Kultur

Schön peinlich!

Von Hans Georg Hildebrandt. Aktualisiert am 28.09.2010 3 Kommentare

Die grandiose Serie «Curb your Enthusiasm» zeigt einen Multimillionär, der anderen Menschen auf die Nerven geht und kein Fettnäpfchen auslässt.

1/6 Untrügerisches Gefühl für die Fettnäpfe dieser Welt: Schauspieler, Komiker und Kunstfigur Larry David.

   

Info

«Seriensüchtig» stellt in loser Folge TV-Serien vor. Heute Curb your Enthusiasm. Die vom amerikanischen Sender produzierte Serie geht geht 2011 in die 8. Staffel. Die 1. bis 6. Staffel ist als Box auf DVD (Ländercode 2) für etwa 30 Franken erhältlich, die 1. Staffel auch auf Deutsch für etwa 16 Franken.

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«Ich bin Larry David, und zufälligerweise trage ich gern Damenunterwäsche.» Der das in der Folge «Officer Krupke» aus der siebten Staffel der US-Serie «Curb your Enthusiasm» (HBO) sagt, heisst tatsächlich Larry David und hat gerade seinen Agenten und Freund Jeff Greene vor einer schlimmen Ehekrise bewahrt. Jeffs Frau Susie hatte nämlich ein Damenhöschen in Jeffs Handschuhfach gefunden und bohrende Fragen nach dessen Herkunft gestellt.

Weshalb Larry im Höschen vor einen Polizisten namens Krupke und vor die ungläubige Susie Greene zu stehen kommt, ist eine Geschichte, die einen Hosenkauf, einen Feueralarm im Hosengeschäft und eine Menge haarsträubender Peinlichkeiten umfasst. Letzteres gilt für alle Folgen aller Staffeln.

Kreiert wurde «Curb your Enthusiasm» im Jahr 1999 von Larry David, der einst mit Jerry Seinfeld die weltweit gezeigte Comedyserie «Seinfeld» über ein Grüppchen neurotischer, meist jüdischer New Yorker erfunden hatte. Phänomenal reich geworden – in «Curb» ist die Rede von 400 Millionen Dollar –, zog Larry David damals von seiner Heimatstadt New York ins sonnige Los Angeles.

Respektlos

«Curb» ist nah am Leben geschrieben; Autor Larry David spricht von seiner Serien-Figur als nur leicht überzogene Version seiner selbst. Entsprechend ist «Curb» jüdischer, dunkelschwarzer Humor unter kalifornischer Sonne und verrückt lustig, weil in jeder Folge moralische Abgründe verhandelt werden, denen man nur lachend begegnen kann. So endet die 6. Staffel damit, dass Larrys verängstigte Ehefrau Cheryl aus einem absturzgefährdeten Flugzeug übers Kreditkartentelefon anruft, nur um von Larry kurz abgefertigt zu werden, weil er in dem Moment gerade den TiVo-Guy (etwas wie einen Cablecom-Monteur) im Haus hat und unbedingt Sport schauen will. Die Szene hat die Trennung von Larry und Cheryl zur Folge. Larrys nächste Freundin gehört dann zur hurrikangeschädigten, schwarzen Familie Black aus New Orleans, der er auf Cheryls Anregung einst in seinem eigenen Haus Obdach gewährt hat – niemand wird verschont.

In der 7. Staffel fasst Larry einen Plan zur Wiedervereinigung mit seiner Ex, wobei der Plan eine Wiedervereinigung der «Seinfeld»-Crew einschliesst: Fans dieser Serie erfahren im Rahmen von «Curb», wie Larry David und Jerry Seinfeld sich «Seinfeld» zehn Jahre später vorstellen. Diese Ebene macht die 7. Staffel von «Curb» zu einem spannenden philosophischen Experiment, doch zentral bleibt Larrys tragische Neigung zu Patzern in seinem sozialen Umfeld, bei dem er sich ständig zu entschuldigen hat. In der Folge «Denise Handicapped» etwa hat er nach einem versehentlich ausgemachten Rendezvous mit einer gehbehinderten Frau gleich zwei zornige Rollstuhlfahrerinnen und die Comedy-Kollegin Rosie O’Donnell gegen sich, ohne doch jemandem etwas Böses gewollt zu haben. Die Episode mit der Damenunterwäsche ist dagegen fast harmlos ( jedoch genauso respektlos lustig). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2010, 16:01 Uhr

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3 Kommentare

Ulrike Huber

28.09.2010, 16:29 Uhr
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Larry David ist wirklich ein toller Komiker; so toll, dass man den letzten Film von Woody Allen "Whatever works" zu seinen schlechtesten zählen kann. Antworten


urs alvez

28.09.2010, 16:51 Uhr
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Die Serie wurde bom SF DRS nicht ins Programm genommen mit der Begründung, es handle sich um 'Randthemen'. Das fand ich auch lustig. Antworten




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