TV-Kritik: Mark van Huisseling tappt in die eigene Falle

Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 26.06.2010 41 Kommentare

Der bitterböse People-Kolumnist Mark van Huisseling lässt mit Vorliebe Prominente auflaufen. Dazu hat er nun eine eigene TV-Show auf Pro7 Schweiz. Doch der einzige, der in der Sendung aufläuft, ist er selber.

Beim Trailer zu «MvH – The Place To Be» war die Welt noch in Ordnung.

Beim Trailer zu «MvH – The Place To Be» war die Welt noch in Ordnung.
Bild: Bildmontage

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Der Trailer ist grosskotzig und vielversprechend. «Sein Name ist MvH, Mark van Huisseling», sagt die tiefe Stimme aus dem Off, während in der Nahaufnahme dessen gigantischer Siegelring zu sehen ist.

Mark van Huisseling gibt im Trailer den James Bond, zupft erst sein weisses Hemd zurecht, dann die schwarze Fliege und setzt sich schliesslich die obligate Fliegerbrille auf. So hat man sich ihn vorgestellt, den bitterbösen Autor, der in seiner «Weltwoche»-Kolumne genüsslich die Prominenten und ihre Welt blossstellt. Er verströmt einen Hauch Glamour, die Hoffnung auf eine hochwertige People-Sendung steigt – und wird gleich mit der ersten Einstellung enttäuscht.

Moderator als Fisch oder Frosch

Mark van Huisseling ist an der Art Basel, Teil 1 seiner fünfteiligen TV-Serie. Doch aus dem edlen Bond-Verschnitt vom Trailer ist ein Woody Allen geworden, der Stilkritiker sieht plötzlich aus wie eine graue Maus mit seiner Hornbrille und dem dunkelblauen Anzug. Das liegt nicht nur an ihm, sondern vor allem an den amateurhaften Aufnahmen.

Jedes Lokalfernsehen setzt seine Moderatoren besser in Szene: «MvH – The Place To Be» von Pro7 Schweiz dagegen ist schlecht ausgeleuchtet, van Huisseling mal in Froschperspektive, mal an der Grenze zum Fischauge gefilmt, und der Ton ist schrecklich. Das Gemurmel im Hintergrund ist so laut, dass man die TV-Lautstärke nach oben schrauben muss, um den Moderator überhaupt zu verstehen. Zu sagen hat er jedoch nichts.

Stumpfe Zunge

«Er trifft alle, die einen Namen haben», hat die Stimme im Trailer versprochen. Und tatsächlich: Alle Menschen, die van Huisseling an der Art Basel traf, hatten einen Namen. Zum Beispiel Beat Curti, Rolf Sachs, Berndt Hauptkorn oder Isabelle Gmurzynska.

Diesen Menschen mit Namen hält Mark van Huisseling dann sein rotes Mikrofon unter die Nase und stellt ihnen spannende Fragen wie: «Was gefällt dir hier am besten?», «Warum sind Sie an der Art Basel?», «Was machst du an der Art Basel?» oder «Was ist hier zu sehen?». Van Huisselings spitze Zunge funktioniert offenbar nur auf Papier, mündlich ist sie leider ziemlich stumpf.

Geistlose Interviews

Zwischen den geistlosen Interviews werden verschiedene Kunstwerke an der Art Basel gezeigt, quasi ein Ausstellungskatalog als Video. Das Konzept aus dem Trailer mit den zwei-, drei- oder viergeteilten Bildern blitzt hie und da durch, doch kaum ist Mark van Huisseling wieder im Bild, ist es mit der Ästhetik dahin. Dieser schlendert mitsamt Handtasche einsam durch die Ausstellung und erzählt zwischendurch etwa, wie viel eine Ugo-Rondinone-Skulptur kostet (380'000 Dollar) und wie viel die Standmiete (ab 10'000 Franken).

Klar, dass diese Banalität und die üble Kameraeinstellung und der Kontrast zwischen glamouröser Trailer-Welt und unspektakulärer Wirklichkeit Teil des Sendekonzepts sind. Es hätte eine erfrischende Abwechslung zu den unzähligen dämlichen People-Sendungen werden können. Doch man wird den Verdacht nicht los, dass van Huisseling selber nicht viel spannender ist als die Prominentenwelt, die er gerne als fantasielos hinstellt.

Wo sind van Huisselings Lieblingsopfer?

Übrigens, wo sind sie eigentlich, die Berühmten und Schönen an der Art Basel? Offenbar nicht da, wie van Huisseling am Ende der 15-minütigen Sendung ebenfalls feststellt. Doch ohne seine Lieblingsopfer, über die er sich so gerne mokiert, funktioniert van Huisseling nicht. Er bleibt langweilig und farblos.

Er wolle mit seiner TV-Sendung der Larry King der Schweiz werden, nur lustiger, hat van Huisseling im Vorfeld geprahlt. Mit seiner ersten Reportage von der Art Basel macht er wohl nicht einmal Patty Boser neidisch. Bleibt zu hoffen, dass die Prominenten in Teil 2 der TV-Serie, dem Montreux Jazz Festival, wieder zahlreich erscheinen werden. Ansonsten schaltet man nach dem Trailer am besten gleich wieder ab und liest lieber eine von Mark van Huisselings Kolumnen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.06.2010, 09:50 Uhr

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41 Kommentare

Susanne Willke

25.06.2010, 13:27 Uhr
Melden 1 Empfehlung

" Vogel n' Beretta. Ja, Ihr habt auch Danel Vischer vepasst. Aber Hauptsache, man kann mal wieder selbstverliebt witzig sein. Habe mir gerade die Schenkel geklopft. Un ja, gerdade weil Ihr sie hasst, lese ich die Weltwoche jede Woche mit Genuss. Man kann ja MvH und den ewiggestirigen Peter Bodenmann links liegen lassen. Sorry das war jezt auch ein schlechter Witz. Ich streue Asche aufs Haupt. Antworten


Uemit Akbulut

25.06.2010, 10:19 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wen wunderts? MvH ein allerseits total überschätzter Zeitgenosse der meint ein, nein sorry, zwei Eames Sessel machen Ihn zum Bonvivant und zur Stilikone. Völlig abgehobener Charakter ohne jeglichen Background. Ein bisschen mehr "down to earth" würde Ihm sicher gut tun. Antworten



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