TV-Kritik: Patrizia Laeri spielt Domino
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 30.11.2010 27 Kommentare
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Im Jahr 2006 herrschte an den Börsen noch Jubelstimmung: Die UBS-Aktie erklomm ein Allzeithoch nach dem andern, jeder glaubte, an der Börse das schnelle Geld machen zu können. Auch das Schweizer Fernsehen wollte vom Boom profitieren und startete im August 2006 mit einer täglichen Börsensendung vor der Hauptausgabe der «Tagesschau». Beste Sendezeit für das schnelle Geld. Nur: Für viele Laienanleger resultierte der schnelle Verlust. Einst stolze Banken standen ab Herbst 2008 nahe am Konkurs. Der Start der SF-Sendung hätte eine Warnung sein können, meinte doch Börsenstar Warren Buffett einmal: «Die meisten Leute interessieren sich für Aktien, wenn alle anderen es tun. Die beste Zeit ist aber, wenn sich niemand für Aktien interessiert.»
Jetzt sitzt SF auf der Sendung fest, wie erfolgreich sie ist, ist schwer zu sagen, um 19.25 Uhr würde auf SF 1 selbst ein Testbild Spitzenquoten erreichen. Im Internet jedenfalls scheint sich niemand für den täglichen Börsenbericht zu interessieren, die Videos der einzelnen Sendungen werden auf dem SF-Videoportal kaum häufiger als 300-mal angeklickt – obwohl «SF-Börse» von einer Moderatorin mit Model-Qualitäten präsentiert wird. Doch was will man den Zuschauern in zwei TV-Minuten erzählen, wo doch heute Börsenportale im Internet alle Informationen in Echtzeit nach Hause liefern?
Grüne Insel und rote Kurse
Man sucht für jede noch so kleine Börsenbewegung eine Erklärung. Was immer passt, ist das Wort «Vertrauen». «Das Vertrauen ist weg», «es konnte Vertrauen zurückgewonnen werden», «dem Anleger fehlt es an Vertrauen». Um die Sendung aufzulockern, behilft man sich mit Kalauern und Wortspielen. Auf Irland bezogen meinte Moderatorin Patrizia Laeri letzte Woche: «Eine grüne Insel sorgt für rote Kurse.» Ein anderes Beispiel: «Die Schweizer Hightech-Firma Sonora muss ein vielversprechendes Hörgerät vom US-Markt nehmen. Denn es tut in den Ohren weh. Nicht nur den Kunden, sondern jetzt auch den Aktionären. Die Firma ist sieben Prozent weniger Wert. Das sind starke Störgeräusche.»
Auch Kriegshandlung haben bekanntlich Einfluss auf die Kurse: «Kampfgefechte in Korea und der Kampf gegen die Schuldenkrise schlagen Anleger in die Flucht und erschüttern die Finanzmärkte.» Immerhin ging die Moderatorin nicht so weit, den drohenden Krieg als Chance für Gewinne anzupreisen, wie dies das Wirtschaftsmagazin «Stocks» unverblümt in einem Online-Kommentar tat. Der fröhliche Titel: «Kaufen, wenn die Kanonen donnern.»
Domino-Day
Letzte Woche behalf sich die Sendung gleich zweimal mit dem Domino-Spiel. «Domino-Days an den Finanzmärkten. Wer ist der Nächste in der Pleiten-Kettenreaktion?», so eine Anmoderation. Gemeint waren Staaten, die auf EU-Rettungsgelder angewiesen sind. Im Hintergrund fallen zur Veranschaulichung die Domino-Steine. Ein wiederkehrendes Symbol, das an die ominöse schwebende CD mit dem langen Schatten erinnert, die vor einigen Monaten noch in jeder «10vor10»-Sendung für die geklaute Daten-CD herhalten musste.
Mit «Eco» verfügt das Schweizer Fernsehen seit August 2007 über ein ausgezeichnetes Wirtschaftsmagazin, das ökonomische Zusammenhänge auch für den Laien verständlich aufzuzeigen vermag. Und auch die Nachrichtensendungen widmen sich ausgiebig den Wirtschaftsthemen. Weshalb braucht es noch die Kurz-Weisheiten von «SF-Börse»? Doch selbst wer damit nichts anfangen kann: Nach zwei Minuten ist die Sendung bereits wieder vorbei ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.11.2010, 10:47 Uhr
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27 Kommentare
Ich persönlich finde Reto Lipp oder Daniel Hanimann, was das Fachwissen betrifft, kompetenter in der Börsensendung von SF als Frau Laeri. Aber offensichtlich steht nicht bei allen Zuschauern der Inhalt im Zentrum der Sendung. Eigentlich schade. Antworten
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