TV-Kritik: Nacktwandern mit Kurt Aeschbacher
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 21.05.2010 58 Kommentare
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Burkaträgerinnen und Nacktwanderer haben einiges gemeinsam. Da ist einerseits deren Anzahl, die in der Schweiz etwa deckungsgleich sein dürfte. Und beide lösen eine eigenartige Fantomdebatte aus: Jeder kann mitreden, sich aufregen, ein Verbot fordern oder darüber schmunzeln – auch wenn er noch nie einem lebenden Exemplar begegnet ist. Und weil so viel über diese seltenen Gattungen von Menschen gesprochen und geschrieben wird, könnte man auf die Idee kommen, dass es sie gar nicht gibt, dass es sich dabei bloss um eine Erfindung handelt, um Zeitungsspalten zu füllen, um das Volk zu unterhalten.
Das Schweizer Fernsehen bietet Abhilfe und liefert den Beweis: Es führt uns im «Club» eine bis auf einen Augenschlitz verhüllte Frau vor, in der «Arena» einen Mann im authentischen Mohammed-Kostüm und nun bei «Aeschbacher» einen echten Nacktwanderer. Er kam tatsächlich füdliblutt ins Studio, einzig ein Kopftuch, Wanderschuhe und ein Rucksack bedeckten etwas Haut. Kaum war er ins Studio gewandert, zog er ein Tuch hervor und wickelte es um die Lende. Kurt Aeschbacher war sichtlich enttäuscht. «Sie können ruhig so bleiben, uns stört das gar nicht», sagte er. Doch der Nacktwanderer mit dem eigenwilligen Namen Puistola Grottenpösch blieb dabei: Das sei ein Fernsehstudio, hier gebe es viele Leute «wie in einer Beiz». «Das ist nicht der Ort, wo ich wahnsinnig gern entkleidet bin.»
«Man sagt einander Grüezi und das wars»
Wie kommt man dazu, nackt durch die Gegend zu spazieren? «Es ist so befreiend», sagt Grottenpösch. Er spricht von der Freiheit des Körper und der Freiheit der Seele. Auch das tönt ganz ähnlich wie bei der verhüllten Muslimin Nora Illi, die im «Club» sagte, sie fühle sich verhüllt freier als unverhüllt. Grottenpösch, mit Ostschweizer Dialekt, wirkte sympathisch, war durchaus auch selbstironisch, aber nicht exibitionistisch. «Ich brauche kein Publikum», sagte er. «Ich will nicht gesehen werden, aber man sieht mich halt», sagte er. Und man glaubte es ihm. Meistens reagierten die Leute freundlich, wenn sie ihm auf dem Wanderweg begegnen. «Man sagt einander Grüezi und das wars». Nur selten gebe es ungehaltene Reaktionen.
Ganz so locker, wie Grottenpösch den Anschein macht, ist das Nacktwandern aber offenbar doch nicht. So deutete er an, dass in seiner Familie das Verständnis für sein Hobby zum Teil abgehe. Zur Nacktwanderdebatte in den Medien sagte er, dass all die deutschen Nacktwanderer, die in den Medien erwähnt wurden, eigentlich Schweizer waren, zum Teil auch Beamte. Also auch hier Konvertiten? Doch lassen wir das mit den Parallelen zu den Burkaträgerinnen, kommen wir zum entscheidenden Unterschied: Über Nacktwanderer können die meisten Schweizer herzhaft lachen. Zum Glück. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.05.2010, 10:00 Uhr
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58 Kommentare
Grottenpösch, der Name ist Programm. Gibt es etwas Lächerlicheres als einen Nackten mit Socken und Wanderschuhen? Warum wandern die nicht barfuss wie die Afrikaner im Busch? Barfuss wäre doch natürlicher. Warum wandern die nur nackt, und gehen nicht auch nackt ins Büro und Einkaufen, wo sie doch ihre Kleinigkeit einem Sonnenbrand aussetzen, Lendenschurz zum Kopftuch würde besser schützen Antworten
ich sehe das Problem woanders: Sollte das Bundesgericht die Bussen-Norm im Kanton AI tatsächlich zurückpfeifen, so wäre doch auch der Nacktheit an der Zürcher Bahnhofstrasse für besonders Unverforene Tür und Tor geöffnet? Ich denke schon, dass niemand dazu verpflichtet werden kann, ausserhalb von FKK-Zonen auf primäre Geschlechtsteile blicken zu müssen,oder den Kopf wegdrehen müssen,oder? Antworten
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