Ohne Biss: Sprechender Hund auf SF

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 20.04.2009 13 Kommentare

Ein herziger Hund - auch wenn er psychotisch ist - macht noch keine Komödie. Diese Lektion musste lernen, wer sich gestern den SF-Film «Hundeleben» anschaute.

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Paar mit Hund und Eheproblemen: Mona Petri als Mara, Pascal Ulli als Ivo.
Bild: SF/Lukas Unseld

   

Gestern sendete das SF einen selbst produzierten Spielfilm. «Hundeleben» – wie könnte es anders sein – ist eine Komödie. Gedreht hat sie Mike Eschmann, der mit «Achtung, fertig, Charlie!» den ersten Schweizer Blockbuster lieferte. Mit «Tell» und «Breakout» schob er allerdings zwei Flops hinterher. Und nun also eine «tierische Komödie» mit einem laut denkenden Hund in der Hauptrolle (Stimme: Marco Rima). Man war gespannt.

Auftritt Schnauzer-Mischling Fredy. Traurig gammelt er im Tierheim herum – bis ihn das Yuppie-Pärchen Mara und Ivo adoptiert. Fortan heckt er im Haus der beiden Workaholics Streiche aus und guckt melancholisch aus dem Körbchen. Das Hundeglück ist perfekt. Doch nach einem Streit um einen verpatzten Hochzeitstag entscheidet sich das Paar für ein Time-out. Das Sorgerecht für den Hund teilen sie sich – eine Woche lebt Fredy bei Herrchen, eine Woche bei Frauchen. Pech für Fredy. Pech aber auch für den Zuschauer. Denn spätestens nun war klar, wo die Geschichte hingeht: Mara und Ivo geraten sich über das Sorgerecht in die Haare, um schliesslich dank Fredy wieder zueinander zu finden.

Szenen mit fetziger Musik unterlegt

Nun könnte man einwenden, dass der Sonntagabend bei SF nicht der richtige Zeitpunkt ist, um dramaturgisches Neuland zu erschliessen. Doch sollte der Plot gleich millionenfach erprobt sein? Muss eine Komödie immer in der Schweizer Gutbürgerlichkeit angelegt sein? Und ist es wirklich nötig, lustige Szenen mit fetziger Musik zu unterlegen? Zumindest letzte Frage lässt sich mit einem klaren Nein beantworten – denn das war schon bei «Benny Hill» peinlich.

Zurück zu Fredy. Nach der Trennung seiner Leute wird der Scheidungshund von Mara für ein medizinisches Experiment eingesetzt während Ivo ihn als Model für eine Werbekampagne bucht. Fredy erkrankt an einer Psychose und kommt bei einer renommierten Hundepsychiaterin in Behandlung. Dann geschieht das «Unerwartete»: Fredy verschwindet spurlos und die verkrachten Eheleute müssen sich zusammenraufen und gemeinsam auf Hunde-Suche gehen.

Feelbored statt Feelgood

Auf der SF-Website hiess es dazu: «Kann das zerstrittene Ehepaar bei der Rettungsaktion die Beziehungsprobleme lösen, um am Ende wieder zu einer glücklichen Familie zusammenzufinden?» Jetzt, da der Film am Fernsehen gelaufen ist, leisten wir uns einen Riesen-Spoiler: Ja, sie schafften es. Ausserdem fand Fredy wieder zu Mara und Ivo ins Haus. So auch der elternlose Nachbarjunge Ricki, der in seiner Einsamkeit Fredy gekidnappt hatte. Dazu erklang in der Schlusseinstellung Züri Wests Ballade «Fingt ds Glück eim».

Das nennt man am Leutschenbach dann wohl ein gelungenes Feelgood-Movie. Doch die verabreichte Mixtur aus Jöö-Faktor, Klischees und biederer Gefälligkeit hinterliess einen einmal mehr in einem ganz anderen Gemütszustand: Feelbored. Wie Hohn klingt da die Weisung des neuen SF-Filmchefs, die Produktionen müssten «eine gewisse Grundgefährlichkeit und Relevanz haben».

Oder haben Sie Fredy etwa gefährlich gefunden? Meinungen über «Hundeleben» bitte unten deponieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.04.2009, 09:06 Uhr

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13 Kommentare

Erika Markoff

20.04.2009, 11:30 Uhr
Melden

Nach 10 Minuten haben wir den Fernseher abgestellt und sind spazieren gegangen, was definitiv erbaulicher war! Solche abgedroschenen Klischees langweilen doch nur. Antworten


Ernst Boller

20.04.2009, 12:01 Uhr
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In der Regel ist es so, dass man im Trailer die besten Sequenzen schon gesehen hat. Hier wohl leider auch. Wer mehr erwartet hat ist selber schuld. Antworten



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