Melanie Winiger: «Ich bin nicht wirklich emanzipiert»
Heldin der Lüfte: Melanie Winiger spielt in einem neuen Film des Schweizer Fernsehens die Heli-Pilotin Sina Andri. (Bild: zvg)
Zur Person
Melanie Winiger (29) ist Model, Moderatorin und Schauspielerin. 1996 wurde sie zur Miss Schweiz gewählt. Sie ist mit dem Rapper Stress verheiratet.
Der Film «Heldin der Lüfte» läuft am kommenden Sonntag, 14.Dezember (SF1, 20.05 Uhr).
Frau Winiger, Buben träumen davon, einen Helikopter zu fliegen. Ist Heli-Pilotin für eine emanzipierte Frau wie Sie auch ein Mädchentraum?
Ich bin nicht wirklich emanzipiert, sondern einfach eine Frau, die ihre Vorstellungen hat. Früher wollte ich Tierärztin werden. Mit dem Einblick, den ich bei «Heldin der Lüfte» bekommen habe, finde ich den Beruf der Heli-Pilotin auch sehr faszinierend. Er wäre aber absolut nichts für mich.
Warum nicht?
Ich bin ein viel zu emotionaler Mensch. Bei der Rega musst du immer zu hundert Prozent konzentriert sein. Wenn ich vor einem Dreh oder einer Moderation nervös bin, sage ich mir oft scherzhaft, ich sei ja nicht am Lebenretten, um mich zu beruhigen. Aber genau das tun die Leute bei der Rega dauernd. Da darfst du dich nicht durch persönliche Konflikte oder prämenstruelle Störungen ablenken lassen.
Wie haben Sie die Heli-Flüge bei den Dreharbeiten erlebt?
Mit der Rega zu fliegen ist etwas ganz anderes als mit «normalen» Helikoptern. Der Super Puma, mit dem wir bei «Achtung, fertig, Charlie!» flogen, lag viel ruhiger in der Luft. Aber die Rega-Piloten sind so gut, dass es ein einmaliges Erlebnis war, bei ihnen Passagier sein zu dürfen. Ich habe einen Riesenrespekt vor den Männern und den wenigen Frauen, die diesen Beruf ausüben.
Freuen Sie sich schon auf die nächsten Flüge?
Nein, mein Bedarf ist fürs Erste gedeckt. Es kostete jedes Mal Überwindung, in diese beängstigend instabilen Kisten einzusteigen. Da spürt man die Höhe und hat oft das Gefühl, die Rotoren würde demnächst die Felsen berühren.
Was hat Sie an der Rolle der Helikopterpilotin Sina Andri gereizt?
Es hat mich interessiert, wie sich eine Frau in einer solchen Männerdomäne behaupten und trotzdem ihre Weiblichkeit bewahren kann.
Sina kennt ebenso wie der von Andrea Zogg verkörperte Vater ihres toten Freundes nur die halbe Wahrheit und kommuniziert zu wenig.Kennen Sie dieses Verhalten aus eigener Erfahrung?
Ich sage mir in solchen Situationen immer: Du kannst so weit rennen, wie du willst. Die Probleme werden mit der Zeit nicht kleiner, sondern grösser, und sie werden dich einholen. Also sprich sie gleich an. Das tut im Moment weh, doch danach sind Probleme vom Tisch.
Wie denken Sie darüber, dass die Miss Schweiz heute einen viel höheren Stellenwert hat als bei Ihrer Wahl?
Und viel mehr verdient? (lacht) Dass die Schweizer die Schönheitskönigin so wichtig nehmen, stört mich nicht. Die Leute haben Freude an ihr, und jedes Jahr bekommt ein Mädchen die Chance, viel Geld zu verdienen und viele Länder zu sehen.
Hatten Sie bei Ihrer Bewerbung gedacht, dass der Titel ein gutes Sprungbrett für Ihre weitere Karriere sein könnte?
Nein, ich wusste nicht einmal, dass meine Vorgängerin Stéphanie Berger heisst und was mit einem Sieg verbunden ist. Ich hatte teilgenommen, weil ich gedacht hatte, dass man an diesem Abend ein Auto gewinnen kann.
Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Spruchreife Filme gibt es momentan keine. Ich werde sicher auch als Moderatorin weiter arbeiten, da mir dieses zweite Standbein eine gewisse Unabhängigkeit schenkt.
Sie haben an der Lee-Strasberg-Schauspielschule in Los Angeles studiert. Haben Sie auch internationale Ambitionen?
Das Wichtigste sind für mich Drehbücher, die mir eine Herausforderung bieten. Diese will ich nun zusätzlich im Ausland suchen, da die Schweiz zwar mein Zuhause ist, ich mir aber ab und zu frischen Wind um die Ohren wehen lassen muss. Dabei bin ich mir bewusst, dass in Deutschland, Italien oder Frankreich niemand auf mich wartet. Bei den Castings werde ich oft nur zwei Minuten bekommen – die muss ich nutzen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.12.2008, 16:39 Uhr
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