sechsten Klasse aus Dübendorf gestalten und moderieren die Sendung.

Eine «Tagesschau» aus der Sicht der Kinder. Die Idee tönt interessant. Im Rahmen der Sonderwoche Kinder wird sie im Schweizer Fernsehen Realität, noch bis Freitag täglich um 18 Uhr. Bei der ersten Ausgabe am Montag zeigte sich: Die Moderatorin Ana ist herzig, die Kinderreporter sind es ebenfalls, leider wurde ihnen vom «Tagesschau»-Team zu viele Schranken gesetzt. Zu sehr erinnert die Sendung an eine ganz normale Ausgabe, ausser, dass sie von Kindern vorgetragen wird. Weshalb müssen bei einer Kindertagesschau die Devisenkurse vorgetragen werden? Weshalb kommen ausgerechnet beim kindergerechtesten Thema, jenem über eine Eröffnung einer Schokoladenfabrik, keine Kinderreporter zum Einsatz?

Fussball als Höhepunkt

Hier soll aber nicht nur kritisiert werden. Hervorragend machte sich am Bildschirm die Moderatorin Ana, die die wenigen Versprecher mit einem charmanten Lächeln überspielte. Grossartig war auch der Beitrag über die Fussballnationalmannschaft, bei der zwei Buben die Spieler am Flughafen interviewten. «Händ Sie nie Striit im Team?», fragt einer Hakan Yakin. Die Fussballer zeigten sich konzentrierter und aufmerksamer als bei den erwachsenen Reportern.

Wenig überraschend war dafür der Bericht aus dem Bundeshaus zum Sessionsauftakt. «Bevor Sarah ins Bundeshaus ging, hat sie Fragen vorbereitet», sagt die Kinderstimme im Off. Sarah befragt in der Folge Nationalrätin Pascale Bruderer, wie so ein Parlament funktioniert. Das kommt wie eine Schulstunde daher, da erinnert man sich wehmütig an die Kindertagesschau im Deutschen Fernsehen, wo die Kinderreporter regelmässig hohe Politiker mit Fragen wie «Was ist ein Internetbrowser?» in höchste Verlegenheit bringen.

Kinder und Börse

Als bieder-pädagogisch erwies sich auch die Reportage aus der Zürcher Börse, wo eine Schülerin den SF-Wirtschaftsredaktor Reto Lipp fragte, was die Börse den Kindern nütze. «Die Börse nützt uns allen, weil wir alle Teil der Wirtschaft sind», meinte er. Selbst als Erwachsener hatte man Mühe, seinen Erklärungen zu folgen.

Laut SF möchte man mit dieser Kindertagesschau die Kindersicht des aktuellen Geschehens vermitteln. Noch ist dies nicht gelungen, noch schien es, als vermittelten die Kinder eher die Sicht der erwachsenen Tagesschau-Redaktoren als ihre eigene. Wenn sich die Verkrampfung etwas löst und man den Ideen der Kinder mehr Raum lässt, könnte dieses Experiment aber durchaus noch ein zum Erfolg werden – den engagierten Kinderreportern wäre dies zu gönnen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.09.2009, 19:27 Uhr

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21 Kommentare

Markus Berner

07.09.2009, 19:19 Uhr
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Verschont Erwachsene Gebührenzahler vor weiteren Kinderstunden des SF. Für diejenigen, die Freude daran haben, gibts genügend Alternativen. KIKA zum Beispiel. Antworten


Tim Doerfel

07.09.2009, 19:43 Uhr
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Ich finde so etwas eine gute Idee. Kinder eignen sich besonders gut als Reporter, denn sie stellen offensichtliche Fragen gerade heraus. Natürlich fehlen bei komplexen Fragen der nötige Tiefgang. Wie man aber sehen konnte wurden die Kinder disbezüglich an die Leine genommen. Der Inhalt wurde warscheinlich zu fest diktiert. Von der pädagogischen Seite weiss ich noch nicht ob ich das gut finden soll Antworten




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