TV-Kritik: Muschg und Köppel auf Schmusekurs
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 08.09.2010 29 Kommentare
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Ein Gespräch wie Dynamit, so hatte es sich mancher Zuschauer vorgestellt, als Adolf Muschg und Roger Köppel in der Sendung «Talk Täglich» zum Rededuell antraten. Über Christoph Blocher hätten sie diskutieren sollen, die Schweiz und die EU. Aber es kam alles ganz anders. Friedlich wie Lämmer, heiter und gelassen sassen sich der Linksintellektuelle und der «Weltwoche»-Verleger gegenüber und diskutierten bemerkenswert differenziert. Der Einzige, der schliesslich schäumte, weil Muschg nicht wie ausgemacht über den Politiker Blocher reden wollte, war Moderator Markus Gilli.
Zuerst ging es um die Figur des Bundesrat Schiess in Muschgs neuem Roman «Sax», die an Christoph Blocher erinnert. Ob er damit Blocher gemeint habe, wollte Gilli wissen, und ob er Blocher tatsächlich für einen «unholden Vater des Vaterlands» halte, wie es im Roman heisst. Es handle sich um eine literarische Figur, erklärte Muschg. Man könne sie nicht einfach durch die politische Figur Blocher ersetzen. Weiter besann sich Muschg auf seine Qualitäten als Professor und beharrte auf Differenz. Und als sich der Moderator an Muschgs vermeintlichen Kontrahenten Roger Köppel wandte, tönte es von dort ähnlich: «Es ist natürlich ein Anfängerfehler, einen Roman wörtlich zu nehmen», meinte der Verleger süffisant.
Blocher ist mehr als ein Klischee
Im Verlauf des Gesprächs wurde diese Verschiebung der Rollen immer deutlicher. Gilli zog alle Register, attackierte Muschg mit Suggestivfragen, forderte ein, dass er endlich seine Feindschaft zu Blocher benenne. Aber Muschg hielt mit irritierender Renitenz dagegen. «Jetzt reden wir mal über Blocher: Ist er der unholde Vater der Schweiz oder nicht?», wollte Gilli schliesslich wissen. Aber wieder gab Muschg sich keine Blösse: «Es gibt hier kein Ja oder Nein. Es ist eine literarische Figur, und diese real zu nehmen, ist unkultiviert.» Selbst auf eine Einspielung von Blocher persönlich, in der er seine «grosse Fehde» mit Muschg konstatiert, reagierte dieser gelassen. Ja, er nahm Blocher sogar in Schutz: «Man vereinfacht Blocher, wenn man ihn nur auf sein Klischee reduziert.»
Diesem Votum stimmte auch der blendend gelaunte Köppel zu. Moderator Gilli war wirklich nicht zu beneiden: Als er anmerkte, die Redezeit sei bislang etwas einseitig verteilt gewesen, antwortete Köppel: «Ja, das ist der Fehler des Moderators.»
Erst gegen Ende der Sendung liessen sich die Gäste endlich dazu herab, die «heissen» Themen zu diskutieren. Aber anstatt sich an die Gurgel zu gehen, taten sie das wiederum differenziert, friedlich und freundlich. Muschg bekannte, dass er nicht mit Blocher als Person seine Probleme habe, sondern mit dem, was er repräsentiere, und dies sei durchaus kein schweizerisches Phänomen, sondern überall in Europa zu beobachten. Köppel gab darauf brav zur Antwort, er halte es für überzogen, wie die Intellektuellen Blocher dämonisierten. Schliesslich habe dieser nur benannt, was die Schweiz als Modell so erfolgreich mache. Und ein Fremdenhasser sei er auch nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.09.2010, 12:32 Uhr
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29 Kommentare
Netter Artikel. Wie gerne wollten wir Abdrücke in Zement festigen, nicht wahr? In der Lesart ist herausgefordert, wer Vielsinn mag. Dass die Romanfigur Sidonie auch schelmisches Lesen lockt gefällt. Vor allem die Passage, da Aug in Aug (gleiche Augenhöhe?) Wortloses geschehen darf. Ist es zugefallen, dass durch Klöppeln im unteren Stock das Mandat angenommen werden darf von Hupp? Dieser Dichter! Antworten
zwei mediegeile selbstdarsteller zeigen eine typische helvetische übung intellektueller hypochondrie. sehr langweilig. sie sollten eine befragung bei ihren lesern durchführen: wer hat schon ein buch von muschg fertig gelesen? laut aussagen einer mir bekannten buchhändlärin sind es sehr wenige Antworten
Dass Köppel einem Grand Seigneur wie Muschg Respekt zollt, zeugt von gesundem Instinkt und von Kinderstube. Das geht Gilli ab. Nervös und billig provozierend ist er unfähig, einen Sinn für das Big Picture zu entwickeln. Der Moderator bleibt gefangen in kleinlichem Gezänk, das keinen interessiert. Ein Gespräch wird in der Regel verunmöglicht, es sei denn die Kontrahenten entziehen sich Gilli. Antworten
Politisch lebt Muschg fern jeder Realität, wie in der Literatur auch. Nach Muschgs "Logik" wäre zur vermeintlichen Friendenssicherung auch die Errichtung einer europaweiten Diktatur legitim. Der Zweck heiligt das Mittel nie! Muschg als Angehöriger der Elite verkennt die Wichtigkeit der direkten Demokratie für die weniger privilegierten Bürger und als Garant für eine friedliche Koexistenz. Antworten
Da hat man mal wieder gesehen, wie fit unsere rechten Flügel im Kopf sind. Nämlich überhaupt nicht.. Nur rumpoltern und Hauptsache nichts zur Lösung eines Problems beitragen. Köppel ist zwar rethorisch auf der höhe, aber das wars dann auch. Wer gut reden möchte sollte auch was zu sagen haben. Antworten
Sobald irgendwelche SVP-Exponenten beim talk-täglich dabei sind zappe ich weg. Da ist einfach keine Neutralität des Moderators Gilli zu spüren. Seine Scheinangriffe auf SVP-Standpunkte sind nicht ehrlich, gespielt und durchschaubar. Noch schlimmer die "Auswahl" der sog. Telefonanrufer. Fast nur SVP-like Stimmen sind da zu hören. Da wird wohl vorsondiert. Dies ist kein objektiver TV-Sender! Antworten
Bravo für beide, der Muschg ist eben ein Intellektueller und der Köppel Roger ist eh sehr brillant und sieht's mit den richtigen Augen. In diesem Falle war wohl der Moderator nicht zu beneiden. Ich sah die Sendung nicht, weil ich keinen Fernseher besitze - eben gute Literatur lesen, vor allem auch "Die Weltwoche". H.R. Hebeisen Antworten
Gilli ist unter Schawinski gross geworden und hat praktisch seinen Sitz "geerbt". Wie Schawinski plappert er häufig einfach provozierend drauflos. Nur fehlt ihm halt der restliche Hintergrund eines Schawinskis. Hätten sich die beiden auf sein Gegifte über Blocher eingelassen, hätte Gilli unter Garantie denselben wieder in Schutz genommen. Die 2 haben das Spiel nicht mitgemacht. Gut so. Antworten
CB hier, CB da, CB scheint ein Heiliger zu sein, mind. für "TeleZüri" und M.Gilli. Wann endlich haben die Zuschauer genug von CB und der Zürcher SVP? Und dann die ach so "schön ausgewählten" SVP-Parteigänger am Telefon, die jeden Nicht-SVP-gläubigen Talker verunglimpfen. TZ unterstützt damit massgeblich das aggressive und gehässige politische Klima, das diese Partei leider geschaffen hat. Antworten
Gute Kritik, genauso war's. Strategisch aus der Sicht von Muschg natürlich ein Fehler: mit so einer Schlafpille wie der Sendung gestern verkauft man keine Bücher. Sarrazin hat das besser hingekriegt. Seine Glaubwürdigkeit als Autor und Intellektueller hat er leicht steigern können. Gilli hätte die von Köppel köstlich zitierte literarische Narrenkappe natürlich konsequenter hinterfragen müssen. Antworten
Der Köppel ist eben müde weil er ein gefragter Mann ist und ständig irgendwo eingeladen wird um an Disskusionen teilzunehmen zB.über Sarrazin.Da kann er auch mal sanfter auftreten,insbesondere wenn das Gegenüber der kamotte Muschg ist.Er wird sicher zur alten Form zurückkommen. Antworten
Ein äusserst unterhaltsames Talk Täglich, da die Gäste für einmal dem Moderator überlegen waren. Geradezu witzig, wie das fortwährende Bemühen von Gilli, diese Thema aufzubauschen und die Kontrahenten anzustacheln, abprallte an einem völlig entspannten Muschg und und einem halb amüsierten, halb gelassenen Köppel ! Antworten
Tja, so ein Gilli zu sein ist manchmal wirklich kein Zuckerschlecken. Es gibt Abende, da läuft alles auf eine gloriose Niederlage hinaus. Und gestern war so einer. Sorry, Markus, das wird schon wieder anders. (Ich mag Dich nicht, aber das ist ja nur persönlich, von mir aus bleib beim Moderieren). Köppel hat aber unverhoffte Souveränität gezeigt. Hätt ich ihm nicht zugetraut. Ihn hasse ich nämlich. Antworten
Muschg war fantastisch, Köppel endlich wieder mal angenehm - das Problem gestern Abend war m.E. der einmal mehr überfordert wirkende, durch Suggestivfragen auffallende, intellektuell nicht das Niveau seiner Gäste haltende Moderator. Dabei ist das eigentliche Problem das "einmal mehr". Herr Gilli war, ist und wird in meinen Augen nie ein geeigneter - geschweige denn guter - Moderator. Antworten
Adolf Muschg war so falsch platziert in der Sendung, wie ein Vegetarier in der Metzgerei. Markus Gilli`s Sendung (-EN!) werden leider immer flacher. Der Zuschauer will „das Beste“ von den Gästen und SELBER entscheiden! Statt dessen gibt es CB hier CB dort, wen CB usw. Dan die „ausgesuchten“ -"gebildeten" Zuschauertelefone ..so toll...Danke...Danke war soo toll.. ..Linke an allem Schuld usw. Antworten
Gilli ist eine hysterische Fernsehdiva. Wobei Diva stimmt so nicht. Gilli kommt nämlich immer sehr amateurhaft rüber und hat TeleZüri keinen Zentimeter weiter gebracht. Das TZ-Sparprogramm ist praktisch immer noch das selbe, wie zu Anfangszeiten: Amateurhaft, bünzlig und sehr sehr sehr oberflächlich. Wo hat Gilli eigentlich Journalismus gelernt? Wahrscheinlich nirgendwo. Antworten
aber anstatt sich an die Gurgel zu gehen, taten sie das wiederum differenziert, friedlich und freundlich---AHA, SIE WOLLEN ALSO DASS ES MÖGLICHST UN..differenziert, friedlich und freundlich ZU UND HER GEHT--scheint das "wahre gesicht" durchgedrungen zu sein Antworten
Herr Muschg hat sich gewohnt differenziert geäussert, und bei Roger Köppel ist endlich wieder einmal etwas von seiner intellektuellen Raffinesse zum Vorschein gekommen. Von dieser subtilen Intellektualität war Markus Gilli ganz offensichtlich überfordert, weshalb er dieses TalkTäglich weder gescheit moderieren noch die Statements der Gesprächspartner klug parieren konnte. Antworten
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hanspeter bruhin
Gilli ist OK, aber die zwei Gäste wollten ihm den Gefallen nicht tun, über Blocher zu streiten. Auch sonst war die Sendung langweilig. Merkt ihr nicht, dass Blocher ein alter Mann ist und das Präsidium einem Jungbauern übergeben hat. Was soll von da kommen. Antworten