Kultur

Schweizer designt ZDF-News – «Als ob man aus einer Website heraus moderiert»

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 21.07.2009

Der Schweizer Designmanager und Markenstratege Ruedi Alexander Müller-Beyeler hat die überarbeiteten ZDF-Nachrichten-Sendungen massgeblich mitgeprägt. Und somit auch das neue News-Studio des deutschen Staats-Fernsehens.

So sieht das neue, virtuelle Nachrichten-Studio des ZDF aus.

Ruedi Alexander Müller-Beyeler: Der Schweizer hat das neue ZDF-Studio mitentwickelt.

Ruedi Alexander Müller-Beyeler: Der Schweizer hat das neue ZDF-Studio mitentwickelt.

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Müller-Beyeler führte mit seiner Firma Tatin Scoping Complexity im Auftrag des ZDF ein interdisziplinäres Team von verschiedenen Agenturen. In einem dreijährigen Prozess wurde der Look der Nachrichtensendungen «ZDF heute» und «ZDF heute journal» neu entwickelt.

«Dies war zwar mein erster Auftrag für das Fernsehen», sagt Müller-Beyeler zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Heute, nach drei Jahren Entwicklungsarbeit fürs ZDF kenne er das Medium in- und auswendig. «Ich bin ein richtiger TV-Spezialist geworden.» Ausserdem verfügte er bereits vorher über langjährige Erfahrung mit sämtlichen anderen Medien. «Meine Stärke ist das Managen von Projekten. Ich bin ein Querdenker, das war von Vorteil für die neuen Pläne mit dem ZDF-Nachrichtenstudio.»

Die digitale Fernsehzukunft

Das ZDF reagiert mit dem neuen Auftritt und dem Neubau des Studios auf das veränderte mediale Verhalten der Zuschauer, rüstet sich für die digitale Fernsehzukunft und stärkt seine Eklärkompetenz mit den Möglichkeiten virtueller Technik. Müller-Beyeler hat mit dem ZDF die Nachrichten-Flaggschiffe gestalterisch neu konzipiert. Er hat in Mainz die Schnittstelle zwischen Redakteuren, Technikern und einem interdisziplinären Team von Designexperten geführt.

Am 17. Juli ging das modernste Nachrichtenstudio Europas auf Sendung. «Mir war es wichtig, im Rahmen des neuen Designs die Rolle von Fernsehnachrichten im Zeitalter des Internets zu klären», so Müller-Beyeler. Das neue Nachrichtenstudio des ZDF sei reine Informationsarchitektur. «Ausser dem Nachrichten-Desk und dem Moderator ist nichts real. Der Raum entsteht durch computeranimierte Bilder und Texte, die auf die grüne Fläche, welche Desk und Moderator umgibt, projiziert werden.»

Nachrichten zuerst ins Internet, dann ins Fernsehen

Was komplex tönt erklärt Müller-Beyeler mit einem einfachen Satz: «Es ist so, als ob der Moderator aus einer Website heraus moderieren würde.» Und das hat Auswirkungen auf die Art, wie Nachrichten künftig entstehen. Erklären mit Grafiken ist ein wichtiger Bestandteil der neuen Nachrichten-Sendungen. Hintergrundinformationen zu aktuellen Themen können in sogenannten «Erklär-Räumen» präsentiert werden: Die Moderatoren bewegen sich dabei in eingespielten Infografiken und lebensgrossen, teilweise dreidimensionalen Projektionen. Piktogramme sollen zukünftig verstärkt zur Informationsvermittlung eingesetzt werden.

Das ZDF reagiert mit dem Relaunch und dem neuen Studio auf die Möglichkeit, in einer digitalen Fernsehzukunft Nachrichten anders zu erklären als bisher. Müller-Beyeler geht es vor allem um ein Zusammenwachsen von Internet und TV. «Nachrichten werden künftig zuerst fürs Internet gemacht, wo die reine News im Zentrum steht. Am Fernsehen soll der Zuschauer dann Hintergründe und Erklärungen dazu geliefert bekommen.»

Kontroverse Reaktionen erwartet

Die Reaktionen auf das letzten Freitag eingeläutete, neue Nachrichten-Zeitalter am TV sind unterschiedlich. Müller-Beyeler sieht das gelassen: «Dass die Diskussion sehr kontrovers verläuft, war zu erwarten», meint er. «Viele TV-Zuschauer – aber auch TV-Mitarbeiter – wollen nicht von ihren liebgewonnenen Gewohnheiten abrücken. Dann gibt es aber auch die Gruppe von Zuschauern – meist sind das die Jüngeren –, die Neues sehr begrüssen. Wir hoffen natürlich, mit der Überarbeitung vermehrt auch dieses jüngere Publikum anzusprechen, ohne das im Durchschnitt ältere Stammpublikum zu verlieren.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.07.2009, 13:50 Uhr

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