Kultur

Matters schöne, alte Fernsehwelt

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 11.10.2010 20 Kommentare

Weniger Schlagabtausch, mehr Relevanz und eine bessere Sendezeit für Kultur will der neue SRF-Direktor Rudolf Matter im Schweizer Fernsehen. Tönt gut. Doch das wollten seine Vorgänger auch.

Hohe Anforderungen an das Programm: Der designierte Direktor des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF).

Hohe Anforderungen an das Programm: Der designierte Direktor des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF).
Bild: Keystone

Eine Sendung, die Matter explizit verbessern möchte: 10vor10, hier mit Moderatorin Susanne Wille. (Bild: SF)

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Am 1. Januar 2011 tritt Rudolf Matter sein Amt als erster Direktor des neu geschaffenen Unternehmens Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) an. Der bisherige Radio-Chefredaktor hegt für das Fernsehen ambitiöse Ziele. Die Nachrichtensendungen, insbesondere «10vor10» sollen besser und relevanter werden, Kultur soll einen prominenteren Sendeplatz erhalten, die «Arena» mit weniger Knalleffekten auskommen, die Unterhaltung weniger wie ein Abklatsch von Privatsendern wirken, sagte Matter in der «NZZ am Sonntag». Mehr Seriosität, sachlichere Diskussionen, der Kultur ein grösseres Gewicht geben – kaum jemand würde diese Ziele wohl nicht unterschreiben. Auch Matters Vorgänger hegten ähnliche Vorsätze. Und steckten dann in der Regel zurück.

Gut in Erinnerung bleibt der Versuch, mit «Hotel B.» die Kultur in der Hauptsendezeit zu etablieren. 2001 ging «Hotel B.» mit dem damaligen SF-Kulturchef Iso Camartin auf Sendung, nach weniger als einem Jahr wurde die Übung abgebrochen, zu schlecht waren die Quoten, zu schlecht die Kritiken. Auch Matters «Arena»-Vorsatz ist nicht neu. Immer wieder wurde versucht, den Mitte-Parteien mehr Raum zu gewähren. Hierzu wurde auch das Studio angepasst, sodass in einer Sendung mehr Parteien oder Gruppierungen zu Wort kommen. Nur: Dass eine Diskussion spannender ist, wenn zwei Leute mit einer klaren konträren Haltung streiten als mehrere mit einer Sowohl-als-auch-Haltung, ist nun mal eine Binsenwahrheit. Am Schluss greift man dann doch wieder auf die bewährten SVP-SP-Duelle zurück.

Hehre Ziele

Dies sind nur zwei von vielen Beispielen. Noch nie gab es einen Fernsehdirektor, der nicht die Qualität der Information erhöhen wollte, selbst die vielgescholtene Ingrid Deltenre sprach gerne von «Qualität und Tiefgang». Doch wirklich bereit, für diese hehren Ziele tiefere Quoten in Kauf zu nehmen, war bisher niemand. Kein Chef wird gerne mit sinkenden Zuschauerzahlen konfrontiert.

Wird dies bei Matter anders? Auf die neue «Arena» angesprochen, meint er: «Wenn da die Quote leicht sinkt, können wir das verkraften. Wofür bekommen wir Empfangsgebühren?» Das sagt er heute, drei Monate bevor er die Verantwortung übernimmt. Wie es dann aussieht, wenn die «Arena» tatsächlich Zuschauer verliert, wenn die SF-Gesamtquote wegen der besser platzierten SF-Kultursendung leidet, weiss man heute nicht.

Was man aber weiss: Wenige Monate vor seinem Amtsantritt startet SF mit einer ganzen Reihe von Unterhaltungs-Sendungen, die kaum Matters Vorstellungen entsprechen dürften: Eine importierte Talentshow, eine importierte Quizshow mit Roman Kilchsperger und eine in Deutschland abgekupferte Castingshow für den Eurosong-Contest stehen in den Startlöchern. Dabei findet Matter «Me-too-Effekte» «nicht wünschenswert». Was passiert in Zukunft mit solchen Sendungen? Ab dem 1. Januar wird Matter beweisen können, dass seine Aussagen nicht bloss Lippenbekenntnisse sind.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2010, 13:09 Uhr

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20 Kommentare

Nora Martinek

11.10.2010, 13:26 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wenn eine Sendung unter dem Begriff Kultur läuft, gibts nur eines - Abschalten! Das kann nur langweilig sein. Antworten


robert mueller

11.10.2010, 13:25 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Es ist doch immer wieder das gleiche Spiel. Wie bei den Firmenleitbildern. Alle haben und wollen die beste Qualität, sind die Besten da - und die Besten dort. Die Realität sieht meist ganz anders aus. Besser wäre, wenn einer mal eine vertiefte Analyse erarbeiten würde und unter dem Motto - weniger ist mehr - auf dem Bewährten aufbauen würden. Wäre auch Kostengünstiger und Publikumsnäher. Antworten




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