Zeit für eine Time-Lady

Die Britin Jodie Whittaker verkörpert den ersten weiblichen «Doctor Who» in der Kultserie.

Der 13. Timelord ist eine Frau: Jodie Whittaker im Trailer für den nächsten «Doctor Who».


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Etwas mehr als ein Jahr nach dem Brexit ist Grossbritannien erneut gespalten. Der Grund: die Fernsehserie «Doctor Who». Am Sonntag, kurz nach dem Wimbledon-Final, gab die BBC den neuen Hauptdarsteller bekannt. Der kurze Trailer zeigt eine Gestalt im langen Mantel durch den Wald stapfen, der Kopf ist unter einer Kapuze verborgen. Dann, das Antlitz: blondes, mittellanges Haar, Jodie Whittaker.

Ja, der neue Time-Lord ist eine Frau. Zum ersten Mal in der über 50-jährigen Geschichte hat «Doctor Who» eine Protagonistin. Die einen jubelten, die anderen sahen die Serie am Ende.

Zeitreise in der Notrufzelle

Den Aufruhr versteht, wer um die Bedeutung des Formats weiss. «Doctor Who» gilt als die erfolgreichste Science-Fiction-Serie überhaupt. Rund fünf Millionen Briten schauen sie jede Woche. Hauptfigur ist der mysteriöse Doktor, ein Vertreter der Spezies Time-Lords vom Planeten Gallifrey. Er ist im Besitz einer Zeit-Raum-Maschine, der Tardis, die von aussen aussieht wie eine alte, blaue Polizei-Notrufzelle. Mit dieser reist er durch die Geschichte und das Universum; und gerät mit seinen wechselnden Assistenten in Abenteuer, die mal zur Römerzeit spielen, mal irgendwo im Weltraum.

Die Serie lief erstmals von 1963 bis 1989. Das Budget der Produktion war klein, wackelnde Kulissen und Monstermasken aus Gummi sorgten bei Skeptikern für Lacher. Dennoch gewann die Serie über die Jahre eine grosse Anhängerschaft. Spätestens mit der Neuauflage ab 2005 wurde «Doctor Who» zum weltweiten Phänomen. Zwölf Schauspieler verkörperten bisher den Doktor. Der Bekanntgabe des neuen Time-Lords fiebern Fans entgegen wie andere der Wahl eines neuen James-Bond-Darstellers.

Die English Rose

Die Wahl von Jodie Whittaker passt. Die 35-Jährige überzeugte in den letzten Jahren auf Bühne und Leinwand, als ungezogene Göre oder als hadernde junge Frau. Bekannt wurde sie aber vor allem mit der Krimiserie «Broadchurch». Über drei Staffeln spielte sie dort eine Mutter, die nach der Ermordung ihres Sohnes um den Zusammenhalt der Familie kämpft. Ihre Version der English Rose gab Whittaker da: die tugendhafte, typisch britische Schönheit, aber mit viel Punch. Wer das hinkriegt, dachte sich wohl die BBC, wird auch die Skeptiker eines weiblichen Doktors umstimmen.

In «Doctor Who» ist der Schauspielerwechsel stets Teil der Erzählung. Die Figur des Doktors «regeneriert» sich, erhält dabei ein neues Aussehen, sein Charakter verändert sich leicht. Anders als bei James Bond wird dem Zuschauer das neue Gesicht so erklärt, das schafft Kontinuität. Gleichzeitig haben die Macher die Möglichkeit, die Serie immer wieder anzupassen. Es ist diese fortlaufende Verjüngung, die wesentlich zum Erfolg der Show über all die Jahre beitrug. «Times change, so must I», sagte einer der Time-Lords einmal, kurz vor seiner Regeneration, «Die Zeiten ändern sich, also muss ich mich anpassen». Jetzt ist definitiv Zeit für einen weiblichen Time-Lord. Eine Time-Lady?

Der 11. Doktor regeneriert sich: Aus Matt Smith wird Peter Capaldi. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2017, 16:39 Uhr

Trailer zu «Broadchurch»

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