Kultur

TV-Kritik: Musical der Versager

Von Stefanie Christ. Aktualisiert am 11.01.2011 2 Kommentare

Gestern startete US-Erfolgsserie «Glee» im Schweizer Fernsehen: Darin gründen uncoole Schüler eine Musicalgruppe und ernten dafür Lob und Spott.

Nicht von allen geliebt: Die Mitglieder der Musicalgruppe Glee.

Nicht von allen geliebt: Die Mitglieder der Musicalgruppe Glee.
Bild: zvg/SuperRTL

Nicht einmal ein Rollstuhl hält vom Tanzen ab: Die Glee-Crew. (Bild: pd)

Die Serie

«Glee»: Montags, 10.1., SF2, 21.40 Uhr; oder ab 17.1. auf SuperRTL, montags um 20.15 Uhr.

Stichworte

Die englischsprachige Fernsehwelt ist bereits verzaubert, nun können sich auch die hiesigen TV-Zuschauer freuen: Am Montag startete auf SF2 die US-Serie «Glee». Unsichere, uncoole Highschoolschüler schliessen sich darin zu einer Musicalgruppe zusammen und begeistern mit ihren Darbietungen schnell die kritischen Mitschüler – nicht zuletzt dank dem allseits geliebten Footballstar der Schule, der von seinem Lehrer durch einen hinterhältigen Trick in die Musicalgruppe Glee geholt wird.

Natürlich wird aber auch intrigiert, was das Zeug hält, und die tyrannische Cheerleadertrainerin hat nur ein Ziel: die Auflösung von Glee. Was klingt wie eine banale Serie für Halbwüchsige, birgt auch für Erwachsene einen grossen Unterhaltungswert. Die Figuren sind vollkommen überspitzt gezeichnet, Klischees werden nicht etwa umschifft, sondern selbstironisch angesteuert, und die gecoverten Popsongs, die in bester Musicalmanier wiedergegeben werden, sind allesamt Ohrwürmer.

Die Hauptdarsteller singen und tanzen

«Glee» ist nicht die erste Highschoolserie, die über die Teenagergrenze hinaus begeistert: Anfang der Neunzigerjahre wurde «Parker Lewis» mit Corin Nemec in der Hauptrolle zum Hit. Sprüche wie «Fertig machen zum Uhrenvergleich» sind bis heute bei all jenen im Sprachgebrauch, die 1990 regelmässig vor dem Fernseher sassen. Die nachkommende Generation hatte «Popular»: Der Titel war Programm, und so drehte sich die Serie um das krankhafte Streben der Schüler nach Popularität – ebenfalls herrlich überspitzt und bitterböse umgesetzt.

Neuartig bei «Glee» ist das Gesangselement: Die Hauptdarsteller (Lea Michele, Cory Monteith, Matthew Morrison) singen und tanzen, was das Zeug hält, und jede Emotion wird sogleich in ein passendes Liedchen gepackt. Ein konsequenter Schachzug der Serienmacher: Schliesslich leben wir in einer von Castingshows beherrschten Unterhaltungswelt, und der Berufswunsch «Sänger» wird wohl in den traditionellen «Meine Freunde»-Büchern längst «Kinderkrankenschwester» oder «Pilot» abgelöst haben. Da erstaunt es niemanden, dass sich die Songs aus «Glee» – die bereits über dreizehn Millionen Mal über den Ladentisch gingen – auch als Karaokeversionen grosser Beliebtheit erfreuen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2011, 08:53 Uhr

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2 Kommentare

Vreny Brunner

11.01.2011, 09:30 Uhr
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Mir ist rätselhaft, weshalb diese Serie im späteren Abendprogramm ausgestahlt wird statt im Familien-Programm, wo sie eindeutig hin gehört. Antworten


Hans Sommerauer

11.01.2011, 12:13 Uhr
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Ich staune immer wieder wie die Amerikaner ihre dümmlichen Serien toppen können. Nur gut ist "der Spass" zu nachtschlafener Zeit angesetzt. Ich hoffe ja nicht, dass solcherlei Unterhaltung mehrheitsfähig ist... Antworten




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