Personeller Overkill
Von René Staubli. Aktualisiert am 08.11.2011 14 Kommentare
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Wer Kritik übt, sollte möglichst ein Lob vorausschicken. Hier ist es: Bei den Basler Indoors haben die TV-Kommentatoren Stefan Bürer und Heinz Günthardt am Wochenende einmal mehr mit ihrer Sachkenntnis, ihrer Schlagfertigkeit und ihrem Humor überzeugt. Tennis macht riesig Spass, wenn die beiden mit von der Partie sind.
Peinlich war jedoch, was jeweils nach Verwertung des Matchballes passierte. Dann gingen die beiden in die Studioecke, um sich von ihrem Kollegen Jann Billeter befragen zu lassen und Small Talk zu betreiben. Nun gibt es nichts Bemühenderes, als wenn Journalisten Journalisten interviewen. Das kann zwar vorkommen, wenn die Bedingungen es nicht erlauben, andere Gesprächspartner aufzutreiben.
In Basel war das aber nicht der Fall: Die Sport- crew hatte weitere Mitarbeiter in der Halle, die vor den Matches den Spielern und zwischen den Games prominenten Zuschauern einige Sätze abrangen. Interessante Studiogäste brachten sie nicht vors Mikrofon. Vielleicht war das auch gar nicht beabsichtigt. Die TV-Sportreporter, so der Eindruck, präsentierten sich lieber selber. Was in Basel passierte, war kein Einzelfall. Die Versuchsanordnung entspricht offenbar einem internen Konzept.
Als der FC Basel letzte Woche in der Champions League in Lissabon gegen Benfica antrat, ärgerte man sich ebenfalls über den personellen Overkill. Rainer-Maria Salzgeber machte Small Talk mit Gilbert Gress und Raphael Wicki - zum Match fiel den Dreien allerdings herzlich wenig ein. Dafür wurde ein Filmchen eingespielt, das den südkoreanischen FCB-Verteidiger Park Joo-ho beim Kochen mit einem weiteren Angehörigen der Sportredaktion zeigte. Salzgeber lobte den «interessanten Beitrag», um anschliessend Kommentator Dani Kern zu interviewen, der auf der Tribüne sass.
Als in der Pause Basels Trainer Heiko Vogel 15 Sekunden lang ins Mikrofon sprach, wurde dieses von einem weiteren nach Lissabon gereisten SF-Mitarbeiter gehalten.Die Sportredaktion des Schweizer Fernsehens sollte sich ein paar Gedanken zum Thema Kosten und Nutzen machen. Angesichts des Grossaufmarsches von journalistischem Personal bei Livesendungen könnte man glatt vergessen, dass die SRG im letzten Geschäftsjahr einen Verlust von 12,3 Millionen Franken geschrieben hat. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.11.2011, 14:44 Uhr
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14 Kommentare
Wenn man Benfica FCB gesehen hat, muss sich SF nicht wundern, wenn ihr Geldverschleuderung vorgeworfen wird. Für Analysen, welche problemlos aus dem Studio gemacht werden könnten, wurden 3 Leute nach Portugal geschickt. Das ist absoluter Verhältnisblödsinn. Antworten
Danke Herr Staubli, sie bringen es auf den Punkt! Diese Selbstdarstellung der Moderatoren + Redaktionsmitarbeiter im Schweizer Fernsehen ist unsäglich!!! Und diese Nabelschau hat tatsächlich Konzept, nicht nur im Sport, ( Monika Schärer nimmt uns im "Box Office" mit auf's Hotelzimmer um Filme vorzustellen). In "Einstein" präsentieren sich die Moderatoren am liebsten selbst für ihre Experimente... Antworten
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