Kultserie kommt nach Europa: Teenies, Tratsch und Trends
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«Gossip Girl»
Ab Sa, 4. April, 15.55 Uhr, ORF 1. Ab Sa, 18. April, 16 Uhr, ProSieben. Auf SF 1 und SF 2 wird die Serie – zumindest vorläufig – nicht gezeigt.
Eine Steintreppe vor einer New Yorker Privatschule. Drei junge Damen sitzen auf den Stufen, sie tragen Blusen und weisse Strümpfe, Haarreifen und Lackschuhe. In der Mitte, mit dunklen Locken und Engelsgesicht: zweifellos die Anführerin. Eine vierte adrette junge Frau tritt zu ihr, blond und nicht minder hübsch. Die beiden Teenager unterhalten sich kurz. Am Ende sagt Engelsgesicht: «Du bist meine beste Freundin!»
Es klingt, als hätte nie jemand eine grössere Lüge erzählt. Die Szene stammt aus der TV-Serie «Gossip Girl», die in den USA für grossen medialen Wirbel gesorgt hat und ab nächster Woche erstmals im deutschsprachigen Fernsehen gezeigt wird.
Hyperreich, unendlich schön
Das falsche Lächeln der dunkelhaarigen Blair Waldorf (gespielt von Leighton Meester) ist symptomatisch für die Essenz der Serie, die sich um das Leben einer Handvoll hyperreicher Teenies in der New Yorker Upper East Side dreht – Intrigen, Tratsch (eben: Gossip) und Machtkämpfe. Erinnert irgendwie stark an so ziemlich jede Teenie-Serie, die es jemals gab, ob «Beverly Hills 90210» oder «Melrose Place»: Die Attribute «gut» (Serena van der Woodsen, gespielt von Blake Lively) und «böse» (Blair Waldorf) sind nach wenigen Minuten verteilt, alle sehen überirdisch gut aus, haben weder Jobs noch Hausaufgaben, dafür viel Geld. Kein Wunder, hatte die wenig überraschende Serie in den USA nur durchschnittliche Zuschauerzahlen.
Nichtsdestotrotz wurde vor kurzem bekannt, dass eine dritte Staffel produziert wird, Erstausstrahlung im August. Ausserdem ist ein Spin-off geplant, ein Ableger der Serie, der das Leben der Mutter Serenas in den Achtzigerjahren thematisieren wird («Lily»). Die Hauptdarsteller bei «Gossip Girl», Blake Lively, Chace Crawford und Leighton Meester, sind längst Stars der Klatschpresse, Blake (die Gute) zierte im Februar das Cover der US-Vogue, was einem Ritterschlag zum Star gleichkommt.
Schuld an allem ist die Mode. In «Gossip Girl» wird der «Preppy-Style» zelebriert, eine Anlehnung an die markenfixierten Popper der Achtziger, eine Art Streberstil mit biederen Blusen und Sakkos (siehe Text rechts). Die Serie wirkt trendbildend. Sie «beeinflusst den Einzelhandel stark», glaubt Stephanie Solomon, Modechefin der Kaufhauskette Bloomingdale’s. Trendscout Stephanie Meyerson sagte der «New York Times», die Serie habe in Stilfragen «grössten Einfluss auf die Jugendkultur».
Kucken, klicken, kaufen
«Wir haben von Anfang an versucht, Trends zu setzen», sagt der Kostümverantwortliche Eric Daman. Der produzierende Sender «The CW» hat bestätigt, dass einige Marken dafür bezahlen, in der Serie gezeigt oder erwähnt zu werden. Die Rechnung geht auf: Wird ein Kleid in der Serie getragen, übersetze sich das sofort in Verkäufe, sagt der Designer Tory Burch, dem selbiges bereits widerfahren ist. Zuletzt war eine solche Verbindung von TV und Mode bei «Sex and the City» zu sehen.
Die Symbiose von Film und Mode ist aber schon fast so alt wie das Kino selbst, angefangen beim Look James Deans in den Fünfzigern bis hin zu «Dallas», das sogar Schulterpolster tragbar machte. Was nun aber «Gossip Girl» bietet, sei schon fast «unverschämt kommerziell», befand die «New York Times». Denn «The CW» machte sich die Internetfixiertheit der Teenager zu Nutze, schaltete neue Folgen online gratis auf und richtete auf der Website zur Sendung einen Shop ein, auf dem die Mode zur Serie per Mausklick bestellt werden konnte. Der Plot, der auf der gleichnamigen Jugendbuchreihe aus dem Jahr 2002 beruht, rückt in den Hintergrund.
Nicht Primetime-würdig
Hier zu Lande wird die Serie wohl nie die gleiche Präsenz erreichen können. Denn zu der trug in den USA auch diese perfekte Kombination von TV und Internet bei. ORF1 und ProSieben sind entsprechend zurückhaltend und bringen die Serie nicht in der Primetime, sondern am Samstagnachmittag.
Auf die Kleidung der Schweizer Teenies und jungen Erwachsenen dürfte die Serie aber durchaus Einfluss haben. Haarreifen und Karoröcke erhalten nochmals Aufwind, und Kniesocken und Tüllkleider schaffen vielleicht endlich den verdienten Durchbruch. Womöglich stärkt die Serie auch den Befürwortern von Schuluniformen den Rücken. Dass man nämlich auch bieder gewandet sehr gut aussehen kann, zeigt «Gossip Girl» bei aller Plattheit äusserst anschaulich. (Berner Zeitung)
Erstellt: 27.03.2009, 07:43 Uhr
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