Mike Müller über Polanski, Peinlichkeiten und Privates
TV-Tipp
50. Sendung «Giacobbo / Müller – Late Service Public», Sonntag, 11. Oktober, 22.00 Uhr, SF1
Herr Müller, Gratulation. Sie und Viktor Giacobbo haben es geschafft, das ewige Sorgenkind Late-Night-Show im Schweizer Fernsehen zum Erfolg zu führen. Was machen Sie beide besser als Ihre gescheiterten Vorgänger?
Ich denke, wenn man ein US-Format wie die Late-Night-Show kopiert, muss man es auch ähnlich machen. Nämlich mit Stand-ups und mit Komikern. Roman Kilchsperger oder Dieter Moor sind beide hervorragende Moderatoren, aber sie sind keine Stand-Upper, keine Komiker. Ob man die Komiker dann mag, die eine Late-Night-Show machen, ist eine andere Frage.
Apropos mögen: Wie ist Ihr Verhältnis zu Viktor Giacobbo privat?
Wir haben uns über den Beruf kennengelernt, sind inzwischen aber auch privat befreundet. Das hilft sehr für die Sendung. So wissen wir zum Beispiel wenn wir uns anschauen, ob der andere nun wirklich nicht weiter weiss, oder ob er es nur spielt. Vieles ist vor der Show nicht abgesprochen...
...also live.
Ja, und das ist eminent wichtig. Deshalb wird die Show im Kaufleuten-Saal aufgezeichnet. Auch wenn man das Publikum vielleicht nicht sieht, merkt man am Bildschirm, dass das Ganze eins zu eins ist. Wir haben noch nie unterbrochen, wir wollen die Sendung in einem Zug durchziehen. Das kann man in einem Studio nicht. Viktor und ich standen oft zusammen auf der Bühne. Das ist mit ein Grund, warum wir den Live-Charakter ins Fernsehen tragen können.
Das heisst auch, dass Sie spontan auf viele, teils sehr private Anspielungen reagieren müssen. Wenn Sie von Giacobbo zum Beispiel wegen ihrer zerbrochenen Beziehung oder ihrem Gewicht hochgenommen werden. Fällt Ihnen das nie schwer?
Wirklich Privates würden wir nicht preisgeben. Einmal haben wir das getan, als der Blick eine Story über mich und meine ehemalige Partnerin geschrieben hat. Da wars für uns ein Thema. Der Anlass war allerdings der Artikel, nicht das, was in meinem Privatleben wirklich abgelaufen ist. Normalerweise sticheln wir gegenseitig nur mit Tendenzen wie «dick» oder «alt». In der Komik nimmt man halt, was man hat, da verkauft man auch die eigene Grossmutter...
Unvergessen ist die Szene, in der sich Viktor Giacobbo an Gast Sabina Schneebeli heranmacht, mit der ihm seit langem eine Beziehung unterstellt wird.
Das war im Vornherein auch nicht ganz so abgemacht. Es hat sich viel ergeben und wir haben uns gegenseitig immer höhergeschaukelt. Man kann natürlich längst nicht mit jedem Gast solchen Schabernack treiben. Es ist immer wieder ein Risiko, auf diese Dynamik zu setzen.
Haben Sie auf die neue Saison hin Änderungen an der Show vorgenommen?
Grundsätzlich ist das Neue an der Sendung jede Woche der Inhalt. Es gibt jedoch zwei neue Figuren. Allerdings nicht, weil wir zum Start der neuen Saison mit etwas Neuem einfahren wollen. Wir gehen da sehr subjektiv vor: Irgendwann fällt uns nichts mehr Lustiges zu einer Figur ein, dann ist der Zeitpunkt da, eine neue zu erfinden.
Während der Sommerpause von «Giacobbo/Müller» war einiges los, das in ihrer Sendung sicher auch Thema gewesen wäre. Da Sie das sicher verfolgt haben und sich Gedanken dazu gemacht haben: Was fällt Ihnen zum Stichwort Polanski ein?
Die ganze Affäre ist typisch für unsere aktuelle Regierungssituation: Ein Bundesamt schickt jemanden, um die Laudatio für Polanski zu halten und ein anderes Bundesamt schickt jemanden, der ihn verhaften soll. Das ist doch völlig absurd. Die Verhaftung an sich war rechtsstaatlich korrekt. Polanski ist nicht der Einzige, der ein sexuelles Verbrechen begangen hat und deshalb gesucht wird. Wieso soll es ihm anders gehen als anderen?
Stichwort Qadhafi?
Eine peinliche Geschichte. Bundesrat Merz kann einem langsam leid tun. Das Problem ist halt, dass wir ein Rücktritts-System haben, bei dem die Damen und Herren selber entscheiden, wann sie sich zurückziehen wollen. Das gibt es sonst wohl nur in irgendwelchen diktatorisch geführten Ost-Staaten. Es wird langsam lächerlich, man verliert den Respekt. Qadhafi war ein grober Bock von Merz. Er könnte ja jetzt einfach gehen und seine Pension geniessen. Dass er trotzdem im Amt bleibt, ist eitle Zwängerei.
Und zu guter letzt ein Stichwort zu einem Thema, das Sie als Schauspieler selber betrifft: Schweizer Filmförderung?
Die Filmgeldvergabe war schon immer ein schwieriges Thema, nicht erst seit Michael Steiner mit «Sennentuntschi» in die Schlagzeilen kam. Momentan stimmt allerdings besonders vieles nicht. Der Schweizer Film ist im Tief, nachdem er doch eine Zeitlang unerwartet grosse Erfolge feiern konnte. Meiner Meinung nach liegt das an der fehlenden Drehbuch-Förderung. Die Fördergelder gehen immer mehr weg vom Drehbuch, dabei steht und fällt der Film damit. Man kann doch nicht einen Film finanzieren, ohne dass überhaupt ein Drehbuch steht, das geht einfach nicht.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.10.2009, 20:07 Uhr
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