TV-Kritik: Von Koks-Fingerlingen und Spezial-Klos
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 16.08.2011 22 Kommentare
Themenwoche bei «Schweiz aktuell»
Nirgendwo sonst in der Schweiz wird so viel Kokain beschlagnahmt und konsumiert wie in Zürich. Diese Woche berichtet «Schweiz aktuell» in einer Schwerpunktwoche täglich über verschiedene Aspekte der Droge: Handel und Konsum, Repression und Strafverfolgung, Forschung und Therapie.
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Nirgends in der Schweiz werden so viele Drogen konsumiert wie in Zürich. Und hier wird niemals so viel gekokst und geraucht und eingeschmissen und gespritzt wie an der Street-Parade, die am Wochenende ihr 20-jähriges Jubiläum feierte.
Anlass genug für «Schweiz aktuell», nach der heilen Welt im Wald eine Woche lang in die Kokainhochburg Zürich abzutauchen – und zwar ausgerechnet mit der lieblichen Claudia Weber. Aber oho! Die Moderatorin ist gar nicht so unschuldig, wie sie aussieht; das steht zumindest heute im «Blick». Das exklusive Geständnis: Ja, Frau Weber hat auch schon gekifft. Damit zurück zum Wochenschwerpunkt von «Schweiz aktuell».
Das geschluckte Koks muss raus
Der Teil 1 startet ziemlich unvermittelt und ohne grosse Einleitung nach den Neuigkeiten des Tages. Claudia Weber steht vor dem Gepäckförderband auf dem Flughafen Kloten und erzählt, dass hier die mutmasslichen Drogenkuriere abgepasst werden und deren Gepäck gleich dazu. Weil gerade kein verdächtiger Koffer auf dem Förderband kreist, erfahren wir, dass das beschlagnahmte Koks rund 10'000 Kilometer hinter sich habe. Woher weiss man denn das so genau, will man sich gerade fragen.
Doch schon wird man mit verschiedenen Informationen benebelt: Kokain werde oft in Form von Fingerlingen geschluckt, die an kleine Chipolata-Würste erinnern. Kokain werde vom Kokastrauch gewonnen und stamme meist aus Bolivien, Kolumbien und Peru. Es wirke aufputschend, mache schnell abhängig und könne eine Hirnblutung oder einen Herzinfarkt zur Folge haben. Das sind nicht gerade die Informationen, auf die man als Erstes brennt bei einer Live-Schaltung aus dem Flughafen und schon gar nicht aus Bereichen, die kaum ein Laie mit eigenen Augen gesehen hat.
Spezial-WC für Kuriere
Aber dann wird es sogleich spannend: Claudia Weber ist am einzigen Ort des Flughafens, wo geraucht werden darf, nämlich im Auffangraum für mutmassliche Drogenkuriere. Ohne Zigarette werden die nämlich schnell nervös. Im hell gefliesten Raum hat es einen Spiegel, aber kein WC – damit der Polizei keine verschluckten Fingerlinge durch die Kloschüssel gehen. Dafür gibt es nebenan ein Spezial-WC, die «Schluckertoilette». Nur hier dürfen die Kuriere ihr grosses Geschäft verrichten, bis die Fingerlinge auf natürlichem Weg nach draussen beziehungsweise ins Auffangbecken im Raum nebenan gelangen.
Dort werden die Drogen «von Kot gesäubert», erzählt Claudia Weber so locker, als würde sie die Wetterprognose für die kommenden Tage verkünden. Sie bauscht die Dinge nicht unnötig auf, sondern bleibt so sachlich, wie es in einem so ungewöhnlichen Raum wie diesem hier überhaupt möglich ist. Von Stefan Aepli, Chef Flughafenpolizei-Spezialabteilung, erfährt Weber unter anderem, dass kein Abführmittel zum Einsatz kommt, weil die Fingerlinge sonst platzen und der Kurier – ob Teenie oder Oma im Rollstuhl – daran sterben könnte.
Bei der Verhaftung live dabei
Im nächsten Beitrag sind wir bei einer echten Drogenfahndung in Schlieren dabei. «Der Puls geht schon ein wenig hoch», sagt Stephan Wey, Chef Fahndungsdienst der Kantonspolizei Zürich, auf der Autofahrt zur «Zielperson», die gerade zwei Kunden mit Koks beliefert hat. Kurz darauf sind insgesamt fünf Personen verhaftet. «Eine ziemliche Menge» Drogen, 15 Handys und mehrere Tausend Franken Bargeld konnten die Polizisten in der Wohnung des Dealers sicherstellen. Ein Glücksfall. Dass unter den Verhafteten eine Mutter mit einem einjährigen Kind ist, macht Stephan Wey dagegen traurig.
Und schon sind wir wieder zurück auf dem Flughafen. Dort führt Stefan Aepli verschiedene Schmuggelbehälter vor – eine Chipsdose, einen Pickel, einen Conditioner – und Claudia Weber hält eine Art übergrosses Einmachglas mit beschlagnahmten Fingerlingen in die Kamera. Der Marktwert belaufe sich auf über 100'000 Franken. Und dann ist es schon wieder Zeit für die Schaltung zurück zu Oliver Bono ins Studio. Die erste Sendung ist – abgesehen vom lehrerhaften Schnellstart – gelungen, besonders wegen der weitgehend unbekannten Einblicke am Zürcher Flughafen. Heute Abend ab 19 Uhr geht es weiter mit einer neuen Facette aus dem zürcherischen Sumpf der Drogen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.08.2011, 10:00 Uhr
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22 Kommentare
Ich habs per Zufall gesehen und fand ganz okay, vorallem für Schweiz aktuell. Sonst machen die immer so Beiträge über irgendwie eine Katze auf einem Baum im Hinterappenzell oder so, halt irgendwas was kein Mensch interessiert... das war wenigsten spannend... Antworten
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