TV-Kritik: Giacobbo und Müller, fertig lustig!
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 01.02.2010 73 Kommentare
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Vielleicht fand ja eine Art Inspiration statt. Kürzlich trat der Aargauer Blödler Peach Weber bei «Giacobbo/Müller» auf und kalauerte «ich habe nichts gegen Merz, fahre ja selber einen». Gestern nun meinten Viktor Giacobbo und Mike Müller, dass «Merz wenigstens mit Schäuble auf Augenhöhe politisiert». Bloss: Während Webers Spruch das Publikum vor Lachen wiehern liess, ernteten die beiden Gastgeber epidermisches Lächeln.
Obs an der banalen Pointe lag (Schäuble ist an einen Rollstuhl gefesselt) oder dem Publikum eben dieser Umstand nicht bekannt war? Wir tippen auf Ersteres, denn der «satirische Wochenrückblick» kam gestern generell flach daher. So witzelte man zum tausendsten Mal über die UBS («Sammelklage, heisst das, dass man zum Klagen sammeln muss?») und zum Thema Freihandelsabkommen mit China fiel den Gag-Schreiben nichts Besseres ein, als ein Spruch über Chinesen, die Hunde essen. Ergänzt wurde die Witzparade mit wenig überraschendem Boni- und Vasella-Bashing.
War Giacobbo früher bissiger?
Als dann der iPad anhand einer Jasstafel erläutert wurde, wünschte man sich tatsächlich Peach Weber auf die Bühne. Es kam dann aber Claudio Zuccolini . Auch kein grosser Satiriker, doch wenigstens hat er keinen solchen Anspruch. Das Irritierende bei Giacobbo und Müller ist nämlich, dass man Satire versprochen bekommt, die dann nicht geliefert wird. Wobei es nicht an den Themen liegt, sondern an der braven Ausführung. Klar, bitterböse Polit-Satire erreicht kein grosses Publikum, und schon gar keinen anständigen Sendeplatz. Doch müssen es gleich Chinesenwitze sein? Und war Viktor Giacobbo früher nicht bissiger, gerade in den Interviews?
Gestern jedenfalls war das Gespräch mit dem Gast einmal mehr PR-Plattform als heisser Stuhl. Brav wurden SP-Frau Ursula Wyss rhetorische Steilpässe vorgelegt, bisweilen ahnte man gar abgesprochene Pointen. Natürlich kann man schwerlich jemanden einladen und ihn dann verheizen – es sei denn, man setzt auf schlagfertige Leute, die auch mal zurückgifteln oder sich auf die Äste wagen. Das schliesst Politiker grösstenteils aus.
Wie bei «Switch»
«Freuen darf man sich auf viel Humor, Spontaneität und interessante Menschen, die etwas zu sagen haben – insgesamt auf 40 Minuten unterhaltsames, ungekünsteltes Fernsehen»: so lautet das offizielle Sendungsporträt von «Giacobbo/Müller». Wir wagen zu widersprechen. Der Schlagabtausch zwischen Müller und Giacobbo ist so spontan wie der SBB-Fahrplan. Am besten ist die Sendung immer dann, wenn vorproduzierte Einspielungen zum Zug kommen, Kunstfiguren wie der Journalist Burri oder Imitationen von bekannten Persönlichkeiten. Und wenn zum Beispiel Christoph Mörgeli oder Frank A. Meyer aufs Korn genommen werden, steht die Parodie sogar im Dienste der Satire. Gestern allerdings war Roger Federer dran, was an die Comedy-Sendung «Switch» erinnerte.
Doch was sagte Peach Weber über «Giacobbo/Müller»: «Die machen auch nur Klamauk.» Der Mann mag blödeln, blöd ist er nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.02.2010, 12:07 Uhr
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73 Kommentare
Typisch Schweizer Fernsehen, absetzen und edlich mal wieder was gescheites. Wenn man selber nicht in der Lage etwas auf die Beine zu stellen, dann lieber im Ausland Sendungen kaufen. Giacobbo hat wohl einen Lebenslänglichen Vertrag mit SF, oder warum setzen sie uns den immer vor? Weg mit ihm, seine Glanzzeit ist vorbei. Antworten
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