Kultur

«Unsere Orgasmen heilen die Welt»

Maggie Tapert will Frauen aus ihrem sexuellen Käfig herausholen und damit die Welt befreien. Das Schweizer Fernsehen hat die aussergewöhnliche Sexpertin begleitet.

1/12 tapert aus sf.jpg
Die selbst ernannte «Hohepriesterin der Leidenschaft»: Maggie Tapert. Nachfolgend Bilder aus ihren Workshops.
Bild: SF

   

Am Tabu weiblicher Sexualität kratzt die selbst ernannte «Hohepriesterin der Leidenschaft», Maggie Tapert, mit Vorliebe. In ihren Seminaren, aber nicht nur dort, sondern eben auch am Fernsehen. Und das schon zum wiederholten Mal. Die, für manche vielleicht anstössigen, Szenen von Frauen, welche sich alle in einem Kreis liegend oder sitzend mit einem von Tapert entwickelten Riesen-Vibrator laut stöhnend selber finden, hat die SF-Sendung «Puls» schon vor sieben Jahren gezeigt. Und damit einen Sturm der Entrüstung entfacht.

Gestern sahen wir ähnliche Bilder wieder am Schweizer Fernsehen, in einer Reportage über die gebürtige Amerikanerin: Frauen mittleren Alters und Frauen die schon ergraut sind, geben sich vor der Kamera in einem Tapert-Seminar ihrer Lust hin.

Blick hinter die Fassade

Gestern schaffte es die Sendung «Reporter», den Menschen Tapert einmal abseits ihrer absichtlich provokativen Aktionen und Seminare zu zeigen und mehr als nur das quotenbringende Thema Sex abzudecken.

Wir sehen Tapert, die von ihrer Kindheit in den USA erzählt. Und sich daran erinnert, dass ihre Eltern sehr lustvoll miteinander umgingen, der Vater eine starke sexuelle Präsenz besass. «Sie versteckten das nicht vor uns Kindern, wir bekamen das mit», so Tapert.

Maggie wurde Erwachsenenbildnerin, lebte mit ihrer eigenen Familie ein normales Leben. Bis sie mit 42 Jahren an einem Unterleibstumor erkrankte und nach der Operation realisierte: «Ich muss etwas unternehmen, damit ich nicht wieder Krebs bekomme.»

Zuerst liess sie sich im Bereich der Energie-Medizin ausbilden, eröffnete danach eine Praxis in der Schweiz. Dann hörte sie von einem Mann, der mit Sexualität arbeitete. «Ich arbeitete mich in dieses Gebiet ein und merkte: Wenn meine Sexualität nicht im Fluss ist, werde ich krank.» So wurde Maggie Tapert Sexualberaterin.

Die Welt retten einmal anders

Taperts erklärtes Ziel: «Unsere Lust und unsere Orgasmen werden die Welt heilen.» Ihre These scheint beim ersten Hinhören weit her geholt: «Ich will Frauen wachsen lassen als Mensch. Und die Sexualität ist eine Tür zum inneren Wachstum, die Frauen ziemlich schnell finden und schnell wachsen lässt.» Offenbar besteht ein Bedürfnis in der Bevölkerung, wenn immerhin 400 Frauen pro Jahr Taperts Seminare in der Schweiz besuchen.

Es gehe darum, die eigenen Grenzen zu überschreiten, über den eigenen Schatten zu springen, sagt Tapert. Eine Grenzerfahrung wie etwa die körperliche Auseinandersetzung mit dem Tabuthema «weibliche Sexualität» verändert einen zwangsläufig. Tapert sagt: «Sexualität ist die einfachste Art, Leute zu heilen in sehr kurzer Zeit. Wird dieses Tabu gebrochen, fühlen sich die Menschen sehr befreit.»

Noch bleibt viel zu tun. Die meisten Frauen, glaubt Tapert, seien entweder noch zu jung, um sich mit ihrer Sexualität auseinanderzusetzen. Oder sie schämten sich. «Frauen haben Hemmungen, ihre Sexualität offen zu zeigen und auszuleben, sie haben Angst, als Schlampe tituliert zu werden. Das ist ein solches Gefängnis für eine Frau.» Trotzdem zögen es viele Frauen vor, ihrem Mann ein Leben lang Orgasmen vorzuspielen, um ihm ein gutes Gefühl zu geben.

Das Problem der Frau Tapert

Ist Tapert eine Frau, die nur nach dem Lustprinzip lebt? Auch sie hat Hürden vor sich, die sie noch nehmen muss. Mit ihren 62 Jahren macht sich Tapert sorgen ums Alter. «Der Prozess des Älterwerdens ist ein hartes Stück für mich», gibt sie zu. Sie habe sich in letzter Zeit viel damit auseinandergesetzt: Bin ich noch eine attraktive Frau? «Meine Aufgabe ist jetzt, wie kann ich den Fokus auf mich richten und nicht immer nur auf die Frage: Gefalle ich den Männern noch?»

Jede Frau müsse selber entscheiden, wie sie sein will im Alter. «Ich für mich will immer Teil des Spiels sein», so Tapert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.05.2009, 13:30 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

13 Kommentare

Cindy Wohlgemuth

01.06.2010, 11:02 Uhr
Melden

Ich finde es großartig wie offensiv Frau Tapert, das Thema Lust an der eigenen Suxualität, kommuniziert. Sie rüttelt auf, sie rüttelt wach, und - man mag es nicht glauben, sie sensibiliesiert zum Innehalten und Selbsthinterfragen. Ziel erreicht!Jeder lebt das,was er leben kann, doch wenn man etwas Starthilfte für den nächsten Schritt bekommen kann, ist das doch super! Weiter so Frau Tapert! Antworten


marcel hegi

15.05.2009, 17:40 Uhr
Melden

bezeichnend, dass diesen artikel bis jetzt nur männer kommentiert haben? Antworten


Ronnie König

15.05.2009, 16:20 Uhr
Melden

Seit gewisse indische Gurus nicht mehr sind, kommen die unsrigen aus den Löchern. Ob Baghwan, Tantra oder Tapert, keins von allem hat die Gesundheit Sex oder Weltfrieden gerettet. Leo Spescha hat recht! Und allein schon ihre Geschichte macht mich misstrauisch! Was ihr half, muss bei anderen nicht so sein. Zu sektenhaft! Aber sicher lukrativ. Antworten


Ben Müller

15.05.2009, 12:27 Uhr
Melden

@leo spescha: exakt, genauso ist es! Ich habe nichts dagegen wenn Frau Tapert tut was sie tut. Aber so zu tun als würden alle nur das eine brauchen und das Thema derart penetrant als Wissenschaft und allein glückseligmachend zu verkaufen finde ich ein wenig übertrieben. Sollen doch alle so wie sie wollen. Antworten


Thomas Roth

14.05.2009, 20:15 Uhr
Melden

uuui, die runzeligen 68er zeigen ihre freie Sexualität noch einmal im Fernsehen. Ein letzter Funke Revolution. Bald haben wir diese Generation überstanden. Ich bin froh darüber. Antworten


leo spescha

14.05.2009, 14:44 Uhr
Melden

wieso wollen immer alle gleich die ganze welt retten. fangen wir doch bei uns selber an.....und beim partner. Antworten


Peter Broger

14.05.2009, 14:16 Uhr
Melden

Weiter so, es gibt doch tausende von Ansätzen, die tausende glücklich machen. Von Enthaltung bis (uups das darf man nicht schreiben). Hauptsache die Leute sind glücklich, geniessen das Leben und lassen die anderen am Leben. So einfach ist doch Harmonie. Who cares! Antworten


Leo Ullmann

14.05.2009, 14:15 Uhr
Melden

Eine errettende Sekte mehr! Eine Perspektive für die alt werdende Frau Tapert wäre, Uriella zu beerben und sich nur noch Gott hinzugeben, wenn keiner mehr anbeissen will. Antworten


Luther Koller

14.05.2009, 13:55 Uhr
Melden

Die Sexualität ist und bleibt wohl noch eine Zeit lang ein Tabuthema. Prinzipiell finde ich es super, was Maggie uns anbietet - wer nicht will, geht eben nicht hin. Was mir aber nie gefallen hat, ist dieser Hype einiger Super-"Stecher" oder "Masturbations-Königinnen"-Mentalitäten. Hier wäre etwas weniger, viel mehr. Guter Sex hat eben viel mehr mit Hingabe zu tun, als mit Forderungen am Partner. Antworten


Peter Zürcher

14.05.2009, 13:53 Uhr
Melden

Die Welt retten: Martin Ebner versuchte es mit der „Eigenkapital-Rendite“, Maharishi Mahesh Yogi mit dem „yogischen Fliegen“, Maggie Tapert mit „unserer Lust und unseren Orgasmen“. So what. Mittelfristig sind wir alle tot. Es bleibt beim Versuch. Antworten


Micha Bättig

14.05.2009, 13:26 Uhr
Melden

Ich finde das ganze ist etwas übertrieben, aber das muss sie ja sonst wird sie nie berühmt. Da die meisten Gebrechen der westlichen Welt auf psychosomatische Störungen zurückzuführen sind, hat sie durchaus gute Chancen "zu heilen". Sie nutzt wieder mal eine grosse Lücke, die die Schulmedizin völlig vernachlässigt: Körper und "Geist" als Eines zu sehen, womit sich aber schlecht Geld verdienen lässt Antworten


Thys Flueler

14.05.2009, 12:13 Uhr
Melden

Maggie Tapert liegt richtig mit ihrem Ansatz, dass Lust die Welt retten kann. Voraussetzung dazu ist die echte faktische Gleichstellung der Frau und eine Verschiebung dominierender männlicher Werte hin zu eher weiblichen, etwa der Risikobereitschaft zur Besonnenheit (Die Wirtschaft lässt grüssen!), der Dominanz zur Teamfähigkeit, der Kampfbereitschaft zur Konfliktbewältigung, vom Haben zum Sein. Antworten


Manuela Meier

14.05.2009, 12:09 Uhr
Melden

Warum kann die Lust nicht einfach für sich alleine stehen? Warum muss das Ganze auch noch esotherisch verbrämt werden mit Heilversprechen? Dass wir Frauen unsere Lust selber entdecken können und diesbezüglich nicht von Männern abhängig sind (aber selbstbewusst auch mit Männern Lust empfangen und schenken können) ist doch eine Wahrheit, welche auch für sich selbst stehen kann. Antworten



Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre

Bestenlisten

Kino
Kinoeintritte Schweiz

26. Januar 2012- 01. Februar 2012

1.1Intouchables64'262
2.neuThe Descendants18'860
3.2The Girl With The Dragon Tattoo16'439
4.44Jack And Jill16'133
5.32Man On A Ledge13'482
Mehr
Musik
Schweizer Hitparade

19.Dezember 2011 - 25.Dezember 2011

1.221, Adele
2.1Lioness; Hidden Treasures, Amy Winehouse
3.6Christmas, Michael Bublé
4.3Imaginaerum, Nightwish
5.5Made In Germany 1995-2011, Rammstein
Mehr
Bücher
Bestseller

6.Februar 2012 - 12.Februar 2012

1.1Das Alphabethaus, Jussi Adler-Olsen
2.2Aleph, Paulo Coelho
3.3Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Jonas Jonasson
4.4Sündige Gier, Sandra Brown
5. WEVom Ende einer Geschichte, Julian Barnes
Mehr