Kultur

Wer wird der Rütli-König?

Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 27.01.2012 4 Kommentare

Was passieren könnte, wenn die Schweiz das Dschungelcamp kopieren würde. Protokoll eines Alptraums.

Das Camp ist karg eingerichtet: Feuerstelle, Fahnenmast, Latrine, ein Rind: Das Rütli.

Das Camp ist karg eingerichtet: Feuerstelle, Fahnenmast, Latrine, ein Rind: Das Rütli.
Bild: Keystone

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Rasante Kamerafahrt über den Vierwaldstättersee. Zoom auf das Schnellboot, das die sechs Kandidaten zur Rütliwiese fährt. Es sind Shawne Fielding (Ex-Botschaftergattin), Carmen Fenk (Ex-Musicstar), Natasha Jackson (Ex-Traumjob-Kandidatin), Christoph Blocher (Ex-Bundesrat), Didier Cuche (Ex-Skistar in spe) und Büne Huber (etwas träger Sänger von Patent Ochsner). Das Schiff legt an, zu Fuss geht es den Hügel hinauf ins Camp. Alle schwitzen schon.

Christoph Blocher: Folgt mir, liebi Fraue und Manne, ich kenne den Weg.
Didier Cuche: Gibt es denn keinen Sessellift auf dieses verdammte Grütli?

Shawne Fielding: It’s Rutli, Douche.
Blocher: Nein, Misses Borer, da hat unser welscher Freund ausnahmsweise recht. En français on dit: Le Grütli!
Cuche: Haha! Kaiser von Kitzbühel bin ich schon, jetzt werde ich Grütli-König.
Blocher: Wir brauchen keine fremden Vögte, erst recht keine Österreicher. Mir wärs lieber, wenn dieser Huber da gewinnen würde. Den hätte ich im Griff.
Büne Huber: Dr Sunnechünig regiert d Ärde u richtet sich im Luftschloss y. Är gseet sech gross u grösser wärde, isch in Wahrheit aber ging no huere chly.
Natasha Jackson: Apropos klein, wo bleibt eigentlich der Fenkmotor?
Carmen Fenk: Hey, ein bisschen mehr «Respect», herrgottstärne!

Das Camp auf dem Rütli ist karg eingerichtet: Feuerstelle, Fahnenmast, Latrine, ein Rind. Neben Zelten aus Ausschussblachen der Schweizer Armee steht grinsend Moderator Sven Epiney. Er trägt einen perfekt sitzenden Anzug mit Kuhfell-Prints (Michel Jordi).

Fenk: Sali Sven!
Blocher: Ackeret wär mir ja lieber. Immerhin nicht wieder der Schawinski.
Epiney: Willkommen bei «Rütli-König». Wer die Nase voll hat, ruft einfach in die nächstbeste Kamera: «Ich will einen Cervelat, holt mich hier raus!» Good Night!
Jackson: Tssss. So ein Würstchen.
Cuche: Sag mal, weshalb nennt man dich eigentlich Egozicke, Natasha?
Fielding: Na, weil sie ständig rumzickt.
Blocher: So fertig! - Wir Männer gehen jetzt Holz sammeln, und ihr Weiber schält unterdessen die Kartoffeln. Es gibt Rösti-Znacht. Aufstehen, Huber!
Huber: I lige sälte uf dr fuule Huut, aber mache nie e Finger chrumm.

Später in der Nacht sitzen die Prominenten ums Feuer und diskutieren darüber, wer am nächsten Morgen zur ersten Rütli-Prüfung antreten soll.

Jackson: Ich hasse Rösti.
Fielding: Oh, shut up!
Fenk: Freunde, ich finde ja, dass ich die besten Chancen habe. Schliesslich habe ich schon bei «Musicstar» abgeräumt.
Jackson: Mag sein. Aber falls wir dieses Rind da schlachten müssen, sollte der Cuche gehen. Der ist doch Metzger.
Cuche: Ah non. Ich bin zurückgetreten. Passe-moi le vin, Über, s’il te plaît.
Blocher: Papperlapapp. Als ehemaliger Bundesrat betrachte ich es als meine Pflicht, diese Prüfung zu meistern.
Fielding: Well, macht, was ihr wollt. Ich gehe schwimmen. Totally naked! Dann hat der «Blick» was zu berichten.
Huber: Und i suufe mir es Loch i Chopf u ne Chlotz i Hals.

Um halb sechs Uhr wacht Christoph Blocher auf. Im ganzen Camp hat sich ein übel riechender Rauch ausgebreitet. Offenbar hat Büne Huber die Feuerwache verpennt. Blocher schnappt sich seine «Weltwoche» und klopft den Schwelbrand aus. Danach weckt er seine Mitstreiter mit einem zünftigen Jodel.

Fielding: Howdy! Ich habe gestern viele Forellen gesehen im See. Vielleicht solltest du mal fischen gehen, Huber. Davon träumst du doch schon so lange. Hihi.
Huber: Alka Seltzer zum Zmorge, mir näme pünktlich üsi Medizin. Dusse brätschet d Boulevardpress erbarmigslos Schlagzyle i Tag.
Fenk: Zuerst gibts Rösti, en Guete!
Jackson: Ich hasse Rösti.

Etwas abseits des Camps, in einer Feldküche, wartet grinsend Sven Epiney auf Christoph Blocher. Er trägt eine zur Toga umfunktionierte Schweizerflagge.

Epiney: Ein wunderschönes guets Mörgeli, Herr Alt-Bundesrat
Blocher: Pass ja auf, Bürschtli. Sag mir lieber subito, was ich machen muss.
Epiney: Güet. Die Prüfung heisst «Betty Grossi». Ich helfe Ihnen auf die Sprünge: «gross» ist Englisch und heisst «eklig».
Blocher: Dann her damit. So schlimm wie Fenks Rösti wirds kaum werden.
Epiney: Stuuudi!
Fernsehkoch Studi
: Hoi zäme. Als Entrée gibts Sältebachgrabe-Pilzigs mit Totentrompeten und Kräuterschnaps.
Epiney: Mhhh. So guet. Darf ich mal, ich bin eben ein kleines Schleckmaul.
Blocher: Pfoten weg!

Blocher verspeist die Pilzschnitte.

Studi: Als Hauptspeise ein Appenzeller Gitzi im Zürcher Ratsherrentopf. Und zum Trinken ein Rivella gelb.

Blocher verspeist und trinkt alles.

Studi: Zum Dessert servieren wir Fotzelschnitte und Churer Fleischtorte, garniert mit Nidletäfeli. Danach, quasi zum Runterspülen, ein Kafi Träsch.
Epiney: «Trash» ist Englisch und heisst «Abfall». Hihi.

Blocher verspeist und trinkt alles.

Blocher: Dumms Züg! Ich sage Ihnen: Das war alles köstlich. Ihr Leutschenbacher seid doch ein verwöhnter Haufen.
Epiney: Schuld ist der Ombudsmann. Er hat uns verboten, Basler Läckerli aufzutischen. Anyway: Hier ist Ihr Preis, Herr Alt-, pardon, Herr Blocher: sechs frische Eier und sechs Streifen Speck.

Als Blocher zurück ins Camp kommt, ertappt er Cuche und Jackson beim Austauschen von Zärtlichkeiten.

Blocher: Und ich dachte immer, Sie seien...
Cuche
: Was hast du da?
Blocher
: Ich habe Eier.
Jackson
: Das wissen wir. Sonst hätten wir dich wohl kaum zur Prüfung geschickt. Was hast du gewonnen?
Blocher: Ach rutscht mir doch den Buckel runter. F e n k !
Fenk: Hallihallo Christoph, hier bin ich. Was gibts?
Blocher: Eier und Speck. Für die Rösti.
Jackson: Ich habe jetzt endgültig die Nase voll von Rösti. Wer kommt mit, Heidelbeeren suchen?
Blocher: Hilde was?
Fielding: Relax!

Alle machen sich auf ins Dickicht, um für das bevorstehende 1.-August-Fest Heidelbeeren zu sammeln. Man beschliesst, dass derjenige Teilnehmer am Abend das Rütli-Camp verlassen muss, der am wenigsten Beeren findet. Nach zwei Stunden treffen sich die Kandidaten wieder bei der Fahnenstange.

Cuche: Zeig her deine Körbchen, Fenk.
Fenk: Und ich dachte immer, du...
Blocher: Es heisst «dein Körbchen».
Cuche
: Alors, wie viele Beeren?
Fenk: Mein Korb ist voll.
Fielding: Meiner auch.
Jackson: Dito.
Huber: I bi nid so gärn am Sueche, I bi lieber dä wo fingt, u we mir nüt i Schoss gheit, bin I fro, we me mirs bringt.
Cuche: Immerhin. Blocher?

Blocher zeigt sein leeres Körbchen und schüttelt wütend den Kopf.

Blocher: Sie, ich sage Ihnen: Das stinkt zum Himmel. Dieser Epiney hat euch doch verraten, wo die meisten Beeren wachsen. Insiderhandel! Und das auf dem Rütli! Am 1. August!
Jackson: Und tschüss.
Blocher: Freuen Sie sich nur nicht zu früh. Ich werde nicht zum ersten Mal abgewählt. Wir sehen uns bei Philippi wieder!
Fielding: Hildebrand?

Später am Abend tritt nicht grinsend Sven Epiney auf. Er trägt ein aus Goldvreneli gefertigtes Paillettenkleid und verkündet, dass der Sender gekauft wurde und deshalb höchst ungewiss sei, ob «Rütli-König» jemals gezeigt wird. Aus der Ferne hört man ein Donnergrollen.

Huber: Du bisch so ne blöde Gigu u ne Schliimsiech.

Szenenwechsel. Ein Kampflugzeug nähert sich dem Rütli. Im Cockpit des Gripen:

Roland Nef: Haha, das habt ihr nun davon, dass ihr mich als Ex-Armeechef nicht eingeladen habt zu eurem Rütli-Seich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.01.2012, 15:14 Uhr

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4 Kommentare

Oliver Balsiger

27.01.2012, 16:25 Uhr
Melden 6 Empfehlung

tolle einfälle, herr aeschlimann. ich habe mich köstlich amüsiert. speziell die patent ochsner-zitate haben mich als langjährigen fan und kenner von büne's philosophien immer wieder zum schmunzeln gebracht. you made my day! Antworten


Roland Frei

27.01.2012, 18:52 Uhr
Melden 2 Empfehlung

gottlob nur ein Albtraum - mir reicht das Camp auf RTL. Also liebes SF, bitte lesen, und bitte bitte nie kopieren. Es ist einfach nur fürchterlich. (aber lustig) Antworten




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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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