TV-Kritik: Alle gegen Sepp
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 26.11.2010 27 Kommentare
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Bei Sepp Blatter ist das so. Alle Welt sagt, er sei ein Diktator, ein Betrüger, ein Bestecher. Sogar diejenigen, die er angeblich begünstigt haben soll, erzählen freimütig von Reisen, wunderbarem Essen, luxuriösen Hotelzimmern, geschenkten Visa oder Flugtickets, die sie als Gegenleistung für einen Gefallen an Sepp Blatter erhalten hätten.
Sepp Blatter lächelt dann bloss wie der Dalai Lama und sagt so etwas wie: «Stimmt alles nicht. Ich müsste superblöd sein, wenn ich das gemacht hätte. So dumm kann nicht mal ein Oberwalliser sein.» Und dann ist die Sache vom Tisch.
Alle gegen Sepp
Für den Dok «König Fussball, Kaiser Sepp» ist SF gestern Abend mit grossem Geschütz gegen den Fifa-Präsidenten aufgefahren und zeigte die grössten Fifa-Skandale der vergangenen zwölf Jahre im Zeitraffer. Es wirkte so, als hätten die Macher im SF-Archiv das Stichwort «Joseph S. Blatter» eingetippt und dann das gesamte alte Material zusammengeschnitten und aneinandergereiht. Wie eine Semesterarbeit über Sepp Blatter mitsamt ein paar Grafiken, um das Fifa-Konstrukt auch für Laien verständlicher zu machen.
Entsprechend war nichts Neues zu erfahren. Die Botschaft: Alle Welt ist gegen Sepp Blatter – mal abgesehen von seiner Enkelin, seiner Tochter, den guten Freunden im Oberwallis und den wichtigen im Mittleren Osten und in Afrika. Niemand stärkt ihm vor laufender Kamera den Rücken, eine Stimme gegen all die Vorwürfe gibt es keine, nur die von Blatter selber. Doch das reicht offenbar.
Macht ist wie Doping für Blatter
Wie macht der das bloss? Wie schafft Sepp Blatter es, alle Vorwürfe gegen ihn lächelnd zu ignorieren oder erbitterte Feinde dazu zu bringen, ihm vor laufender Kamera die Hand zu schütteln? Wie kann er sich seit zwölf Jahren an der Spitze der Fifa halten, obwohl alle laut «Tschau Sepp!» zu schreien scheinen? «Sepp ist der einzige Mensch in der Fussballwelt, der 365 Tage im Jahr Zeit hat, über seinen Machterhalt nachzudenken», suchte der Ex-Fifa-Direktor Guido Tognoni nach einer Erklärung. Er trat gestern im Dok als schärfster Blatter-Kritiker auf. Es sei nicht das Geld, sondern die Macht und der tägliche Applaus, die ihn antrieben. Er brauche das, blühe auf. Macht sei wie ein Doping für Blatter, der früher immer «kleiner Sepp» genannt wurde, ein Ansporn für ihn, ein Grosser zu werden.
Wer Sepp Blatter ist, wie viele Gesichter er hat und welches das wahre ist, warum ihn trotz der vielen Vorwürfe niemand vom Fifa-Thron stösst, konnte der gestrige Dok nicht klären. «Eines Tages wird die Wahrheit ans Licht kommen. Und dann werden wir sehen», hat Sepp Blatter 2002 gesagt, nachdem ihn sein Fifa-«Ziehsohn» Michel Zen-Ruffinen Machtmissbrauch vorgeworfen hatte. Das hat ihn damals beinahe die Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten gekostet. Aber eben nur beinahe. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.11.2010, 09:38 Uhr
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27 Kommentare
Und wenn die FIFA die Übertragungsrechte an die TV-Stationen für die nächste WM vergibt , stehen alle TV-Anstalten wieder artig Spalier, aplaudieren der FIFA und akzeptieren die aberwitzigen Preisaufschläge von...zig Prozenten. Blatter hat den Stoff und die (süchtigen) TV-Anstalten zahlen jeden Preis. Warum eigentlich ? Antworten
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