Kultur
TV-Kritik: Enthemmte Beyoncé und ein Stromausfall
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 04.02.2013 9 Kommentare
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Um die Frauenquote musste sich bei der 47. Superbowl definitiv niemand Sorgen machen. Nach der ersten Halbzeit mit einer Horde von Football-Spielern mit imposanten Oberarmen, prallen Oberschenkeln in Leggins und breiten Nacken kam Beyoncé. Wie eine Teufelin in High Heels erschien ihre Silhouette zwischen Feuerfontänen, Laserblitzen und Nebelschwaden. Nach wenigen Takten und lasziven Tanzschritten wurde ihr schon so heiss, dass sie ihr Jäcklein ausziehen musste. Übrig blieben eine Art Négligé, High Heels und schwarze Kniestrümpfe.
Beyoncé kam jedoch nicht alleine. Sie nahm fast hundert Klone mit auf die Bühne, die nicht minder enthemmt tanzten. Sie alle machten den Männerüberschuss aus der ersten Halbzeit locker wett. Kein einziger Mann durfte auf die Bühne. Die Schlagzeugerin war ein energiegeladenes Vollweib, und den Gitarrenpart übernahm ein weiblicher Slash-Verschnitt. Da blieb nicht nur den Männern im Superdome, vor dem Fernseher und im SRF-Studio der Mund offen. Auch die Zuschauerinnen konnten neidlos anerkennen: Das war eine beeindruckende Show. Vom Headbanging auf allen Vieren bis zum kecken Zungeneinsatz: Beyoncé gab alles und das tatsächlich live. Sie überzeugte nicht nur optisch, sondern auch stimmlich. Für eine kurze Verschnaufpause holte sie sich ihre zwei ehemaligen Destiny's-Child-Kolleginnen auf die Bühne.
Phlegmatischer Co-Kommentator
Sascha Ruefers Co-Kommentator Dani Glauser war denn auch sichtlich selig, als die Regie ins SRF-Studio schaltete. «Ja, gueti Show gsi», sagte der College-Football-Spieler, der von seiner Schule ausnahmsweise frei bekommen hatte für seinen Kommentatoreneinsatz. Diesen meisterte der Basler ruhig bis phlegmatisch, mit viel Wissen und mitunter mehr Englisch als Baslerdeutsch («Er hat in die Standzone gekickt, dass sie nicht können returnen»). Dabei wäre alles anders gedacht gewesen. Eigentlich hätte das SRF den Originalkommentar aus den USA einspielen wollen, was jedoch im letzten Moment an den Rechten scheiterte. So mussten Ruefer/Glauser einspringen. Die Zuschauer hatten kein Erbarmen und bemängelten sogleich via Facebook, das Duo würde zu wenig kommentieren.
Tatsächlich war das Spiel etwas unübersichtlich für Zuschauer, die sich zum ersten Mal Football anschauten. Davon gab es wohl überdurchschnittlich viele, wie die Zuschauerfragen zeigten, die via Facebook im SRF-Studio eingingen. Was sind das für Tücher, die den Football-Spielern aus den Hosen hängen, wollten sie etwa wissen (Antwort: Schweisstuch), wie viel wiegt Dani Glauser (Antwort: 137 Kilogramm), was soll die schwarze Farbe im Gesicht der Spieler (Antwort: alles nur Show). Der Social-Media-Verantwortliche Dani Bolliger hatte einiges zu tun und freute sich sichtlich über seine Einsätze. Mit betont lässiger Körperhaltung klinkte er sich vom Sofa aus immer wieder in Ruefers Moderation ein.
Stromausfall brachte die Wende
Dann startete das dritte Viertel. Und wie! Baltimores Jacoby Jones legte einen fulminanten Kickoff-Return-Touchdown-Sprint hin, rannte also von der einen Endzone 109 Yards an allen Gegnern vorbei in die andere Endzone. So etwas gab es noch nie. Ein Wahnsinnsrekord! Die Zuschauer und Ruefer jubelten. Und dann wurde es plötzlich stockfinster im Superdome. Stromausfall.
36 Minuten lang ging gar nichts mehr. Das führte wiederum zu interessanten Erkenntnissen aus dem SRF-Studio. Sascha Ruefer entlockte Dani Glauser, wie viel er verdienen könnte, wenn er denn für die NFL gedraftet würde. «So drei Millionen Dollar», sagte dieser und Ruefer flippte aus. «Wahnsinn! Ich würde es für zehn Prozent machen!» Auch erzählte Glauser, dass alleine vier Personen dafür angestellt seien, seine Tweets und diejenigen seiner Football-Kollegen zu überprüfen. Und ja, er habe schon mal einen Tweet auf Geheiss des Zensur-Komitees löschen müssen.
Das Blackout brachte auch im Spiel die Wende. Nachdem in der ersten, etwas drögen Halbzeit alles nach einem Sieg der Baltimore Ravens aussah, holten die San Francisco 49ers Punkt für Punkt auf. Nun wurden auch die Football-Unkundigen daheim auf den Schweizer Sofas gepackt. Die Spieler schubsten und ellbögelten und prallten ihre Helme aufeinander wie Stiere. Auf die Kameraleute und Cheerleader am Spielrand konnte da keine Rücksicht genommen werden.
Facebook-Kommentare bis um halb 5
Die Facebook-User posteten überschwängliche Kommentare, während Sascha Ruefer über die immer häufigeren Werbepausen stöhnte. Leider bekamen wir keinen der Werbespots zu Gesicht, um die im Vorfeld so viel Aufhebens gemacht wurde (siehe eine Auswahl der Spots links). Sogar College-Spiele würden live übertragen, berichtete Dani Glauser, nervende Werbeunterbrechungen inklusive. Da stehe jeweils ein rot gekleideter Mann von ESPN. Erst, wenn dieser ein Zeichen gebe, dürften die Footballer weiterspielen.
«Stell dir das im Fussball vor!», rief Ruefer, der immer aufgeregter wurde ob des ereignisreichen Spiels, während Dani Glauser immer noch völlig ruhig blieb. Auch der Social-Media-Verantwortliche Dani Bolliger war entzückt über die vielen Zuschauer, die sich um diese Zeit (4 Uhr 30) noch rege via Facebook beteiligten. Beinahe hätten es die San Francisco 49ers noch geschafft, es war spannend, fast bis zur letzten Minute. So spannend, dass selbst Beyoncé und ihre leicht bekleideten Tänzerinnen beinahe wieder vergessen waren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.02.2013, 06:34 Uhr
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9 Kommentare
Glauser hat das tiptop gemacht. Natürlich nicht immer schön formuliert. Er hat aber Ahnung von der Materie und hat auch mal selber gemerkt, dass er eine bestimmte Spielsituation erklären muss, damit der Zuschauer mitkommt. Zwar hätte er sich öfter melden können, Ruefer hätte ihn aber auch einbinden müssen. Der hatte aber so wenig Ahnung, dass es nicht mal für komepetente Fragen an G. gereicht hat. Antworten


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