TV-Kritik: Zwei Tote sind einer zu viel
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 09.01.2012 12 Kommentare
Kritik, Rating, Diskussion
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«Tatort»-Folge: «Keine Polizei»
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Ein eingebuddelter Toter im Park, eine Entführung, aber keine Vermisstenanzeige: Die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk bekamen es in «Keine Polizei» mit einem ungewöhnlichen Fall zu tun, der die Hoffnungen auf einen überdurchschnittlich spannenden «Tatort» schürte. Immerhin war da noch ein Mord, der verhindert werden konnte.
Bald kam der Verdacht auf, dass die Entführung etwas mit einem früheren Fall zu tun hat. Damals war ein Bauunternehmer entführt und später für ein hohes Lösegeld wieder freigelassen worden – ohne Einbezug der Polizei. Auch dieses Mal wollten die Eltern ihren Sohn im Alleingang freikaufen, um dessen Leben nicht zu gefährden – also ebenfalls ohne Polizei. Was Ballauf und Schenk aber als eindeutige Parallele ausreichte, liess die Zuschauer ungläubig zurück. Oder gibt es etwa Entführer, die den Einsatz der Polizei gezielt verlangen? Eben. Schade um den guten Ansatz.
Kommissare ohne Taktgefühl
Die Kommissare liessen sich nicht von den eingeschüchterten Eltern abhalten und führten sich bei ihren Ermittlungen wie aufmüpfige Trampel auf. Ballauf trieb den traumatisierten Bauunternehmer derart in die Enge, dass dieser völlig die Nerven verlor. Und Schenk unterstellte dem Vater des aktuell Entführten, er habe die ganze Sache selber eingefädelt, woraufhin dieser zu weinen begann. Auch den Verdächtigen holten sie derart aus der Reserve, dass man für den Entführten wenig Hoffnung hatte. Wohl besser ohne Polizei, dachte man sich da.
Auch bei den Dialogen zeichneten sich schon früh Mängel ab. «Es klingt vielleicht komisch, aber bitte lassen Sie mich nicht allein», sagte der Unternehmersohn etwa zu seinen Entführern. Wohl kaum ein Satz, den man nach einer Entführung als Erstes sagen würde. Genauso unrealistisch war seine Reaktion, als die Entführer später mit einer Pizza zurückkehrten und das Licht aufdrehten: «Eh Mann, könnt ihr mich nicht warnen, bevor ihr Flutlicht macht?» Und würde eine Frau, die ihren Mann im Gespräch mit zwei unbekannten Männern sieht, etwa zu ihm sagen: «Andreas, wenn du gleich kurz Zeit hast, dann...» Wohl kaum.
Potenzial nicht ausgeschöpft
Dafür gelangen den Machern ein paar witzige Einschübe: die Zeugin, die die Entführung beobachtet hatte und sich später den liegen gelassenen Elektroschocker im Park holte («Ich wollte schon immer so einen haben»), der Gerichtsmediziner, der die Kommissare verscheuchte («Lassen Sie mich weiterarbeiten, ich kann keine Arbeit mit nach Hause nehmen»), oder die Lösegeldübergabe unter Wasser. Das Motiv blieb jedoch unglaubwürdig.
Positiv waren auch die schauspielerischen Leistungen der Mutter des Entführten, die die Verzweiflung der Angehörigen eindrücklich darzustellen vermochte, und die des ehemaligen Entführungsopfers, der auch Jahre nach der Freilassung immer noch gefangen war von seinen Ängsten. Dagegen blieben die Figuren der Kölner Kommissare zu einfach gestrickt.
Mit oder ohne Polizei – dies ist eine spannende Frage mit viel Potenzial. Die «Tatort»-Macher schöpften diese Thematik jedoch zu wenig aus, verwässerten die Entführung an sich mit unnötigen Handlungssträngen und plumpen Zufällen – und drückten sich am Ende gar selber vor einer Antwort: Die Entführung – und mit ihr die gesamte Folge – nahm ein ungewolltes Ende, mit dem niemand wirklich zufrieden sein konnte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.01.2012, 10:23 Uhr
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12 Kommentare
Die Folge war um einiges besser als die Kritik im TA. Die Tatport-Macher können sich eine Entführung wohl wesentlich besser vorstellen, als die endlos naive Denise. Das Verhalten des entführungsopfer und die Dialoge waren eher besser als der Tatort-Durchschnitt. Die Konstellation, dass die Polizei eingreifen muss, obwohl dies von den Eltern des Entführten nicht gewollt ist, ist interessant. Antworten
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