Kultur

TV-Kritik: Annina Frey am Abgrund

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 19.07.2011 24 Kommentare

«Frey von Sinnen» heisst eine Sommerserie von «Glanz & Gloria», in der sich Annina Frey allerlei Gefahren aussetzt.

1/6 Bereits beste Freundinnen: Jacqueline Schneider und Annina Frey wärmen sich auf.

   

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Um die Glorie Schweizer Prominenz zu erlangen, muss man nicht unbedingt von Sinnen sein, aber es hilft wahrscheinlich – so jedenfalls interpretieren wir den Titel der neuen «Glanz & Gloria»-Sommerserie «Frey von Sinnen». Während die Prominenten im Süden an ihrem Sommerteint arbeiten und nur Würstchen wie wir die Stellung im Regen halten, wird Moderatorin Annina Frey sich allerlei gefährlichen Stunts stellen und damit über die Ödnis der Sommermonate hinwegtrösten. Damit greift Annina Frey eines der beliebtesten Narrative des modernen Individuums auf: sich selber unter Leistungsdruck und in Gefahr zu inszenieren – wobei sie auch eine ganz persönliche Agenda hat. Sie wolle «sich spüren», erfährt man aus der Tagespresse. Sie sei nämlich «anders, als viele denken» – ein weiteres Lieblingsthema unserer Gesellschaft.

Der Blog-Skandal

Dass Frey nicht ganz so harmlos ist, wie man denken könnte, daran kann der interessierte Leser sich vielleicht noch erinnern. Vergangenen Herbst sorgte sie mit einem Blogeintrag für Unmut, in dem sie sich über eine Polizeikontrolle beschwerte. Ein «Bulldoggen-ähnlicher Staatsangestellter» habe sie zum «Blastest» aufgefordert, schrieb sie damals und stellte Vermutungen über die Grösse des Geschlechtsorgans ebendieses Staatsangestellten auf – was zu einem Skandal, zu einer scharfen öffentlichen Rüge und einer reumütigen Entschuldigung vonseiten Freys führte.

Frey kennt also bereits die Stahlbäder des vernichtenden Urteils der Öffentlichkeit – und tritt nun dagegen an, indem sie mit Jackass-Faktor gegen ihr Tussi-Image vorgeht. Was also ist zu erwarten? Für die erste Ausgabe werde sich die Moderatorin von einem Sprungturm stürzen – zwar nicht gerade in reissende Fluten, aber immerhin in einen See. Diesen Plan vereitelte leider das Wetter, sodass Frey nun in einem Hallenbad springen werde – und zwar nicht aus zehn, sondern lediglich aus fünf Metern Höhe.

Kopfsprung vorwärts – Kopfsprung rückwärts

Na toll, im Hallenbad vom Fünfmeter springen, wir sind beeindruckt! Und das nächste Mal stürzt sie sich von der Kinderrutschbahn?

Doch es kommt alles ganz anders. Frühmorgens trifft Frey am See auf Turmspringerin Jacqueline Schneider. «Hoooooooi» blöken sie sich zu, Küsschen, Küsschen, als seien sie bereits beste Freundinnen. Dann weiht Schneider Frey in die Grundlagen des Sports ein: Sprungkraft, Körperspannung und höchste Körperbeherrschung seien beim Turmspringen gefordert, sagt sie. Und das Mentale sei entscheidend – wie bei so ziemlich jedem Spitzensport, möchte man einwerfen. Und, ach ja: Schmerzhaft könne es auch sein. Und schon federn wir mit Frey auf dem Einmeterbrett im Hallenbad mit.

Kopfsprung vorwärts, Kopfsprung rückwärts, Frey taucht ein, taucht auf, klettert wieder aufs Brett, taucht ein, taucht auf und Schneider ruft: «Jetzt versuech eifach, s'Füdli hindenufe z'lupfe.»

Tränen nach dem Sprung

Dann dasselbe vom Dreimeterbrett. «Wer höher steigt, kann tiefer fallen», orakelt der Off-Kommentar, und es geht noch höher beziehungsweise tiefer: das Fünfmeterbrett. Hier wagt Frey erst einen Kopfsprung vorwärts, was doch beeindruckend ist. Und das Ganze rückwärts. Frey sagt: «Ich habe Angst», Nahaufnahme ihres Gesichts, Nahaufnahme ihrer hübsch pedikürten Zehennägel. Sie atmet tief durch. Und springt. Und überdreht. Und klatscht in voller Länge mit voller Wucht auf die Wasseroberfläche. Autsch.

Frey taucht auf, wehklagt, Tränen in den Augen. Ihre Beine sind blau, Jackass-Style. Schneider meint bloss, das gehöre eben dazu, sie solle nochmals springen. Und Frey geht tatsächlich nochmals, was uns doch ein bisschen Respekt abverlangt. Tapfer, tapfer. Man kann sich zwar spektakulärere Aktionen vorstellen, aber Freys Bereitschaft, sich dem allem ohne Schminke und doppelten Boden auszusetzen, ist doch bemerkenswert. Und wenn sie am Ende ihrer Trainerin nicht in die Arme fallen und schluchzen würde: «Ohne dich hätte ich das nie geschafft», könnte man sagen: allemal besser als jeder Promi-Bericht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.07.2011, 10:32 Uhr

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24 Kommentare

Philipp Rittermann

19.07.2011, 11:22 Uhr
Melden 84 Empfehlung

immer wieder lustig zu lesen, was man/frau alles zur befriedigung der mediengeilheit tut; entblödungen à la frau frey gehören zur cervelat-prominenz der untersten schublade. Antworten


Dani Kobler

19.07.2011, 11:05 Uhr
Melden 82 Empfehlung

Ist das auch eine Service Public Sendung? Und wieso wird das Testbild nicht mehr gesendet wenn es nichts zu berichten gibt. Antworten



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