Kultur

Sie schoss den Schweizer «Tatort» ab

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 15.02.2011 95 Kommentare

Wer ist die neue Kulturchefin des Schweizer Radios und Fernsehens, die den Schweizer «Tatort» als zu schlecht empfand und deshalb zurückwies? Nathalie Wappler im Porträt.

Ist «iDg»: Nathalie Wappler, die neue Kulturchefin des Schweizer Radios und Fernsehens.

Ist «iDg»: Nathalie Wappler, die neue Kulturchefin des Schweizer Radios und Fernsehens.
Bild: SF

Die Abkürzung klingt ungewohnt: SRF. Seit Anfang Jahr erst gibt es die Unternehmenseinheit «Schweizer Radio und Fernsehen». Gebührenfinanziertes Radio und TV zusammenführen, das war die Idee. Freilich ist sie wolkig – umso interessierter blickt man auf die Menschen, die sie personifizieren.

Nathalie Wappler (42) etwa. Seit kurzem leitet die Ostschweizerin die SRF-Abteilung Kultur mit rund 260 Mitarbeitern – und nun ist sie erstmals in die Schlagzeilen geraten. Am Sonntag wurde bekannt, dass sie mit der Schweizer «Tatort»-Eigenproduktion «Wunschdenken» unzufrieden sei: zu viele Klischees, holprige Story, schlechte Hauptdarstellerin, so Wapplers Fazit.

Klare Worte

Hoppla! Die neue Kulturchefin spricht klare Worte. Sie scheint willens, eingespielte Mechanismen, televisionäres Gewohnheitsrecht anzuzweifeln – statt alles seinen Lauf nehmen zu lassen. Selbst wenn sie sich mit Grössen wie «Wunschdenken»-Regisseur Markus Imboden anlegt und kurzfristig einen Imageschaden für den «Tatort» made in Switzerland riskiert, der nun überarbeitet werden muss.

Wappler als Chefin, die den alten Laden gründlich entstaubt: Stimmt der Eindruck? Mitarbeiter beschreiben sie – nein, sie beschreiben nicht genau so. Aber doch als wohltuend sachorientiert. Als unbeeindruckt von Hierarchien. Als unsentimental zupackend. Als «eine Managerin, die nicht aus Machthunger handelt und keine Machtspielchen betreibt». Als eine Frau, die «absolut unelitär ist, auch wo sie elitäre Kultur fördert».

Die Mit- und Vordenkerin

Jedenfalls hat sie beim hiesigen Fernsehen eine Rapidkarriere hingelegt. Vor fünfeinhalb Jahren begann sie beim Magazin «Kulturplatz» als Produzentin – heute hat sie «Kulturplatz»-Leiterin Regula Bochsler und den früheren SF-Kulturchef Rainer Schaper überflügelt. 2008 übernahm Wappler die «Sternstunden», in denen auch der heutige SRG-Generaldirektor Roger de Weck ab und zu mittat. Schliesslich geschah etwas Entscheidendes: Sie durfte in der Projektgruppe zur Konvergenz Platz nehmen, wurde zur Mit- und Vordenkerin, wie man die Fusion von Radio und TV im Kulturbereich schaffen kann.

Nathalie Wappler ist zudem «iDg»: in Deutschland gewesen. IDg sind sowohl SRF-Direktor Rudolf Matter wie auch SRG-Generaldirektor de Weck – und eben Wappler. In Kreuzlingen am Bodensee aufgewachsen, studierte sie in Konstanz Geschichte, Politik, Germanistik und verdingte sich dann bei deutschen Fernsehanstalten. Sie war Chefin vom Dienst beim 3sat-Magazin «Kulturzeit», aber auch Redaktorin beim Kulturmagazin «Aspekte» und beim Polittalk «Maybrit Illner» des ZDF – sie hat sich in Deutschland TV-Wissen geholt. Kein Wunder, dass ein Kollege sagt: «Sie hat einen erstaunlich breiten Kulturbegriff von elitärem E bis politisch, sie weiss zu jedem Thema ein Buch oder eine Person, die man befragen kann.»

Freunde schätzen Wappler als Pianistin. Sie hat von diesem Talent auch privat profitiert. In Berlin lernte sie den Berliner Wolfgang Hagen kennen, und beim vierhändigen Klavierspiel kam man sich näher. Die Beziehung überstand Wapplers Heimkehr in die Schweiz, im September 2009 haben die zwei in Zürich geheiratet. Es ist gelebte Konvergenz: Während Wappler vom TV kommt, ist ihr Ehemann Abteilungsleiter Kultur und Musik bei Deutschlandradio. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.02.2011, 08:18 Uhr

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95 Kommentare

Sarah Notter

15.02.2011, 13:32 Uhr
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Also doch eher elitär, im Klassik-Bereich, sehr beschränkte Kultur, die nicht selten die einfachere, evtl. zwischenmenschlichere Kultur als minderwertig belächelt. Alles sollte also möglichst perfekt sein, ganz nach dem Gusto der (subjektiven) Kritikerin. Nein danke. Wo bleibt die Spontaneität, Sendungen, die nicht in viereckige Rahmen oder auf Notenblätter passen. Einheitsbrei haben wir genug. Antworten


Jean-Paul Walder

14.02.2011, 14:33 Uhr
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.Wir haben einige gute Jungfilmer in der Schweiz. Lasst lieber Michael Steiner und Pascal Walder die Filme für das Schweizer Fernsehen machen, dann würdet Ihr wenigstens gute Qualitätsarbeit erhalten ...... Antworten




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