Kultur

Pleiten, Pannen, Peinlichkeiten

Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 31.01.2012 39 Kommentare

Vorgestern ein Tatort voller fieser Schweizer Klischees, gestern der Eklat um den Fasnachtsdreh: Der «Tatort» und die Schweiz, das scheint irgendwie nicht zu passen. Das SF jedoch sieht keinen Handlungsbedarf.

1/7 Seit letztem Jahr gibts wieder einen Schweizer «Tatort».

   

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Die Aufregung um den klischeebeladenen «Tatort» «Schmuggler» mit dem schmierigen Schweizer Banker Urs Röttli als Hauptfigur war noch kaum verebbt, da folgte bereits neues Ungemach: Die Zunft zu Safran, die grösste und älteste Luzerner Fasnachts-Gilde, kündigte die Zusammenarbeit mit den «Tatort»-Machern auf. Für die Folge «Schmutziger Donnerstag», deren obligater Mord im Luzerner Fasnachtsmilieu stattfindet, muss das SF nun einen neuen Partner und neue Drehorte finden.

Damian Hunkeler – seines Zeichens Meister der Safran-Zunft und Fritschivater und damit quasi das Oberhaupt der diesjährigen Luzerner Fasnacht – erklärt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet den Rückzug seiner Gilde: «Das Drehbuch war uns zu klischeehaft, es ging vornehmlich um Alkohol, Drogen und Sex. Der fröhlichen, bunten und kreativen Seite der Fasnacht wurde unserer Meinung nach zu wenig Beachtung geschenkt.»

Hunkeler fürchtete nicht nur um den Ruf seiner Zunft, sondern um den Ruf der Luzerner Fasnacht insgesamt. Schon allein aus Solidarität mit den übrigen Zünften sei eine Zusammenarbeit unter diesen Voraussetzungen nicht akzeptabel gewesen, so der Zunftmeister. Eine Wiederaufnahme der Kooperation komme nur in Frage, wenn das Drehbuch wieder abgeschwächt würde. Hunkeler erklärt, dass die Bringschuld bei den «Tatort»-Verantwortlichen liege: «Wir von der Zunft sind nicht auf Werbung angewiesen.»

Der für die Sparte Fiktion zuständige SF-Bereichsleiter Urs Fitze bedauert den Entscheid, nun suche das SF nach anderweitiger Unterstützung, um die Szene auch ohne den Support der Zunft drehen zu können.

Eine Reihe von Malheurs

Die Safran-Episode ist ein Malheur unter vielen, die sich seit Wiederaufnahme der Schweizer «Tatort»-Produktion ereignet haben. Da war das Vor und Zurück mit dem Premieren-Tatort «Wunschdenken» , da waren Diskussionen um die Gastrolle von Sofia Milos und um Stefan Gubsers Eignung als Kommissar und vernichtende Kritiken.

Ob der in Deutschland und Österreich millionenfach geschaute «Tatort» der Schweiz wie erhofft als Werbe-Vehikel dient, wird so je länger je fragwürdiger. Doch SF-Mann Fitze wiegelt ab und hält gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet fest, dass die Schweizer Beteiligung an der «Tatort»-Reihe momentan nicht zur Disposition stehe.

Laut Fitze hat die «Tatort»-Mitarbeit nicht zuletzt wirtschaftliche Vorteile: «Die Beteiligung an diesem Format garantiert ein hochwertiges Primetime-Programm zu relativ günstigen Bedingungen.»

Die nächste Chance kommt

Ob sich die Beziehung zwischen SF und «Tatort» doch noch von einer Mésalliance zu einer Liebes-Ehe wandeln könnte, darüber wird die nächste Schweizer Folge (Titel: «Skalpell») Aufschluss geben.

Gut möglich, ja wahrscheinlich, dass die Schweizer «Tatort»-Macher bis dahin noch die eine oder andere Pleite erleiden müssen. Eins immerhin bleibt ihnen definitiv erspart: «Als Fasnachts-Sujet taugt der ‹Tatort› nicht mehr», beruhigt Fritschivater Hunkeler, «denn dafür sind die Fest-Planungen bereits zu weit fortgeschritten.»

Was meinen Sie: Soll das SF sich weiterhin an der «Tatort»-Reihe beteiligen? Braucht es eine Schweizer Eigenproduktion? Meinungen bitte unten eintragen!

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.01.2012, 12:22 Uhr

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39 Kommentare

Marc Freyburger

31.01.2012, 13:16 Uhr
Melden 45 Empfehlung

Um was, bitte Herr Hunkeler, gehts den sonst bei der Luzerner Fasnacht? Einmal im Jahr in der Masse programmiert lustig sein und das aber auch nur mit einem gehörigen Chlapf in der Birne und erst noch verkleidet, damit man ja nicht auffällt - was für ein besseres Milieu für einen Tatortkrimi gibts denn noch? Antworten


Hans Brunner

31.01.2012, 13:30 Uhr
Melden 43 Empfehlung

Nein, es braucht keine Schweizer Tatort Eigenproduktion. Das wird nie etwas werden.
Tatort ist eine Krimireihe und keine Dauerwerbesendung. Wenn bei jedem Script nur darauf geschaut wird, ob die Sehenswürdigkeiten Luzerns gut genug dargestellt werden, hat man beim SF das Ziel verfehlt. Wie wäre es mal damit, etwas mehr Wert auf Spannung zu legen?
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