Kultur

Vernachlässigt SF die Städte?

Aktualisiert am 17.06.2010 26 Kommentare

Die urbanen Zentren kommen bei «Schweiz aktuell» zu kurz, bemängelt eine SRG-Programmkommission. Auch sonst zelebriert das Schweizer Fernsehen gerne das Landleben. Zu sehr?

Sollen mehr aus urbanen Regionen berichten: Die «Schweiz aktuell»-Moderatoren Sabine Dahinden, Claudia Weber, Oliver Bono und Michael Weinmann (v.l.).

Sollen mehr aus urbanen Regionen berichten: Die «Schweiz aktuell»-Moderatoren Sabine Dahinden, Claudia Weber, Oliver Bono und Michael Weinmann (v.l.).
Bild: SF

Auch die Unterhaltung setzt auf das Landleben: Nik Hartman von «SF bi de Lüt». (Bild: SF)

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Die Informationssendung «Schweiz aktuell» widmet sich gemäss Eigendeklaration «tagesaktuellen Ereignisse aus den Regionen». Dass sie dem nachkommt, ist unbestritten. Aber macht sie das auch gut? Die Programmkommission der SRG Bern Freiburg Wallis hat die Sendung von Oktober 2009 bis März 2010 unter die Lupe genommen und stellt eine einseitige Auslegung des Begriffs «Regionen» fest. «In der Berichterstattung von ‹Schweiz aktuell› sind die städtisch-urbanen Gebiete in der Tendenz eher bescheiden präsent», heisst es in einer Medienmitteilung des Gremiums. Und dies, obwohl «in der Schweiz 5,6 der 7,7 Millionen Menschen in den städtischen Grossräumen leben», wie es weiter heisst.

Der Einwand kommt überraschend, üblicherweise wird dem Schweizer Fernsehen eher eine «Zürichzentriertheit» vorgeworfen. Doch die Tendenz, ländliche Randregionen ins Zentrum zu stellen, ist nicht auf «Schweiz aktuell» beschränkt: SF zelebriert das Landleben, zeigt eine Idylle, wie es sie so wohl gar nicht gibt, insbesondere bei den «SF bi de Lüt»-Sendungen. SF-Pressesprecher Marco Meroni will von Benachteiligung der urbanen Zentren bei SF nichts wissen: «Übers ganze Programm gesehen ist das Stadt-Land-Verhältnis in der Berichterstattung ausgewogen.»

«Lieber sympathische Landleute als Gubristtunnel»

Die abtretende SF-Unterhaltungschefin Gabriela Amgarten erklärte kürzlich in einem Interview auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet die Sehnsucht nach ländlicher Idylle am TV folgendermassen: «Auch Städter verbinden das Landleben oft mit Ferien, also Erholung. Am Abend, nach einem anstrengenden Tag, entspannen sie sich deshalb mit einer Sendung, die eine intakte Landschaft und sympathische Landleute zeigt, besser, als wenn wir eine Sendung mitten im Stau vor dem Gubristtunnel produzieren.»

Doch gilt das auch für eine Informationssendung wie «Schweiz aktuell»? Gemäss der SRG-Programmkommission sollte «Schweiz aktuell» vermehrt «Beiträge senden, die den Städten und Agglomerationen ein Gesicht geben» und «urbane Atmosphäre vermitteln». Finden Sie das auch? Sendet SF allgemein zu viel aus den ländlichen Regionen? Ihre Meinung interessiert uns. Kommentare bitte unten anbringen. (rb)

Erstellt: 17.06.2010, 13:46 Uhr

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26 Kommentare

daniel keller

17.06.2010, 14:33 Uhr
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Ich mochte diesen Kult um das pseudoheile Landleben nie. Es gibt in der CH so viele für unsere Verhältnisse mittelgrosse Städte, die sehr viel zu bieten und damit zu entdecken haben. Vielleicht ist das anspruchvoller, teurer und aufwendiger für das SF. Doch bei SF bi de Lüüt zappe ich schon längst weg. Antworten


Markus Weilenmann

17.06.2010, 13:57 Uhr
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Ich nehme Schweiz Aktuell als Gefäss wahr, in welchem ich Dinge über das CH-Land erfahre, von welchen ich sonst nie was hören würde. Repräsentativ für die Schweiz ist die Sendung aber nicht! Die Kritik stimmt natürlich - und die ständige Zelebrierung des Landlebens (vgl auch SF bi de Lüüt) stützt auch ein falsches Schweizbild. Die Städte sind für die CH viel wichtiger, als viele wahrhaben wollen! Antworten




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