«Man hätte mich zwingen können, die Nati weiter zu kommentieren»
Interview: Simone Matthieu. Aktualisiert am 13.07.2009 56 Kommentare
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Thurnheers Abgangs-Pläne
In der «NZZ am Sonntag» kündigte Beni Thurnheer den Startschuss für seinen schon lange geplanten Rücktritt in Raten an. Er ist ab sofort nicht mehr Kommentator für Spiele der Schweizer Fussball-National-Mannschaft. Den Final der Fussball-Weltmeisterschaft 2010, der mit Thurnheers 61. Geburtstag zusammenfällt, wird Beni national aber noch kommentieren. Das hat er sich schon immer gewünscht und das Schweizer Fernsehen geht auf den Geburtstags-Wunsch ein. Wann die letzte Klappe für «Benissimo» fällt, ist aber noch nicht klar.
Herr Thurnheer, wie freiwillig ist Ihr Rücktritt als Kommentator von Spielen der Nationalmannschaft?
Absolut freiwillig. Man hätte mich theoretisch auch zwingen können, die Nati-Spiele weiter zu kommentieren. Aber wir haben ja ein gutes Verhältnis untereinander und da spricht man sowas mit dem Chef ab und einigt sich.
Sie haben schon vor einiger Zeit angekündigt, dass Sie einen Rücktritt auf Raten wollen. Der hat nun offenbar begonnen. Warum gerade jetzt?
Den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist schwierig. Es gibt viele Gründe, warum jetzt. Es kam vieles zusammen: Der Schweizer Fussball-Verband hat einen neuen Präsident, ich habe letztes Jahr durch meine anderen Verpflichtungen wie «Benissimo» oder «Sportpanorama» nur einen Nati-Match kommentiert und werde voraussichtlich auch heuer kaum Zeit für mehr haben. Wir haben einen neuen TV-Direktor, der sicher gern auch mal was Neues hat und, und, und. Ausserdem kommt es für mich nicht so drauf an: Der Verlust ist für mich kleiner als der Gewinn für den Neuen.
Es hiess, Sie würden 2011 auch «Benissimo» abgeben und in zwei, drei Jahren das «Sportpanorama». Ist das Ihr Fahrplan?
Nein, da hat mich jemand falsch verstanden. Man möchte halt immer gern einen konkreten Zeitpunkt von mir wissen und den kann ich einfach nicht geben, eben weil ich schrittweise abtreten möchte und nicht von heute auf morgen. Gerade bei «Benissimo» kann niemand sagen, wie lange die Sendung noch laufen wird. Sie erfährt über die Sommerpause einen Relaunch, das heisst, es wurde Geld investiert. Es wäre ja Blödsinn, wenn man dann kurz darauf damit aufhören würde. «Benissimo» läuft also mindestens bis zur 100. Sendung und nicht höchstens! Und die wird, nebenbei gesagt, 2012 ausgestrahlt. Und nicht, wie vielerorts geschrieben wurde, 2011.
Trotzdem gilt beim Schweizer Fernsehen die Pensionierung mit 65. Also doch ein konkreter Zeitpunkt?
Das wäre dann 2014. Ich bin allerdings freier Mitarbeiter, ich weiss nicht, ob das für mich auch gilt. Da spielen so viele Dinge mit. Mein Bestreben ist einfach, dass es nicht mit einem «Bumm» zu Ende geht. Aber entscheiden kann ich gar nichts. Ich kann keine Ansprüche stellen, dass ich länger arbeiten möchte.
Wenn Sie einen gleitenden Übergang in die Pensionierung wollen, heisst das nicht nur, das Berufliche abzubauen, sondern auch, das Private aufzubauen. Hatten Sie schon Zeit sich mit der Phase danach auseinanderzusetzen?
Ich arbeite keinen Tag weniger als vorher. Anstatt ein Nati-Spiel weniger kommentiere ich halt ein Champions-League-Spiel mehr. Der Umfang bleibt derselbe. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es auch schön ist, privat an einen Match zu gehen und vorher ein Bierchen zu trinken. Das konnte ich ja bisher nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.07.2009, 16:17 Uhr
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