TV-Kritik: Hirschmann hat recht
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 19.09.2011 81 Kommentare
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Diese TV-Kritik müsste eigentlich spätestens an dieser Stelle enden. Denn Carl Hirschmann hat absolut keine gesamtschweizerische Relevanz. Dass seine Geschichte auf solch ein grosses Interesse stösst, ist ein Armutszeugnis für die Presselandschaft und für die Leser ebenso.
Die letzten beiden Sätze stammen von Carl Hirschmann selber. Er sagte sie, während er eines Abends zusammen mit dem SF-Reporter Simon Christen in seinem Porsche durch das nächtliche Zürich fuhr. Das war alles noch vor dem Gerichtstermin Anfang September, noch bevor er erstinstanzlich verurteilt wurde. Vieles, was er in seinem Porsche-Nachtgespräch sagte, wurde im Nachhinein relativiert oder konnte als Bestätigung für das Urteil angesehen werden.
Schillernder Aufstieg, schillernder Fall
Etwa, dass er niemals im Leben eine Frau geschlagen habe und dies auch niemals tun werde. Vor Gericht gab er zu, es habe Ohrfeigen gegeben. Im Film hatte er auch gesagt, dass jeder Mensch am Ende des Tages ein Egoist und sich selber am nächsten sei. Dass viel gelogen werde. Dass jeder den Weg gehe, der für ihn am einfachsten sei, egal, was die Leute über Liebe und Freundschaft erzählen würden. Hirschmann also auch?
Dieses Nachher-Vorher, diese Zusammenschnitte von heute (Gerichtsurteil) und früher (Partyleben, Porschegespräch) waren spannend – und für Reporter Christen wohl ein Glücksfall, den er Hirschmann zu verdanken hat. Denn vor dem Gerichtstermin hatte dieser den Film nicht ausstrahlen lassen wollen, weil er ihn nicht als PR-Instrument verstanden haben wollte. Nun, da er verurteilt wurde, wollte er die Doku verweigern, die viele erst recht sehen wollen. Nach einem Hin und Her konnten sich das SF und Hirschmann offenbar auf folgenden Satz zu Beginn der Sendung einigen: «Wenn es nach Carl Hirschmann ginge, würden Sie diesen Film nicht zu sehen bekommen.»
Bad-Boy-Syndrom
Wir Medien könnten nun empört sagen: «Ja, aber Hirschmann hat das Rampenlicht selber gesucht!» und hinweisen auf seine schillernden Auftritte als Clubbesitzer, als Playboy, als Gastredner an der HSG (wo er von den Studentinnen mit den Longchamp-Taschen und den Studenten mit den Lacoste-Pullovern angehimmelt wurde), auf seinen einmonatigen Selbstfindungstrip nach Südostasien vergangenes Jahr, bei dem er medienwirksam von Michel Comte und einem Kamerateam begleitet wurde. Wir könnten behaupten: Hirschmann wäre mit der Reportage sicher einverstanden gewesen, wenn man ihn freigesprochen hätte.
Aber leider hat Carl Hirschmann recht. Sein Fall hat absolut keine gesamtschweizerische Relevanz. Wir alle – Medien und interessierte Leser – sind wie die Frauen, die er bei «Reporter» beschrieben hat, diejenigen, die am Bad-Boy-Syndrom leiden und umso mehr von einem Typen wissen wollen, je mehr die Leute sagen: Bleib fern von dem.
Dieser Text hätte also gar nie so weit kommen dürfen. Er tat es aber, da einige Dinge, die dieser Mensch sagte, zu interessant sind, um sie nicht zu erzählen (Verurteilung hin oder her): Dass er sich zum 18. Geburtstag extrem gewünscht hätte, dass sein Vater aus emotionalen Gründen eine besondere Party für ihn geschmissen hätte. Dass er diese Party aber nicht bekommen habe, was ihn beinahe zum Weinen gebracht habe (deshalb wurde er später Clubbesitzer). Er sagte, Frauen wollten keinen Blümchensex, sondern dass der Mann die Kontrolle übernehme, und dass er diese Frauen immer wieder angelogen habe, um sie nicht zu verlieren. Auch sagte Hirschmann, er mache sich keine Gedanken, ob er ein halbes Jahr wegen eines Beinbruchs in die Reha oder für ein paar Monate ins Gefängnis müsse.
Und er sagte, es sei sowieso alles eine Farce.
Ja, Carl Hirschmann hat recht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.09.2011, 07:49 Uhr
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81 Kommentare
Einige Kommentrare hier sind einfach nur erbährmlich. Nicht das ich Partei für Hirschmann ergreifen will, aber jeder der im Zürcher Nachtleben ab und an verkehrt weiss von was ich spreche. Viele Frauen würden sich die rechte Hand abhacken lassen, damit man ihnen Einlass gewährt, oder irgendwie in "Verbindung" mit dem Besitzer gebracht wird. Ich glaube den "Opfern" keine 30%! Antworten
Ich habe die Sendung gesehn und festgestellt, dass es diesem Mann sehr an Sozialkompetenz mangelt. Sein Frauenbild ist schlicht daneben, seine Weisheiten auf dem Niveau eines 18 Jährigen und seine "Selbstfindung" in Asien reine Propaganda, die von Fotograf Comte beweiskräftig festgehalten wurde. Das Geld für diese Reise hätte er dem Frauenhaus spenden sollen. Das wäre eine grosse Geste gewesen. Antworten
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