TV-Kritik: Pfarrer, bevorzugter Beruf pädophiler Männer?
Aktualisiert am 24.03.2010 33 Kommentare
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Lange hat die katholische Kirche über sexuellen Missbrauch von Kindern eisern geschwiegen. Jetzt, wo weltweit praktisch jeden Tag neue Fälle von Übergriffen bekannt werden, bröckelt die halboffizielle Omerta. So auch gestern im «Club», wo ein Bischof und ein Pater mit anderen Gästen über das Verdrängte sprachen. Und siehe da: Die Kleriker waren – anders als ihr Oberhirte – zu einer gewissen Selbstanalyse und -kritik fähig. «Es darf nicht mehr sein, dass Fälle von sexuellem Missbrauch nur innerhalb der Kirche geregelt werden», so Bischof Markus Büchel.
Büchel sprach sich weiter für eine sprachregionale Sünderliste von pädophilen Priestern aus. Eine solche Liste, allerdings vom Staat geführt, forderte auch Filip Schwarz, Marketingmanager und ehemaliger Internatsschüler, der Missbrauch bei Schulkameraden erlebt hat. Der Theologe und Medienethiker Erwin Koller wiederum konnte damit nichts anfangen («das ist ein mittelalterlicher Pranger»). Vielmehr müsse wieder Vertrauen geschaffen werden. Wie die Kirche hierzulande mit Opfern und Tätern in den Dialog trete, sei ein erster Schritt. Doch um sexuellen Missbrauch an der Wurzel auszulöschen, seien strukturelle Veränderungen innerhalb der katholischen Kirche nötig. So müsse das Frauenbild dringend modernisiert und Sexualität als Kraft gewürdigt – und nicht verteufelt – werden.
Frischer Wind in der klerikalen Ausbildung
Koller, einst selber keusch lebend, stellte ausserdem das Zölibat-Obligatorium in Frage. «Zwar gibts keinen Kausalzusammenhang zwischen Pädophilie und Zölibat. Doch die beiden haben gemeinsame Wurzeln», so der Theologe. Zum Thema Zölibat gaben sich die Kirchenmänner in der Runde gewohnt höflich-unverbindlich. Leider hakte Moderator Röbi Koller nicht nach. Dabei lautet eine der grossen Fragen doch: Werden pädophile Männer bevorzugt Pfarrer, oder führt die Arbeit als Pfarrer zu den Fallgruben der Pädophilie? Und finden die Kirchen nicht zuletzt wegen des Zölibats kaum noch Priester – respektive schnell die falschen?
Gewiss, die beiden anwesenden Geistlichen machten einen fortschrittlichen Eindruck. Gerade der junge Pater Andri Tuor, Leiter Schulpastoral Stiftsschule Engelberg, wurde nicht müde zu betonen, dass ein frischer Wind in der klerikalen Ausbildung wehe. Trotzdem hätte man gerade von einem jungen Priester gerne mehr erfahren: Ist es wirklich möglich, den Sexualtrieb einer päpstlichen Verfügung unterzuordnen? Wie geht man konkret damit um?
Lehrer-Schüler-Verhältnis
Etwas unspezifisch wurde es, als man versuchte, die Reformpädagogik - respektive ihre Verfehlungen - in die Diskussion miteinzubeziehen. Der Künstler Michael von Graffenried und die Psychotherapeutin Franziska Greber versuchten in der Folge, die Grenzen im Lehrer-Schüler-Verhältnis auszuloten. Den Kirchenmännern konnte dies bloss recht sein; es fiel so das angekündigte Thema vom Ende der katholischen Kirche als Moralinstanz vom Tisch. Auch die seltsame Rolle des Benedikt XVI. in der Handhabung der Missbrauchsfälle blieb undiskutiert. Bischof Büchel meinte bloss, dass eine Entschuldigung nicht Sache des Papsts sei – sondern zwischen Täter und Opfer stattfinden müsse. (phz)
Erstellt: 24.03.2010, 12:49 Uhr
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33 Kommentare
Pädophilie ist immer abscheulich, kommt aber leider in allen Berufen vor, die Nähe zu Kindern "bieten". Im Priesterberuf ist sie wegen der Beanspruchung moralischer Führerschaft nur besonders widerlich. Bei den Kirchenaustritts-Forerungen sollte man aber nicht vergessen, dass eine Schwächung des Chrisentums andere Religionen samt ihren Wertvorstellungen stärkt. Das liegt kaum in unserem Interesse. Antworten
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