Kultur

TV-Kritik: Schweine brachten kein Glück

Von Daniel Arnet. Aktualisiert am 02.01.2012 24 Kommentare

Wenn Tote Selbstmord begehen: Die Ludwigshafener Hauptkommissarin Lena Odenthal musste für einmal in einem reichlich unglaubwürdigen «Tatort»-Fall ermitteln.

1/8 Die Freundin der Toten weiss mehr: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, rechts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) nehmen die Verdächtige in die Mangel.
Bild: SWR

   

Kritik, Rating, Diskussion

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Am Ende assen sie nur noch Tofuwurst und Salatburger: Der Ermittler-WG Odenthal/Kopper war im gestrigen «Tatort» über üble Machenschaften in einem Schlachthof die Lust auf Fleisch gründlich vergangen. Oder war ihr neuer Menüplan notgedrungen, weil im Ludwigshafener Vegi-Krimi mit dem portionierten Titel «Tödliche Häppchen» zu wenig Fleisch am Knochen war?

Die Kost, die gestern aufgetischt wurde, war dürftig: Die Polizei fand eine Tote unter einer Brücke. Das sah zunächst nach Selbstmord aus, doch eine Gerichtsmedizinerin sagte lakonisch: «Sie war schon tot, als sie sich umgebracht hat.» Der Suizid entpuppte sich als Unfall, als banaler Treppensturz. Unten angekommen, lebte sie allerdings noch. Wer hatte sie endgültig ins Jenseits befördert? Und wer warf die Leiche von der Brücke?

Polizeiverhör im Tangoschritt

Das Opfer Steffi Pietsch war nicht sehr beliebt – nicht bei ihren Kolleginnen am Arbeitsplatz, nicht bei der neuen Freundin ihres Ex-Manns. Der bärige Mario Kopper (Andreas Hoppe) stellte bei der Neuen von Richard Pietsch Nachforschungen an und nahm eigens Tangounterricht, um an die Tanzlehrerin ranzukommen (lächerlich das Verhör in rhythmischer Bewegung mitten auf dem Parkett). Die ernste Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) schlich sich derweil in den Schlachthof ein und stellte dort Erkundigungen an (peinlich, wie sich die routinierte Polizistin einfach im Kühlraum einschliessen liess).

Immerhin führten ihre Methoden zu einem Ergebnis: Odenthal fand heraus, dass Steffi Pietsch heimlich Filme über die Tötung der Schweine gedreht hatte und im Internet veröffentlichen wollte. Da dadurch das Unternehmen ruiniert und alle Angestellten entlassen worden wären, geriet Pietsch mit ihrer besten Arbeitskollegin Elke Schmitz in Streit – mit den bekannten Folgen. Den finalen Genickbruch am Treppenende besorgte dann ausgerechnet Holger Hermanns, der Firmenbesitzer und Geliebte von Schmitz.

Unglaubwürdige Milieudarstellung

Der Schlachter als Mörder – wie einfach! Um die Stimmung gegen die Metzger noch zu untermauern, wurden während des Krimis immer wieder passende Fakten gestreut: Die Branche macht in Deutschland jährlich im zweistelligen Milliardenbereich Umsatz, das Schlachtgewicht bei den Schweinen beträgt sechs Millionen Tonnen und eine halbe Million dieser Tier lebt noch, wenn sie gesiedet werden. Die an sich löbliche Aufklärungsarbeit für tiergerechte Fleischverarbeitung wurde durch die unglaubwürdige Milieudarstellung jedoch zunichtegemacht.

Warum sollte die diplomierte Versicherungsfachfrau Steffi Pietsch ausgerechnet in einem Schlachthof arbeiten? Wie konnte sich die Tangolehrerin eine solche Designerwohnung leisten? Und wann fuhr ein Veterinär je einen so teuren Sportwagen und sah aus wie der im Krimi gezeigte Doktor Rudolf? Nein, Doktor Rudolf passte eher auf einen Golfplatz als auf eine Kuhweide oder in einen Saustall. Eins ist klar: Die Schweine haben dem «Tatort» auf Neujahr definitiv kein Glück gebracht.

Wie gefiel Ihnen der Ludwigshafener «Tatort»? Meinungen bitte unten eintragen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.01.2012, 08:02 Uhr

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24 Kommentare

Stefan Jost

02.01.2012, 08:26 Uhr
Melden 52 Empfehlung

Bedenklich wie das Niederschlagen eines Menschen verharmlost wurde. Kopper erhielt offenbar einen so brutalen Schlag, dass er für längere Zeit das Bewusstsein verlor. Kurze Zeit später war er aber unverwundet und vollkommen fit schon wieder auf den Beinen.
Dem entsprechend prügeln auch in Realität die Schläger auf ihre Opfer ein, bis sie regungslos liegen bleiben...
Antworten


stefan batt

02.01.2012, 08:47 Uhr
Melden 16 Empfehlung

ich hab zwei minuten vor schluss den fernseher ausgemacht, weil mir das tolpatschige "jetzt sag doch endlich mal"-verhör mit der verdächtigen schlicht auf die nerven ging. die regisseure sollten sich zwischendrin von ferdinand v schirach beraten lassen. der weiss, wie wirkliche verbrechen glaubwürdig geschildert werden. der maserati und der hund waren die highlights. schnitzelfreien tag wünsch ich Antworten




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