Kultur

«Tatort»-Kritik: Missratenes Comeback auf SF

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 03.01.2011 58 Kommentare

SF ist wieder am Tatort, Tagesanzeiger.ch/Newsnet nimmt jede Folge genau unter die Lupe. Das Comeback vermochte nicht zu überzeugen: Selbst ein Teenie-Mädchen fand mehr heraus als die laschen Kommissare.

1/7 Polizeiaspirantin tot aufgefunden: Das Ermittlerpaar Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) in ihrem neuesten Fall.
Bild: ARD

   

Kritik, Rating, Diskussion

Montag ist «Tatort»-Tag auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet!
Die beliebteste Krimiserie des deutschsprachigen Raums ist zurück im Schweizer Fernsehen. Lesen Sie jeden Montag die Kritik und das Rating der Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Kulturredaktion – und beteiligen Sie sich an der Diskussion in den Kommentarspalten.

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Folge: «Tödliche Ermittlungen»

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Rund 250'000 Zuschauer schalteten bislang jeden Sonntag aus der Schweiz auf ARD, um den «Tatort» zu verfolgen – keine andere ausländische Sendung erreichte regelmässig so viele Schweizer Zuschauer. Das Umschalten hat nun ein Ende: Nach neun Jahren ist die Krimireihe zurück im Schweizer Fernsehen, die Folgen beginnen hier jeweils zehn Minuten früher als in Deutschland und Österreich – dafür werden sie durch eine lästige Werbepause unterbrochen. Am Sonntag war Premiere mit einer Kommissarin, die schon vor der «Tatort»-Pause auf SF im Dienst war: die Ludwigshafnerin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts).

Sie soll mit ihrem Kollegen Mario Kopper (Andreas Hoppe) herausfinden, wer die Polizeischülerin Bettina Schnell getötet hat. Alles deutet darauf hin, dass der Mord etwas mit Schnells geheimen Ermittlungen im Umfeld eines obskuren Fitnessclubs zu tun hat, wo mit Dopingmitteln gehandelt wird. Doch wie so oft bei Krimis: Was zu Beginn offensichtlich wirkt, wird sich am Schluss als falsche Fährte erweisen. Und hier ist alles dermassen betont offensichtlich, dass man nur staunen kann, dass ein solches Drehbuch die «Tatort»-Kriterien erfüllen konnte: Da ist ein türkischer Halunke Namens Hasan, den die Frauen im Fitnessclub mit «fick dich, Hasan» begrüssen, und der im dunklen Keller mit anderen schweren Jungs Kampfübungen vollbringt. Und da ist der deutsche Drahtzieher, der Fitnessclubbesitzer Malte Bolle, der Hasan dazu auffordert, sich die kleine Schwester des Opfers vorzunehmen («Wenn sie nicht reden will, dann machst du Druck»).

Politesse als Ärgernis

Die Kommissare sind jedoch unfähig, den beiden kriminelle Machenschaften nachzuweisen. Bis die Schwester des Opfers die Sache selbst in die Hand nimmt, Hasan beschattet und herausfindet, wo er die Dopingmittel lagert. So illegal ihr Treiben auch ist, mit dem Mord haben die zwielichtigen Fitnessclub-Männer nichts zu tun. Doch auch darauf kommen die Kommissare nicht selbst. Ihre Sekretärin muss sie erst darauf aufmerksam machen, dass man die letzten Aufenthaltsorte des Opfers anhand einer Handy-Ortung nachträglich ermitteln könnte. Und die zeigt auf: Der Täter muss aus dem Umfeld der Polizeischule kommen, in der das Opfer in Ausbildung war.

Der Krimi wird zunehmend langatmig. Die Ermittlungen kommen in zu simplen Schritten voran, die Figuren bleiben konturlos, es fehlt an Raffinesse und – nicht zuletzt – an Humor. Dass der kauzige Kommissar Mario Kopper einige beschlagnahmte Dopingmittel heimlich für sich einsteckt, ist noch halbwegs lustig, sein wiederkehrender Ärger mit einer jungen blonden Politesse, die ihm dauernd grinsend Parkbussen erteilt, ist nicht einmal einer billigen Vorabendserie würdig.

Vater will für Sohn ins Gefängnis

Auch die Aufklärung des Falls am Schluss vermag nicht zu überzeugen. Der Mörder ist der Verlobte des Opfers, ebenfalls Polizeischüler und Sohn des Schulleiters. Das Brisante daran: Der Schulleiter war einst ein Mentor und Förderer der Kommissarin Lena Odenthal. Dieser Mann hat den unnötigen Mord seines Sohnes gedeckt, nimmt am Schluss gar die Schuld auf sich, um dem Sohn das Gefängnis zu ersparen. Eine Überraschung zwar, aber eine wenig glaubwürdige: Die Abgründe hinter der rechtschaffenen Fassade des Schulleiters wurden zu wenig aufgezeigt, als dass man ihm so etwas abnehmen würde.

Den «Tatort»-Start im Schweizer Fernsehen hat man sich anders vorgestellt. Immerhin: Jetzt kann es nur besser werden. Wir bleiben dran.

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Erstellt: 03.01.2011, 10:07 Uhr

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58 Kommentare

Kurt Meier

03.01.2011, 10:59 Uhr
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auch ich werde weiterhin auf ARD den Tatort ohne Werbeunterbrechung schauen.... Antworten


Jacques Zimmer

03.01.2011, 10:54 Uhr
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Nein, diese Tatort-Folge hat mir nicht gefallen. Tatort ist die schlechteste Krimiserie überhaupt, 50 % der Geschichten sind wirr, unglaubwürdig und werden durch inhaltlich völlig unnötige Zwischenepisoden gestreckt, um die Sendezeit von 90 Minuten zu erreichen. Immerhin habe ich diese Folge bis zum Schluss verfolgt. Es gab auch schon Folgen, die waren so nervig, dass ich das nicht geschafft habe. Antworten




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