Locker vom Hocker

Seit einem halben Jahr gehört der Jugendsender zur analogen Fernsehgemeinde, und die Mädels und Jungs machen einen top Job. Ein Lob auf Joiz!

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Die Inhalte sind okay. Mal eine Reggae-Combo aus dem Zürcher Hinterland, mal ein Rapper aus Basel, eine Songwriterin aus dem Oberaargau, ein Beatboxer aus Glarus. Die Joiz-Gäste sind häufig nett, manchmal interessant; was die kleine Schweizer Musikszene halt so zu bieten hat. Mehr löblich als fundiert sind die Abstecher in die Politik, in die Kulinarik oder andere Bereiche des Erwachsenseins. Am Schluss gehts dann doch immer irgendwie wieder um etwas Musik und viel Easy Going.

Easy Going allerdings – das kann die Joiz-Crew. Und wie: In den besten Momenten beleben Gülsha, Shibby und Co. den Viva-Vibe der späten 90er, als Stürmer und Dränger wie Studio-Anarcho Niels Ruf vom Leder zogen und die kecke Charlotte Roche eine ganze Generation Indie-Teenies um den Finger wickelte. Es wird gewitzelt und gealbert, relaxt werden die Clips angekündigt. Wenn SF für solide Service-public-Beamte steht und Pro 7 für tratschende Tussis, dann steht Joiz schlicht für gut gelaunte junge Menschen.

«Dann soll er den Handstand machen»

CEO Alexander Mazzara hat eine ganz eigene Erklärung für die entspannte Joiz-Atmosphäre. «Es sieht bei uns im Studio gar nicht so aus, als ob wir Fernsehen machen würden», erklärt Mazzara, der vor Joiz zehn Jahre beim SF gearbeitet hat. Moderatoren und Gäste fühlten sich wohl, weil sie sich kaum nach den Vorgaben der Technik richten müssten. «Wenn einer den Handstand machen will, soll er den Handstand machen», sagt der 38-Jährige. Die Digitalisierung ermögliche viel grössere Freiheiten, «und wenn mal das Licht nicht ganz passt, ist es auch nicht schlimm».

Bei einem konventionellen Format mit sekundengenauem Sendeablauf wie der «Tagesschau» würden sowohl Sendemacher wie Gäste zeitlich und technisch stark eingeschränkt, was die Unterhaltung oft sehr steif wirken lasse, sagt Mazzara. Eine eigentliche Interaktion sei so kaum möglich, «denn Interaktion heisst ja a priori Unsicherheit, nicht zu wissen, was in den nächsten Minuten passiert».

Unsicher ist auch die Zukunft von Joiz, doch CEO Mazzara ist guten Muts. Die Werbeeinnahmen würden, der Krise zum Trotz, stetig steigen. «Nächstes Jahr werden wir rentabel sein», sagt Mazzara. Viele Werbekunden legten nun ihre anfängliche Zurückhaltung ab. Die locker-flockige Oerliker TV-Bande dürfte uns also noch eine Weile erhalten bleiben – eine schöne Aussicht.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 16.11.2012, 14:28 Uhr)

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Joiz

Joiz ist seit März 2011 online und seit Mai dieses Jahres auch im analogen TV-Netz zu empfangen. Das Unternehmen beschäftigt 60 Mitarbeiter und ist in Zürich-Oerlikon domiziliert.

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