TV-Kritik: Dreiecksbeziehung mit einem Papagei
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 30.08.2010 4 Kommentare
Fridi Zuberbühler ist den Tränen nahe. Sie muss sich von Möneli und Lara, ihren beiden Papageien, trennen. Die beiden haben dauernd gestritten. «Sie sind eifersüchtig aufeinander», sagt Zuberbühler. Der Entscheid, die Tiere in die Auffangstation für Papageien zu geben, fiel ihr nicht leicht. Die Vögel sind für sie mehr als bloss Haustiere; sie fressen ihr das Futter aus dem Mund, sie spricht von ihnen, als wären sie Menschen. «Das wäre bei uns auch nicht möglich, wenn wir in einer Dreiecksbeziehung leben müssten», sagt sie über den Papageienstreit.
Frauen wie Fridi Zuberbühler gibt es zu Tausenden. Sonst wäre der Erfolg einer Zeitschrift wie «Tierwelt» nicht zu erklären, sonst würde die Haustierfutter-Industrie ihre Produkte nicht so bewerben, als handle es sich um Mehrgangmenüs von Spitzenköchen. Und jetzt will auch noch das Schweizer Fernsehen ein Stück von diesem Millionenmarkt in Anspruch nehmen. Mit einer Sendung, die die Vermenschlichung des Tiers zelebriert, Tierschicksale emotionalisiert und merkwürdigen Exotentierhaltern eine Plattform bietet.
Verkappter Werbeblock
Drei Beiträge waren in der ersten Sendung zu sehen, lieblos zusammengeschnitten, mit einem aufdringlichen Auftritt der Sponsoren zu Beginn der Sendung und einem als Gewinnspiel getarnten Werbeblock in der Mitte. Wer glaubt, gebührenfinanziertes Fernsehen würde sich vom Privatfernsehen unterscheiden, wird hier eines Schlechteren belehrt.
Doch zurück zu den Tieren. Ein Reptiliennarr im Crocodile-Dundee-Kostüm fährt mit seinem Krokodil-Auto in Richtung Frankfurt, um vier Alligatoren abzuholen. Eineinhalb Jahre hat er dafür gekämpft, die Tiere importieren und halten zu dürfen. Jetzt ist es soweit, und er darf vier Jungtiere entgegennehmen. Der junge Mann ist überglücklich, die TV-Leute untermalen seinen Triumph mit «Indiana Jones»-Musik.
Assistenzhund
Bleibt noch der dritte Beitrag, der spannendste, der ohne weiteres auch in einer anderen Sendung Platz gefunden hätte. Dabei geht es um einen Assistenzhund, der einer Frau im Rollstuhl den Alltag erleichtert. Der Hund holt die Wäsche aus der Waschmaschine, bringt dem Frauchen das Schnurlostelefon, hebt heruntergefallene Münzen auf. Eine sympathische Tiertrainerin erklärt, wie sie den Hund auf seine Arbeit vorbereitet hat. Geht doch, Tiergeschichten auch ohne zwanghafte Emotionalisierung zu zeigen. Ein solcher Beitrag dürfte aber die Ausnahme bleiben. Nächste Woche geht es weiter mit dem Schicksal des Esels Urs.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.08.2010, 09:25 Uhr
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4 Kommentare
Die bringen es auf den Punkt... es ist wirklich unsäglich was unser gebührenfinanzierter Staatssender alles an Fernsehschrott produziert! Wir sollten den Service Public finanziell von den Unterhaltungssendungen trennen und diesen privatisieren! Dann wären die Gebühren viel tiefer und der Unterhaltungsteil wirklich frei nach Marktkriterien produziert! Antworten
Kein wildlebendes Tier würde je einem Menschen aus dem Mund fressen. In Gefangenschaft bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, als alles zu tun, was Herrchen oder Frauchen will. Menschen, die so mit Tieren umgehen, haben wohl zwischenmenschliche Probleme und betrachten die Tiere als Menschersatz. Antworten
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