TV-Kritik: Alles ausser originelle Musik
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 19.10.2009 33 Kommentare
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Gestern ging «Die grössten Schweizer Hits», die Castingshow fürs helvetische Liedergut, in die vierte Runde. Das Thema lautete «Mannsbilder». Dabei standen nicht wie bisher Songs aus der Mottenkiste im Fokus, sondern die beliebtesten Hits der Jahre 2008 und 2009. Ob die Konzeptänderung auch eine Reaktion auf das letztjährige Fiasko ist? Damals wurde ein neuzeitlicher Jodel, den niemand kannte, zum grössten Schweizer Hit erkoren.
Es traten gestern also allerlei Musiker auf, die a) männlich sind, b) kürzlich einen Erfolg feiern konnten und c) aus der Schweiz kommen. Solche strenge Kriterien sind einem überraschenden Teilnehmerfeld natürlich nicht gerade zuträglich. Es liefen denn auch Stress, Bligg und die üblichen Verdächtigen auf. Dumm, hatte Baschi seit «Bring en hei» keinen Hit mehr, sonst wäre er auch als Solokünstler dabei gewesen (er gab später mit anderen Kandidaten einen Support-Song für Radio Energy zum besten).
Thurnheers Korb für Nella Martinetti
Hoch waren die Erwartungen an die Plauderrunde, die ja eigentlich die Hauptattraktion der Show ist. Und Francine Jordi, Roman Kilchsperger und Beni Thurnheer enttäuschten nicht, waren wie immer übermütig aufgelegt. Dies obwohl Thurnheer einen Fehlstart hinlegte. Moderator Sven Epiney versprach der krebskranken Nella Martinetti ein Lied mit seiner Gästerunde – worauf ihm Beni tatsächlich einen Korb gab. Nun, vielleicht hatte er recht. Nicht Wohltätigkeit war das Motto der Sendung, sondern Mannsbilder. Also fachsimpelte man minutenlang über den Sex-Appeal von Kilchsperger und Thurnheer.
Ganz ohne Nostalgie gings allerdings doch nicht. Zwischen den Darbietungen kriegten die Zuschauer Retro-Clips zu sehen, die von prominenten Schweizern kommentiert wurden. Mal mehr, mal weniger lustig. Nein, eigentlich öfter weniger lustig. Frank Baumann etwa: hatte der nicht einmal Humor? Und René Rindlisbacher! Immer wenn er kam, wurde es schlüpfrig («Mick Jagger hat zwei Mikrofone: Eins in der Hand und eins in der Hose»). Gäbe es einen Bad-Sex-Joke-Award, müsste er ihn höchstens mit Beni Thurnheer teilen («Metrosexuell? Ist das Sex in der U-Bahn?»)
Sympathischer Sieger
Das inoffizielle Motto der Sendung lautete ganz offenbar «Sex». So weit, so frech. Als Florian Ast zusammen mit der ganzen Kreuzlinger Arena «I wott Sex vom morge bis am Abe» grölte, beschlich einen jedoch ein leichtes Gruseln. Allein, die Zuschauer zuhause liessen sich nicht beirren und wählten den denkbar unerotischsten Song zum Sieger: «Das Herz einer Mutter» von der Volksmusik-Combo Sängerfreunde. Ein sympathischer Entscheid, der aber nicht darüber wegzutäuschen vermag, dass die Sendung nur solange funktioniert, wie es Schweizer Hits abzugrasen gibt. Sprich, man hätte nach der ersten Staffel aufhören sollen. Auf dem, ähm, Höhepunkt.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.10.2009, 09:30 Uhr
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