Zahlen sprechen gegen neuen «Arena»-Kurs
Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 10.11.2011 121 Kommentare
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Kurz vor Amtsantritt sorgte SRF-Chef Rudolf Matter für Irritation. In einem Interview kündete Matter im letzten Jahr eine inhaltliche Neuausrichtung der «Arena» an. Der Konfrontation zwischen SVP und SP dürfe nicht zu viel Platz eingeräumt werden, gab er damals zu Protokoll: «Ich wünsche mir mehr Relevanz und weniger Schlagabtausch.» Politiker und SRG-Kritiker warnten vor dem neuen Kurs und davor, dass die Quoten in den Sturzflug übergehen würden.
Zuschauerzahlen abnehmend
Das Jahr geht zu Ende und ein Blick auf die Quotenentwicklung zeigt, dass die Kritiker richtig lagen. Zahlen lügen nicht: Nimmt man die absoluten Zuschauerzahlen unter die Lupe, hatten in diesem Jahr auffallend viele Sendungen im Schnitt weniger als 200'000 Zuschauer. Die letzten sieben «Arena»-Sendungen konnten diese Marke gar nicht mehr knacken. Das ist eine magere Ausbeute, wenn man bedenkt, dass ein Wahlkampf über die Bühne ging. 2007 waren die Zahlen noch deutlich besser. Damals konnten die letzten sieben Freitagsdebatten vor dem grossen Showdown im Schnitt 222'500 Zuschauer mobilisieren. Entsprechend deutlich waren auch die Marktanteile: 2011 kam die «Arena» in diesem Zeitraum auf 18,5 Prozent, 2007 auf 24,6 Prozent.
Für SRF zählen die absoluten Zahlen wenig und der Vergleich mit 2007 zähle so oder so nicht, denn die Messmethode habe sich geändert. Sprecher Marco Meroni sagt: «Wir haben nicht verloren.» Für das Zuschauerinteresse seien die Marktanteile aussagekräftiger als die absoluten Zuschauerzahlen. Vergleiche man die Periode Januar bis September mit dem Vorjahr 2010, so hätte die Sendung den Marktanteil halten können. Für SRF erscheint die Analyse dieses Zeitraumes sinnvoll, da im September «Treffpunkt Bundesplatz» lief, mit bekanntlich mehreren Wahlarenen unter der Woche. «Von einem Quotenloch kann also nicht die Rede sein», sagt Meroni.
Auch Marktanteil nimmt ab
Das stimmt: Die Marktanteile zwischen Januar und September sind tatsächlich mit 20,8 Prozent identisch. Vergleicht man allerdings die Marktanteile aller Sendungen am Freitag mit jenen vom Vorjahr (gleiche Sendezeit und gleicher Sendeplatz), dann sinkt auch dieser Wert: Minus 0,6 Prozent. Das mag auf den ersten Blick nicht nach viel klingen, doch die Entwicklung zeigt nach unten. Die Differenz könnte sogar deutlich höher sein, denn 2010 fand die Fussballweltmeisterschaft in Südafrika statt. Vier «Arena»-Sendungen konkurrierten direkt mit dem Sportevent, was die Quoten massiv in den Keller sausen liess (siehe Grafik im Zeitraum Juni–Juli 2010).
Dass die «Arena» grundsätzlich ein Quotenproblem hat, machen die Zahlen der Talksendung «Club» offensichtlich. Die lockere Dienstagabendrunde zur selben Zeit war über viele Jahre quotenmässig deutlich tiefer als die «Arena», die auf ein breiteres Publikum ausgelegt ist. Mittlerweile muss der «Club» den Vergleich nicht scheuen. In Sachen Zuschauerzahlen und Marktanteilen hat die Sendung aufgeschlossen. Die Sendung am 1. November kam auf einen Marktanteil von rund 19 Prozent, die letzte «Arena» auf 17 Prozent.
Nur zwei Quotenhighlights 2011
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die «Arena» verliert Zuschauer. Trotz frischem Wind, seit Anfang Jahr moderieren Sonja Hasler und Urs Wiedmer abwechselnd, zeigt die Quotenkurve nach unten. Inwiefern der neue Kurs tatsächlich auf die Zahlen drückt, darüber kann nun spekuliert werden. Dass der konsensorientierte Stil schuld am Zuschauerschwund ist, liegt nahe. Denn nur zwei Sendungen können 2011 als Quotenhighlights bezeichnet werden. Es sind ausgerechnet jene, die nicht ins Weltbild Matters passen: Es waren dies Duelle, beide mit SVP-Vize Christoph Blocher. Weniger erfolgreich, aber dennoch über dem Durchschnitt, punktete auch das Streitgespräch zwischen Christoph Mörgeli (SVP) und Daniel Jositsch (SP).
Möglich, dass die abwechselnde Moderation bei den Zuschauern keine Identität schafft. Mit Reto Brennwald als feste Grösse konnte die Arena 2010 auffallend oft die Marke von 25 Prozent Marktanteil durchbrechen. Zugegeben, 2010 war ein Jahr mit kontroversen Abstimmungen, was die Quoten tendenziell in die Höhe treibt. Doch zweimal schaffte die Paradesendung 2010 gar den Durchbruch der 30er-Marke (Themen: «Angriff aus Deutschland», «Ausschaffungs-Initiative»). Ein solcher Erfolg bleibt dem neuen Moderatorenduo bis heute verwehrt.
Die Arena ist und bleibt eine Baustelle der neuen SRF-Führung. Dass sie die sachliche Diskussion fördern und somit den politischen Krawallmachern den Wind aus den Segeln nehmen will, ist im Sinne des Service public nachvollziehbar. Doch welchen Einfluss hat die Politsendung noch, wenn sie immer weniger Zuschauer vor die Bildschirme locken kann? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.11.2011, 11:54 Uhr
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121 Kommentare
Hasler Moderiert redet zu oft den Teilnehmern drein und bei linken Politikern nickt sie immer beifällig bei jeder Stellungsnahme. Auch hakt sie bei offenen Fragen wenig nach. Wir brauchen in der Arena und auch in anderen Sendegefässen nicht linke, unfähige und parteiische Moderatorinnen, sondern fachlich qualifizierte und neutrale Personen!! Antworten
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