TV-Kritik: Zurück in die Schweiz? Nur für Ferien!
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 04.11.2010 48 Kommentare
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Letzten Sonntag erzählte Christoph Blocher an einer Podiumsdiskussion, dass es auch ihm leid getan habe, als in seiner Zeit als Justizminister eine albanische Familie vor ihm stand, die er zurückschicken musste. Aber man dürfe in einer solchen Situation nicht daran denken, was gut für den Einzelfall sei, sondern was für das Land. Einzelfälle sorgen für Emotionen, dies nutzen Parteien und Organisationen, um – oft mit möglichst krassen Fällen – eine Bestätigung für ihre Politik zu liefern: Sei es mit kriminellen Ausländern oder mit armen Abschiebungsopfern.
Der Verdacht, die «Reporter»-Sendung unter dem Titel «Meggiy muss zurück – Die Geschichte einer abgewiesenen Asylbewerberin» werde zu einem tränenrührigen Appell für eine weniger strenge Asylpolitik, erweist sich aber als unbegründet: Die Geschichte der Meggiy eignet sich nicht, um politisch ausgeschlachtet zu werden, weder für die eine noch die andere Seite.
Notunterkunft «wie ein Gefängnis»
Meggiy Pombolo, Kongolesin, 36 Jahre alt, hat vor elf Jahren in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt, eben wurde es abgelehnt, was unmittelbare Folgen nach sich zieht: Sie darf sofort nicht mehr als Serviertochter arbeiten, verliert auch ihre Wohnung, muss in die Notunterkunft. Dort geht sie aber nur hin, um die 60 Franken pro Woche in Form eines Migros-Gutscheins abzuholen, sie übernachtet bei Freunden. «Hier ist es schlimmer als im Gefängnis», so ihre Begründung.
Eine Theatergruppe bringt das Schicksal der gut integrierte Afrikanerin auf die Bühne, ganz aus der Opfersicht: Sie habe nie einen Pass gehabt, die Schweizer Beamten hätten ihr nie geglaubt dass sie einst gegen das Mobutu-Regime demonstriert hatte und deshalb verfolgt wurde. Soweit die klassische Abschiebungsgeschichte, wie sie immer mal wieder in Reportagen beschrieben wird und bei der sich offenbar auch bei einem Christoph Blocher Gefühle regen.
Gelungene Rückkehr
Doch Filmemacher Hanspeter Bäni ist es zu verdanken, dass hier nicht Schluss ist. Ein Jahr nach ihrer Rückkehr sucht er Meggiy Pombolo in Kinshasa auf. Er findet eine Frau, die sich nach Startschwierigkeiten wieder gut eingelebt hat, die aus einer verhältnismässig wohlhabenden Familie stammt, die bereits ein eigenes Geschäft eröffnet hat. Und die sagt, sie wolle in die Schweiz höchstens noch für Ferien zurück. Die Waren, die sie in ihrem Laden verkauft, sind mehrheitlich Secondhand-Kleider, die ihr Freunde aus der Schweiz schicken. Im Laden hat sie eine Verkäuferin angestellt, von einer politischen Verfolgung, die für die Schweiz ein Asylgrund hätte sein sollen, ist keine Rede mehr.
Meggiy Pombolo erweist sich als clevere Frau, die ihr Glück in der Schweiz suchte und die sich nach der Rückkehr erfolgreich ihre Beziehungen nach Europa zu Nutze macht. Eine Frau aber auch, die zum Filmemacher distanziert und kühl bleibt, die das Filmprojekt einmal abbrechen wollte, sich ab und zu widerspricht. Aus diesem Einzelfall aber Schlüsse zur Asylpolitik zu ziehen, wäre aber falsch. Dies hat auch Hanspeter Bäni gemerkt, er verzichtet darauf, zu verallgemeinern, unterschwellig eine Botschaft zu rüberzubringen. Was der Film aber aufzeigt: Zwischen kriminellen Asylbewerbern, die bloss unser System ausnützen und armen Opfern, die auf unmenschliche Weise abgeschoben werden, ist ein weites Feld. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.11.2010, 10:00 Uhr
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