Kultur

Service public pur

Von . Aktualisiert am 07.05.2010 5 Kommentare

Die finanzielle Situation setzt die SRG unter Spardruck. Replik von Casper Selg, Moderator beim Schweizer Radio DRS.

Ein Chor von Stimmen fordert, die SRG müsse zusammengestrichen werden. Der Gesang ist laut und dissonant. Es wirken Journalisten mit, die einander mit Abbauvorschlägen überbieten, einer schlägt sogar vor, DRS 2 zu streichen. Es sind Medienunternehmer, die von «sparen» reden und etwas anderes meinen. Ein ehemaliger Kollege etwa bläst zum Halali auf DRS 3 und 4. Und Politiker, die lästige Berichterstatter gerne stummschalten würden, singen mit. Es gibt aber auch Stimmen, die legitime Kritik an unserer Arbeit äussern. Wir, die Leute an der SRG-Basis, hören diese Kritik sehr wohl – auch wenn sie gelegentlich von Personen kommt, die offenbar nicht wissen, was Service public im Medienbereich meint.

Die SRG-Medien sollen einen Beitrag leisten zur politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Diskussion im Land. Wir wollen Verständnishilfe bieten für die komplexe Welt, in der wir leben, für die Kulturen und Denkweisen, die unser Land ausmachen. Die SRG soll – neben Unterhaltung und Sport – produzieren, was im Interesse der Meinungsbildung wünschbar, aber über den Markt niemals finanzierbar ist. Gute Information ist die Basis einer guten Demokratie. Bei alledem müssen wir eine möglichst hohe Beachtung anstreben. Aber die Quote darf nicht allein entscheiden, der Inhalt muss letztlich ausschlaggebend bleiben.

Konzept «kultureller Kahlschlag»

DRS 2 ist in diesem Sinne Service public pur. Das gilt, auch wenn man diese oder jene Sendung weniger mag. Wer das ganze, grosse, vielfältige Angebot des Senders pauschal in Frage stellt, soll doch bitte wenigstens versuchen, eine plausible Alternative zu formulieren. Oder offen zum Konzept «kultureller Kahlschlag» stehen.

Dass andere Medien jetzt Angriffe auf die SRG lancieren, ist nachvollziehbar. Sie haben es schwer, guten Journalismus überhaupt noch zu finanzieren. Dass andere so laut mitsingen, ist bedenklicher. Ich selber arbeite seit 30 Jahren für die SRG, weil ich ihren Auftrag richtig und ihre Funktion wichtig finde für die Schweiz und ihre Demokratie. Ich meine, unser vielfältiges Land mit seinem relativ kleinen Markt für elektronische Medien braucht einen Anbieter wie die SRG. Redaktionen, die bei der Auswahl der Inhalte nicht gezwungen sind, sich am kurzfristigen ökonomischen Effekt zu orientieren. Über das Wie kann und soll man immer wieder diskutieren. Aber doch hoffentlich nicht über das Ob.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2010, 22:19 Uhr

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5 Kommentare

Hans Frei

07.05.2010, 09:07 Uhr
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Was heisst hier Medienvielfalt? Auf DRS3 mit dem ewig gleichen Mainstream und unzählige Wiederholungen der immer gleichen Musikstücke und den krampfhaft Judihui wirkenden Moderatoren, kann ohne weiteres verzichtet werden. Lieber Rete3, Couleur3 und Virus weiter unterstützen! Oder sich ein Vorbild an FM4 aus Österreich nehmen. Antworten


Lucien Michel

07.05.2010, 11:40 Uhr
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Wenn es den Verlegern und den kritikscheuen Politikern gelingt, die absolut hochwertigen Informations- und Kulturbeiträge von DRS abzuschiessen haben wir hier bald eine mediale Wüste. Die Verlege sollten sich besser selber um mehr Qualität bemühen, und bei vielen Politikern versteht man, dass der Bote geköpft werden soll.... Antworten




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