TV-Kritik: Der Pakt mit dem ägyptischen Milliardär
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 12.02.2010 20 Kommentare
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«Do sell der Tyfel e Brigg bue!», riefen die Urner vor langer Zeit, als sie zum wiederholten Male am Bau einer Brücke über die Schöllenenschlucht scheiterten. Dies tat der Teufel denn auch – und verlangte als Dank die Seele desjenigen, der als erster die Brücke überquerte.
So weit die bekannte Urner Sage. Unlängst gingen die Bewohner des Urserentals einen weiteren bemerkenswerten Pakt ein - mit dem ägyptischen Milliardär und Bauunternehmer Samih Sawiris, der in der ruppigen Gegend ein «Neu-Andermatt» aus dem Boden stampfen will. Insgesamt 600 Hotelzimmer, 220 Hotelwohnungen, 40 Ferienhäuser und 710 Wohnungen sollen entstehen. Dazu ein Golfplatz und ein Sportzentrum. Kostenpunkt: 1,2 Milliarden Franken.
Sawiris' Strategie
Fluch oder Segen? Teufel oder Messias? Diesen Fragen ging Alain Godet, der Samih Sawiris während zwei Jahren in der Schweiz und in Ägypten begleitet hatte, im Dok-Film «Das Wunder von Andermatt» nach. Zunächst zeigte er, wie es überhaupt zum absurd anmutenden Plan des Ägypters kommen konnte: 100 Jahre lang bescherten Militär und Tourismus Andermatt auf 1440 Metern Höhe eine sichere Existenz. Doch dann wurden der Waffenplatz und die Gotthardfestungen geschlossen. Wegen zunehmend verlotternden Skianlagen blieben auch die Touristen aus. Lethargie und Ratlosigkeit machten sich breit, es kam zu Abwanderung.
Als dann in der Not Sawiris wie eine Fata Morgana erschien, rollte man ihm den roten Teppich aus. Zumal der Unternehmer mit einer ähnlichen Strategie bereits in seiner Heimat Erfolg hatte, wie die Doku in einer eleganten Parallelmontage erzählte: Im staubig-sonnigen El Gouna kaufte Sawiris so viel Land wie möglich. Dieses erschloss er aber bloss Stück um Stück. So blieb der Ort für Käufer interessant, und auch das Vertrauen der Bewohner erhöhte sich. Im neblig-nassen Andermatt hat er nun exakt dasselbe vor.
Der Antagonist
Nun wurde über das Projekt und seine wirtschaftlichen Dimensionen schon allerlei berichtet. Godets Film überzeugte deshalb vor allem dann, wenn er sich den involvierten Menschen widmete. Sawiri selbst zum Beispiel, der im Lauf der Doku so etwas wie ein Sympathieträger wurde: Umgänglich, volksnah, einfühlsam, aber auch etwas schöntuerisch. Eigenschaften, die ihn bei der ganzen Andermatter Bevölkerung beliebt machen. Ausser bei jenem Bauern, der sich in quasi-gallischer Manier weigert, seinen Hof dem Golfplatz preiszugeben.
Sawiris wahrer Antagonist im Film war aber ein anderer: Der Dorfarzt (weil am grossen Reibach unbeteiligt?) getraute sich als Einziger, öffentlich Kritik zu üben; er bezeichnete den vermeintlichen Retter als skrupellosen Spekulanten. Die restlichen Dorfbewohner sprechen sich für Sawiris aus, springen etwa auf den Zug auf, indem sie selber Gaststätten eröffnen. Und die Politiker, schon bald offizielle Repräsentanten von «Andermatt Swiss Alps», sind sowieso ganz aus dem Häuschen.
«Das Wunder von Andermatt» ist tatsächlich eine unglaubliche Geschichte. Die vielen Gegensätze, die sie beinhaltet, fing der Dok-Film gekonnt ein. Was er freilich nicht beantworten konnte, ist die Frage, ob man im Urserental wie einst seine Seele verkauft hat. Die Antwort folgt im Winter 2013/2014. Dann soll das Bergdorf als Luxusdestination auf der Weltkarte erscheinen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.02.2010, 09:25 Uhr
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Eine Million neue Logiernächte, oder 37 Wochen pro Jahr rund 3'000 (übernachtende) Gäste pro Tag. So die Ziele. Und Sawiris, der noch vor Eröffnung seine Investitionen an Nachfolgeinvestoren verkaufen möchte. Im Jahre 06/07 hatte Andermatt gerade mal 70'000 Übernachtungen. Ab wann wird Optimismus kitschig? Antworten
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